Dienstag, 4. März 2008

Unter der Sonne Seouls

Der Tag fing ereignislos an. Nach dem Aufstehen fanden wir in unserer Mailbox eine Mail, wie man das Handy endlich zum Laufen bringen kann und oh Wunder, es funktioniert und man kann damit telefonieren.

Dann huschhusch wieder in die Uni. Natürlich wieder ins letzte Eck. Dort war heute eine Stunde Business Communications angesagt. Erstaunlicherweise waren wir auch hier trotz des ausdrücklichen Hinweises nicht im Kurs angemeldet. Komisch. Ansonsten klingt der Kurs recht gechillt im Gegensatz zu dem bereits gehörten.
Danach ging es erstmal wie geplant in Richtung Immigration Office. Dabei fällt uns mal wieder das merkwürdige Phänomen des Linksverkehrs auf. Es herrscht zwar auf der Straße Rechtsverkehr, in der U-Bahn oder auf dem Gehsteig aber Linksverkehr. Das finden offensichtlich auch viele Koreaner komisch, weshalb das System nicht so wirklich funktioniert und sich immer irgendwelche Massenströme eher zufällig bilden. Und bevor man in den tötlichen Gegenstrom gerät sollte man tunlichst versuchen zur Masse zu stoßen. Dumm dabei ist nur, daß in Korea alle Leute schlurfend vor sich hintrotten. Das bringt uns zielstrebende Westdeutsche echt zum durchdrehen. Manchmal möchte ich den Trantüten einfach mal in die Hacken treten. Der Grund für diese schlafwandelnde Art sich fortzubewegen ist offensichtlich, daß ja kein Koreaner ohne mindestens (!) ein Handy leben kann und dies auch 24h am Tag nutzt. Und wie soll man sich zügig fortbewegen, wenn man währenddessen SMS schreibt?

Aber wir sind etwas vom Thema abgekommen. Auf zum Immigration Office. Drei Minuten zu spät standen wir vor dem Anmeldedesk und wurden in einen Raum geschickt, der an ein flaches Kino erinnerte in dem statt einer Leinwand eine Reihe Schreibtische und Beamte sitzen. In den etwas heruntergekommenen Sitzen warten mindestens 50 Personen. Ich würde mir für mich ja gerne eine Nummer ziehen, aber bei vier verschiedenen, auf koreanisch beschrieben, Nummernarten bin ich etwas überfragt. Doro wartet während dessen um ihre Reservierung wahrnehmen zu können. Kurze Zeit später ist es soweit. Die Reservierungsnummer stimmt zwar nicht, wir nehmen aber dennoch Platz und tun so als müsste alles so sein. Den Mann stört es wenig. Er beginnt für Doro den Papierkram zu erledigen. Ich wetze statt dessen in den Keller um in einer Art Kiosk 10.000 SKW für mich und 60.000 SKW für Doro in eine Art Briefmarke zu wechseln, die dann auf irgendwelche Formulare geklebt werden, die wir während unserer Wartezeit ausgefüllt haben. Dann werden uns noch unsere Pässe abgenommen und uns gesagt, die würden gebraucht und wir können sie mit unserem Visum dann am 14.03. wieder abholen. Unsere Gesichter kann man sich vorstellen indem man Charly Chaplin oder Stan von Stan & Olli betrachtet. Auf Nachfrage bekommen wir wenigstens eine Kopie unseres Reisepasses. Optimismus hilft weiter.

Von dort aus geht es zurück in unser schickes Apartment. Schnell ein paar Nudeln eingeworfen und auf zu unserer ersten Koreanischstunde. Nachdem wir uns mehrfach durchgefragt haben landen wir mit einigen anderen, teilweise von diversen vorangehenden Veranstaltungen bekannten Gesichtern in einem kalen Raum mit einer zugegebenermaßen ganz niedlichen Koreanischlehrerin (vor allem ihr "u" ist unschlagbar). Komischerweise finden wir heraus, daß das der einzige Kurs ist, in dem wir eingeschrieben sind. Und das, obwohl wir genau das Gegenteil erwartet hatten. Außerdem stellt sich heraus, daß der Kurs trotz der einfacheren Variante ein Intensivkurs werden wird und uns einiges abverlangen wird. Koreanisch ist recht schwierig. Dafür wird uns von einer amerikanisch-koreanischen Studentin freudig hüpfend angeboten uns zu helfen.

Einige Buchstaben später und immer mit dem Gedanken spielend den Kurs zu droppen und zu ersetzen sind wir wieder frei. Die letzte Entscheidung ist noch nicht gefallen. Wir freuen uns auf unseren heutigen Termin mit den im Guesthouse kennen gelernten Iren zum Abendessen. Ich habe meine recht neu erworbenen Ohrenwärmer im Klassenraum vergessen. Hoffentlich finde ich die wieder.

Sie führen uns zu einem Restaurant in Insadong zum Galbi essen. Das Essen ist reichlich und schmeckt super, die Stimmung ist klasse! Wir nutzen Sitztische. Echt asiatisch eben. Das dauert auch einige Stunden in denen das Essen nicht ausgeht. Nachdem wir auf Grund der fortgeschrittenen Stunde raus geworfen werden wandern wir zum Nachtisch ein paar Straßenecken weiter nach Myeong-dong zu Dunkin Donuts. Zwar weder stilecht, noch figurbewußt oder asiatisch, aber dafür lecker. Ziemlich spät machen wir uns auf den Heimweg. Schöner Abend :-)

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