Samstag, 8. März 2008

Sonniger Samstag

Der Abend gestern war der Hammer. Als wir ankamen waren irgendwie ziemlich alle Exchangestudenten anwesend. Sogar die Graduates hatten den Weg gefunden. Sehr zu Cedrics Verwunderung - er hatte nur ca. 20 Leute informiert.

Ruth und Charlotte hatten eine 1A Torte besorgt mit Kerzchen und allem was dazugehört. Als wir mit dieser Torte dann fröhlich gröhlend in die Bar stolpern kocht die Stimmung über. Die ersten besoffenen Koreanerinnen stürmen mit Löffeln bewaffnet auf uns zu und wollen der Torte an den Kragen. Nicht mit uns!

Kampferprobt wird die Torte gerettet. Wir suchen uns ein flauschiges Plätzchen und die Bestellungen gehen in die nächste Runde. Und nochmal in die nächste Runde, und nochmal,...

Am Ende zieren zig geleerte Pitcher den Tisch. Der Kuchen wird angebrochen und gönnerhaft verteilt. Irgendwann scheint dann der engere Kreis etwas gesättigt zu sein und Cedric nutzt den Rest der Torte zu einer kleinen privaten Tortenschlacht. Eigentlich schade um die Torte. Das findet Doro auch und versucht die herumfliegenden Tortenstücke zu fangen und zu verspeisen.

Danach ist wieder eine neue Bestellrunde angesagt. Die Koreaner sind schon extrem locker und rot im Gesicht, Nummern werden ausgetauscht, die Stimmung wird immer besser. Die Party ist (Zitat Denny) "fuckin' awsome". Genauso wie mein Name übrigens. Der scheint zumindest einige Koreaner echt mitgenommen zu haben. Natürlich nur weil ein Film mit dem gleichen Namen existiert. Inzwischen können wir übrigens unsere Namen schreiben. Geht leider mit der deutschen Tastatur nicht...

Um halb eins machen sich Doro und ich auf den Heimweg ins flauschige Bettchen. Noch 7 Stunden Schlaf, dann habe ich mich mit Jasper verabredet. Wir wollen uns mit einem Studenten treffen, der uns zur American Football Mannschaft der Uni mitnimmt.

Ich stehe also viel zu früh auf, stelle mich erstmal unter die kalte Dusche um halbwegs ansprechbar zu sein und schaffe es dank Doros Hilfe und Antrieb sogar noch zum Frühstück. Pünktlich stehe ich in der Lobby und treffe Jasper.

Zusammen machen wir uns auf den Weg zur Uni und treffen auch halbwegs pünktlich ein. Niemand da.

Wir setzen uns in die Sonne und warten eine halbe Stunde vergeblich. Irgendwie habe ich kein Glück mit den studentischen Initiativen. Die Sonne am Morgen ist dennoch schön. Verglichen mit sonst ist der Campus schön ruhig und unbevölkert (Obwohl immer noch einige Streber ihrer Lernerei nachgehen).
Also ab nach Hause und nochmal ins Bettchen etwas Schlaf nachholen.
Nach einem kurzen Nickerchen haben wir uns dann ein Restaurant ausgesucht, was mit günstigen Preisen auf rein koreanischen Lettern warb. Ein gutes Zeichen. Auch das Bestellen mit Händen und Füßen klappt hervorragend (Übung macht den Meister). Wir ordern ausdrücklich etwas nicht scharfes. Das Essen ist zwar lecker, brennt aber trotz "not spicy" alle Bakterien aus dem Körper. Schweiß presst sich durch alle Poren. Ein herrliches Gefühl, Sauna kanns nicht besser...

Nachdem wir uns durch unser Essen gekämpft haben machen wir uns auf den Weg zur sog. Wedding Street. Das ist eine Straße, auf der sich ein Brautmodengeschäft neben dem anderen aufreiht. Und zwar werden sowohl koreanisch klassische Brautkleider, als auch westlich moderne angeboten. Darauf scheinen die angehenden Bräute auch tierisch stolz zu sein, daß sie sogar anfangen zu posieren, wenn wir mit der Kamera die Brautkleider ablichten wollen. Viel mehr hat diese Straße allerdings leider nicht zu bieten und so machen wir uns wieder auf den Rückweg nach Sinchon um von dort aus den Fischmarkt im Süden Seouls zu erkunden.

