Montag, 10. März 2008

Yonsei at Heart

Mit deutscher Pünktlichkeit klingelt der Wecker um 7 Uhr - ich frage mich ernsthaft, wie das mit der Akklimatisierung und Integration in einer fremden Kultur funktionieren soll, wenn einen die absoluten Basics noch an Deutschland ketten. Richtig, es ist Montag morgen: aufstehen, duschen, zähneputzen, anziehen, Cons wecken, gleiches Prozedere für ihn, Frühstücken, und ab zur Uni - ganz einfach wie jeden Morgen.

Um neun beginnt der Tag dann so richtig mit einer Doppelstunde Global Business Environment. Prof Pak Yong Suhk (Mein Name ist Pak, Yong Suhk Pak - Nachnamen werden hier nach vorn gesetzt) gibt sein Bestes um die Vorlesung in englischer Sprache zu halten. Auf einem Zeugnis würde man zweifelsohne die Phrase "Er hat sich sehr bemüht" vorfinden - und das trotz MBA und Promotion in den USA! Das gekauderwelschte Wirrwarr verführt nicht gerade dazu, die noch müden Öhrchen aufmerksam zu spitzen. Auch das inhaltliche Niveau der Vorlesung überfordert uns nicht unbedingt - man bedenke, dass es ein Top Level Kurs ist, momentan höchstens Top Level an Schreib- und Präsentationsarbeit. Aber wollen wir mal nicht zu voreilig sein und den Tag vor dem Abend loben, was nicht ist kann ja noch werden.

Nach einem kurzen Intermezzo in einer der Kantinen der Yonsei machen wir uns auf in die Bibliothek um Artikel für die Vorlesung aus dem Harvard Business Review von einer Datenbank herunterzuladen und auszudrucken. Aber wiedermal erwartet uns die gewohnt moderate Planung.

Die Kurzform: keine studentID-card, studentID-number dem System nicht bekannt, Sprachbarrieren, Lächeln, Labern, Eintritt durch Überforderung der Empfangsjungs. Soweit so gut. Artikel downloaden und auf den USB... Halt! Unsere USB-Sticks funktionieren nicht. Also alles per Mail geschickt und frohen Mutes in den 4. Stock um zu drucken.

Nicht mehr lange frohen Mutes, denn nachdem der Zahlautomat für den Drucker gierig unsere Scheinchen verschlungen hat können wir trotzdem nicht drucken. Die Passnummer wird verlangt, alternativ die Nummer der Alien Registration Card. Nur zur Erinnerung: Unsere Pässe sind beim Immigration Office, damit die Alien Registration Card erstellt werden kann.

Wir reagieren darauf professionell, indem wir das Sofa in der Bibliothek für ein kleines wohlverdientes Mittagspäuschen nutzen bevor wir uns auf den Weg zum alltäglichen Koreanischkurs begeben.

Am Korean Language Institute finden wir einen Austauschstudenten, der schon sein 2. Semester hier ist und uns die erste Hälfte seines neuen Grammar Books und Reading Books (immer 1. und 2. Semester im Doppelpack) für 22.000 KRW verkauft. Dafür verstümmelt er gekonnt sein Grammar Book. Ein ausnahmslos gutes Geschäft.

Der Koreanischkurs ist wie immer: u, o, a und viele Laute, die für den deutschen HNO-Bereich wohl einfach nicht geschaffen sind. 2 junge Frauen übernehmen unseren Kurs täglich abwechselnd, aber Cons und ich bevorzugen die Dienstag&Donnerstag-Dame. Sie kann so herrlich das u-Schnütchen vormachen! Heute allerdings amüsieren wir uns auch offensichtlich köstlich, denn wir üben Laute, die im deutschen einer informellen Bezeichnung für Exkremente sehr ähneln.

Auf dem Heimweg kommen wir mal wieder nicht an dem Zimt-Zucker-Traum-Stand vorbei, ohne Geld dazulassen. Ein absoluter Gute-Laune-Macher. Für mich gibts Spaghetti mit Ketchup, für Cons Sushi mit ein paar anderen Studenten. An sich ist Sushi sicher ganz lecker, aber es ist immer so verdammt viel Masse im Mund, dabei vergeht mir doch immer wieder der Appetit.
Nachdem er wieder ins traute Heim zurückgekehrt ist macht er mir noch den Mund mit einem Nachtisch wässrig, an dem ich wohl in den kommenden Tagen nicht vorbeikommen werde.

Nach einem langen Tag an der Uni freue ich mich jetzt aufs schöne, weiche, warme Bettchen. Und ich bin mir sicher, dass hier die Planung excellent ist!

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Es dauert wohl für einen ALIEN etwas länger bis er richtig loslegen kann bei Yonsei. Der Informationsfluß sollte besser sein. Wäre mal´ne Info wert für die heimische Uni!