Freitag ist Ruhetag. Kein Unterricht am Morgen, sondern nur zwei Stunden Koreanisch am Abend. Also war kein allzufrühes Aufstehen angesagt. Wir hatten uns dennoch einiges vorgenommen, vom Geld abheben über den Kauf von Yonsei-Fanartikeln bis hin zum lange vor uns hergeschobenen Kauf der Koreanisch-bücher.
Der Plan war recht simpel, Doro wollte unsere Bude aufräumen, während ich der Beschreibung der deutschen Bank folgend mich dort hin begeben wollte um das Papier, daß die Welt bestimmt an mich zu reißen (Dazu muß man wissen, daß der auf der Seite der Dt. Bank angegebene Bezirk auf keiner Karte zu finden ist und wir uns von unserer Koreanischlehrerin den Weg beschreiben ließen). Mir war gesagt worden, daß ich zwar an Automaten für das Abheben Gebühren zahlen müsse, aber in der koreanischen Zweigstelle am Schalter Bargeld ausgezahlt bekommen könne. Ein Fehler wie sich herausstellen wird. Aber nicht zu voreilig.
Während Doro also die Hausfrau spielt mache ich mich zu Fuß auf den beschriebenen Weg zum Eastgate der Yonsei um dort eine der beschriebenen Buslinien zu bekommen. Kaum dort angekommen mußte ich feststellen, daß an der Bushaltestelle an der ich stand diese Linien garnicht erst fuhren. Auch die Station war nicht zu entziffern, da schlauerweise die Busfahrpläne nur in koreanisch gehalten sind und mein Koreanisch noch nicht das allerbeste ist (Wobei selbst dann einiges schwer geworden wäre weil ich nicht die genaue Haltestelle wußte, sondern nur, daß es vom Eastgate aus noch 5 Stationen sein sollten). Etwas verzweifelt habe ich mich dann kurzerhand ins Taxi gesetzt um nach der nächsten Kurve festzustellen, daß ich offensichtlich schlicht auf der falschen Straßenseite stand. Woher sollte ich denn die Richtung wissen und wieso haben hier nicht alle Busse in beiden Richtungen die gleichen Nummern wie in Deutschland? Nun fuhr ich also zum dreifachen Preis mit dem Taxi hinter dem entsprechenden Bus her. Eine 2 auf der Frustrationsskala stellt sich ein.
Kaum dort angekommen stelle ich fest, daß sich entgegen der Aussage der Lehrer
in die U-Bahnstation ("There is no Subwaystation nearby!"), nach der ich sogar explizit gefragt hatte, genau (!) neben dem Gebäude befindet. Frustrationsindex steigt auf 3. Aber immerhin scheint das Geld ja nah. Auf in den 18. Stock (Zwischendurch nochmal kurz in den falschen Aufzug gestiegen und im 5. Stock verlaufen) und dort in die Zweigstelle der dt. Bank. Dort erwartet mich eine junge, freundliche Mitarbeiterin und teilt mir nach einem kurzen Gespräch mit, daß man mir in Deutschland schlicht Müll erzählt hatte. Unter einer Million und Private Banking ginge hier garnichts (Dagegen hätte ich nichts, nur an der Million scheitert es leider in diesem Moment gewaltig). Ich könne jedoch mit der Visa-karte an allen üblichen International-Geldautomaten zu einem horrenden Gebührensatz Geld abheben. An dieser Stelle möchte ich bemerken, daß sich Doros und mein Bargeldvermögen insgesamt noch bei 12.000 SKW (8€) befindet. Frustrationsindex steigt auf 6.
Aus Frus
t stürme ich zunächst einen Buchladen um den LP von Montreal zu besorgen, dann in den nächsten Subways und kaufe mir zu europäischen Preisen einen Sandwich (der wenigstens lecker war). Dank T-Moneycard und der nahe gelegenen U-Bahnstation bin ich wenig später wieder in unserer "cozy residence". Um Doro nicht meine volle schlechte Laune entgegenzuwerfen, sondern auch etwas positives dabei zu haben bringe ich ihr ein Päckchen Erdbeeren mit (Ich bin ein Hecht). Die werden in der säuberlich aufgeräumten Bude auch mal spontan vernichtet.
Wir beschließen mit Doros Karte auf dem Weg zur Uni Geld abzuheben. Der erste Automat lässt uns im Stich. Tagesfrustfaktor steigt auf 7. Der zweite Automat verreckt kläglich kurz vor dem Ziel. 8.
Also auf zur Uni, die nächste Koreanischstunde ohne Buch und auf Grund der verreckten Automaten auch gleich mal 15 Minuten zu spät. In der Pause bekommen wir einen Tipp, daß man bei der auf dem Campus untergebrachten Woori-bank am internationalen Geldautomaten Geld bekommen könne. Wir stochen also nach der Stunde sofort dort hin. Die Bank hat zu, die Automaten haben offensichtlich auch Öffnungszeiten - 8,5.
Uns wird jedoch gesagt, daß man bei der Hauptstelle in Sinchon noch eine Chance hätte. Die Öffnungszeiten koreanischer Geschäfte bleiben uns ein Rätsel.
Ich habe mich in den vergangenen Tagen bei einer Studenteninitiative zum Tauchen eingeschrieben - mein Lichtblick. Die sollen sich nun heute treffen. Doro versucht also Geld in Sinchon zu bekommen und ich sprinte zum Treffen der Taucher. Dort angekommen werden mir zwei Informationen zuteil: 1. Das Treffen sei eigentlich erst nächste Woche und 2. habe man beschlossen auf Grund der Kommunikationsschwierigkeiten keine Austauschstudenten aufzunehmen. Ich bin echt enttäuscht, mein Frustfaktor steigt auf 9,5. Seit wann unterhält man sich unter Wasser? Selbst ich weiß von der internationalen Zeichensprache, die unter Wasser gilt.
Dem sicheren Suizid entgehe ich nur, weil Doro es geschafft hat Geld abzuheben (Wenn auch nicht bei der beschrieben Woori-bank). Ob nun mit Gebühren oder ohne lässt sich auf dem koreanischen Gekritzel einer Quittung nicht feststellen. Immerhin ist das Überleben ersteinmal gesichert.
Wir stapeln seit einer Woche unsere dreckige Wäsche im Schrank und während
meiner Abwesenheit hat die Frau des Apartments sich ihrer angenommen. Saubere Wäsche ist etwas Tolles. Mit Aussicht auf die heute Abend anstehende Geburtstagsparty eines Austauschstudenten futtern wir noch unsere allabendlichen Nudeln. Es kann nur aufwärts gehen.





2 Kommentare:
Das Leben in der Fremde ist halt nicht immer so einfach, wie man es sich von zu Hause aus vorstellt!
sehr theatralisch ausgedrückt.
Kommentar veröffentlichen