Zwischendurch laufen wir an einigen Unterwäscheläden vorbei. Die Unterwäsche hier ist vergleichbar mit Schiesser-Unterwäsche in der Kinderabteilung vom Kaufhof. Erschreckende Vorstellung, daß die ganzen scharfen Asiatinnen so Liebestöter mit sich herumtragen. Den Gedanken möchte ich schnell verdrängen...

Also in die U-Bahn und auf zum Fischmarkt. Der Fischmarkt kommt uns schon geruchstechnisch zwei Stockwerke früher entgegen. Es riecht nach Fisch, nein es stinkt nach Fisch. Wie erwartet eben. Das soll ja eigentlich kein gutes Zeichen sein, wenn Fisch anfängt zu riechen. Hier ist es allerdings weniger der Fisch selber, der stinkt, sondern einfach alles stinkt nach Fisch.
Wenn man den Markt dann als erstes aus einer etwas empor gehobenen Position betrachtet staunt man als Westeuropäer schon nicht schlecht. Da sind mehrere hundert Stände zusammengequetscht auf engstem Raum, die so ziemlich alles schwimmende Getier anbieten. Und das in allen Lebensformen. Ob noch mehr oder minder lebend in Wasserbottichen (sehr häufig) oder bereits geschlachtet. Alles ist da. Die Seegurke, der Oktopus, der Hering, der Thunfisch und der Hummer - alles andere natürlich auch. Wir wandern über den Markt, unsere Hosen saugen gierig das nach Fisch stinkende Wasser am Boden auf. Mhmm, lecker.

Nach sicherlich einer Stunde Fischmarktobservation haben wir wiedereinmal genug von Fisch und Meeresgetier und treten, den Fischgeruch an uns tragend, den Heimweg an.

Zu Hause angekommen wechseln wir als erstes die stinkenden Schuhe und Jeans aus und packen sie in einen Schrank. Minuten später stinkt der Schrank nach Fisch - toll. Doro stellt entzückt fest, daß wenigstens der Rest des Raumes verschont geblieben ist.

Ein letzter Gang führt mich noch einmal in das bekannte Kaufhaus um mir Rasierschaum und ein paar Pilze für das Abendessen zu kaufen. Die Pilze sind schnell gefunden, alles kein Thema. Dann auf zum Rasierschaum. Nur wo ist das verflixte Zeug?
Irgendwann erspähe ich einen Einkaufswagen, aus dem eine Verkäuferin Waren in die Regale räumt. Darin befindet sich auch mein heiß begehrter Rasierschaum. Nur leider die teure Version. Ich bin "geiz ist geil" gewöhnt, ich will billig! Also kurzerhand gefragt wo ich denn allgemein Rasierschaum finden könne. Hand und Fuß sind für diese Verkäuferin offensichtlich nicht genug. Ihr IQ befindet sich auf Höhe der Zimmertemperatur (Evtl. in der Tiefkühlabteilung) und ich gebe es verzweifelt auf sie weiter zu belästigen und mir ihren "Bist Du ein Alien?"- Blick reinzuziehen. Ich habe einen Plan. Irgendwann muß dieses strunzdoofe Wesen ja auch mal den noch im Korb befindlichen Rasierschaum einräumen. Und wo der eine Schaum ist werden sich ja auch die anderen Sorten befinden.
Erwartungsgemäß und meinem Schicksal folgend ist der Rasierschaum das letzte, was sie angeht und - bringt ihn an die kleinen Ständer zur Kasse. Da schwant es mir. Die Asiaten tragen nicht nur Kinderunterwäsche, denen wachsen ja auch keine Barthaare. Die paar Härchen, die die bekommen kann man mit dem nassen Waschlappen wegwischen, wozu also Rasierschaum?

Der Verkaufstempel vertickt dieses Luxus-rasiergel also nur an die armen, behaarten Touristen. Und ich bin das Opfer. Mit dem Gefühl grade ausgeraubt zu werden kaufe ich die Luxusversion Rasierschaum - auch nicht ohne vorher noch einmal erfolglos den gesamten Supermarkt umgegraben zu haben. Nichtmal bei den weiblichen Hygieneartikeln findet sich irgendetwas vergleichbares.

Schocking... Ich erwärme mich auf dem Rückweg mit dem Gedanken an Reis und gebratene Pilze. Mjammjam.

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