Der Samstag sollte ganz im Zeichen des Bodenminerals Ton stehen. Für heute hatten wir uns beim Pottery Trip angemeldet - Töpferei für Anfänger. Wie sich das gehört fing es pünktlich zum Wochenende an zu regnen.
Das sollte uns jedoch nicht abhalten und so saßen wir pünktlich um 11 im Bus mit zig anderen Austauschstudenten und Koreanern in Richtung des Töpfereimuseums. Während der Busfahrt lernten wir mal wieder die gesellige Seite der Koreaner kennen, die uns diverse Spiele nahebrachten um die Zeit zu verkürzen. Irgendwie ging es in den Spielen hauptsächlich darum den Verlierer zu schlagen - sympatisch. So verging die Zeit auch im Flug während die Koreaner sich gegenseitig verhauen.
Der weitere Tagesplan sah vor zuerst das latente Hungergefühl bei einem traditionell koreanischen Restaurant zu stillen und dann zum Töpfereimuseum weiterzufahren um dort nach einem kurzen Blick auf die Ausstellungsstücke unsere eigenen Kunstwerke zu formen.
Nach einer Stunde Fahrt und wenigen Schritten standen wir
in einem traditionell eingerichteten Tofu-Restaurant. Die Knie knackten und schon saßen, bzw. knieten wir am Tisch. Das Menü sollte aus Tofusuppe und ähnlich wenig einladenden Suppen bestehen. Wie sich herausstellte wurden unsere Erwartungen voll getroffen. Die Suppe war mehr als gewöhnungsbedürftig. Das beste daran ist allerdings, daß sie selbst den Koreanern nicht schmeckt und jeder sie nur isst, weil sie ja offensichtlich gesund zu sein scheint.
Zu der Suppe gab es noch eine andere Suppe, die aus den bei der Tofuherstellung anfallenden Restprodukten gekocht wird und als "Nachtisch" eine Suppe, die aus dem am Boden des Topfes angebrannten Reis mit Wasser besteht. Auf gut deutsch gab es außer der Tofusuppe nur Resteverwertung. Da hat jemand echt den Marketinggag überhaupt aufgefahren. Erst eine Suppe servieren, die quasi nach nichts schmeckt und dann dazu die dabei entstandenen Reste anbieten und sich bezahlen lassen. Genial, da kann der gewiefte BWLer echt noch dazulernen.
Nach
diesem kulinarischen Höhepunkt ging es weiter im Bus zum Töpfereimuseum. Das Museum ist nicht wirklich groß, bietet aber dennoch einige interessante Formen. Dort sollten wir uns Anregungen für unsere eigenen Pötte holen. Wahrscheinlich ist das auch der Grund dafür, daß in dem Museum einige Ausstellungsstücke eher an einen Nachttopf erinnern, als an Töpferkunst. Das soll den Besucher aufmuntern, wenn seine später geformte Töpferkunst eher an ein Stückchen Fäkalie erinnert, als an eine Vase o.ä.
Wir entschieden uns dafür, unser späteres Kunstwerk im Notfall als moderne Kunst zu bezeichnen.
Wenig später liefen wir dann durch den Regen über das Außengelände zu dem Ort, an dem unsere Kunstwerke Form annehmen sollten. Nach einer kurzen Einführung war es auch schon soweit und mit der Hilfe der Lehrer formte jeder sein kleines, persönliches Kunstwerk. Nachdem mein Kunstwerk als "individuell" bezeichnet wurde entschied ich mich, mir etwas helfen zu lassen. Im Nu waren Symetrien erkennbar und ich fuhr mit einer durchaus ansehnlichen Vase fort. Auch Doro kämpfte sich tapfer und ohne Hilfe durch die Tonklumpen zu einem Teepot durch.
Zum End
e hin waren einige Schmuckstücke zu bewundern und jeder hatte sein ganz persönliches Kunstwerk mehr oder minder fertiggestellt. Bewundernswert, daß es einige Kommillitonen gibt, die noch grobmotorischer sind als wir. Die Kunstklumpen haben wir ersteinmal zurück gelassen, um sie brennen und glasieren zu lassen. In 20 Tagen sollen sie uns nachgeschickt werden. Ich bin mal gespannt, ob unsere Tonstücke es durch den Ofen schaffen.
Mit dem Gedanken nun ein großer Künstler zu sein oder zu werden machten wir uns auf den Rückweg durch die typisch stauverstopften Straßen.
An der Uni angekommen stellte sich nach dem nur spärlich genossenen, "hochdeliziösen" Mittagsmahl die Frage nach dem Abendessen. Zusammen mit unseren koreanischen Mitfahrern entschieden wir uns für eine koreanische Kette, die uns frittiertes Hühnchen anbot. Leckerlecker.
Im gleichen Raum entdeckten wir wieder eine koreanische Eigenheit. E
ine Gruppe von Studenten traf sich zum Gruppenblinddate. Das ist nichts anderes, als ein Blinddate. Nur sind eben statt einem Blinddate gleich mehrere dabei, damit das ganze nicht so peinlich ist. Und so verschwinden die Mädels und Jungs in regelmäßigen Abständen zusammen auf der Toilette um sich über das andere Geschlecht auszutauschen. Für die Koreaner offensichtlich die Erfüllung, für uns Beobachter einfach nur lustig wie erwachsene Personen mit hochrotem Kopf Kinderspiele spielen und mit Bierkrügen Freundschaft trinken. Die Idee mit Gruppenblinddates klingt aber durchaus wie eine erfolgreiche Geschäftsidee.
Gesättigt und nach einem langen Tag reichlich müde machen wir uns auf den Weg nach Hause ins weiche Bettchen...





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