Donnerstag, 13. März 2008

Heute ist morgen schon gestern

Da wir es gestern nicht geschafft haben unseren Blogartikel hochzuladen holen wir das heute nach.

Bis zum Mittagessen war eigentlich alles wie immer - unspektakulär. Zum Mittagessen haben wir uns dann wieder einmal in eine der Uni-kantinen verirrt. Nicht grade die kleinste, aber durchaus ok. Meine Nudelsuppe bekam ich knast-like im Blechnapf serviert. Reis und irgendetwas undefinierbares in scharfer Soße liegt gratis bei. Obwohl dieser Freßtempel nicht der kleinste ist platze er durch den stetigen Studentenansturm recht bald aus allen Nähten. Dennoch waren es wohl eher die Ess(un)manieren der Koreaner die uns dazu trieben recht bald die Kurve zu kratzen. Schon eklig und irgendwie auch gefährlich wenn ein Asiat doch mal genötigt wird Messer und Gabel zu benutzen.

Auf dem Rückweg kommen wir dann in der U-Bahn an einer offensichtlich spontan entstandenen Mini-studenten-demo vorbei. Obwohl wir uns sicherlich einige Minuten dort aufhalten bleibt uns der tiefere Sinn dieser Sitzblockade verborgen. Soll das eine künstlerische Aktion sein? Ein Flashmob? Politischer Hintergrund? Sollen wir uns dazu setzen?
Wir beschließen, daß es uns egal ist, betrifft uns eh nicht.

Doro macht sich also auf den Weg zum Mittagsschläfchen und ich mich auf den Weg zum Rathaus um dort ein paar Karten zu besorgen, die auch den Westen Seouls abdecken. Also *hüpf* in die überfüllte U-Bahn und auf in die Mitte der Stadt. Dort treffe ich auf eine Gruppe behinderter Demonstranten, die in ihren Rollstühlen immer wieder mit Transparenten über die Straße ziehen. Ich lasse sie erstmal links liegen und stürme durch die Sicherheitsabsperrungen ins Rathaus. Nach einigem Suchen an der falschen Stelle des Hauses finde ich endlich die Tourinfo und muß enttäuscht feststellen, daß die das gleiche Kartenmaterial haben wie jede andere Tourinfo auch. Dennoch bekomme ich die gesuchte Karte. Immerhin nicht umsonst hergefahren.

Als ich das Gebäude wieder verlasse bietet sich mir ein etwas eigentümliches Bild. Drei gepanzerte Polizeibusse sind vorgefahren und haben mehrere Mannschaften gradezu schwerbewaffneter Polizisten ausgespuckt, die jetzt semiprofessionell die Demonstranten einkreisen. Ich frage mich etwas, wie das aussieht, wenn sicherlich 60 Polizisten sich auf 20 demonstrierende Rollstuhlfahrer stürzen. In Deutschland wäre das Geschrei groß, hier kümmert es niemanden - die Rollstuhlfahrer auch nicht. Die demonstrieren nämlich brav weiter bis die Polizisten in militärischer Disziplin und irgendwie den Pfadfindern gleichend den Marschweg der Gruppe unterbrechen. Dann suchen sich die Demonstranten kurzerhand einen neuen Überweg aus. Die Polizei, etwas unflexibel, blockiert während dessen weiterhin den anderen Überweg und guckt etwas dumm aus der Wäsche.
Irgendwann wird es den Demonstranten aber auch zu langweilig und sie gehen. Die anwesende Polizeispitze ist sichtlich verwirrt, berät sich sicherlich 10 Minuten um dann die Männer in 9er Rotten hinter der Gruppe hertraben zu lassen, die schon mehrere Blocks weiter gezogen ist.
Wogegen hier demonstriert wurde ist mir leider auch noch nicht klar.
Kaum zu Hause angekommen machen sich Doro und ich zusammen auch wieder auf den Weg zur Uni. Wie jeden Nachmittag steht Koreanisch auf dem Programm. Die Laute erschließen sich uns nach wie vor nicht. Das wird noch bitter werden. Wieso nuschelt die Lehrerin auch nur? Wieso klingt diese Sprache bei jedem Lehrer irgendwie anders? Sogar die Laute ähneln sich nichtmal. Und wieso ist der Koreanisch-unterricht für absolute Anfänger in koreanisch? Wie soll ich denn bitte die Erklärungen auf koreanisch verstehen, wenn ich nichtmal "ich verstehe das nicht" auf koreanisch sagen kann? Ein Rätsel jagt das nächste. In der Pause kommt ein koreanischer Student auf uns Austauschstudenten zu und bittet uns alle, ihm auf eine vorgefertigte Form etwas zu schreiben. Zuerst denke ich etwas abgeneigt an eine Unterschriftensammlung, stelle aber fest, daß hier etwas anderes vorliegt. Auf der Form braucht man keine Unterschrift, sondern nur seinen Namen, sein Land und eine kleine Nachricht für ihn. Auf unsere Frage nach dem Sinn und Zweck der Aktion meint er, er sei nun bald mit dem Studium fertig und möchte diese Liste potentiellen Arbeitgebern vorlegen um damit seine Social Skills zu untermauern. Schließlich belege diese Liste dann, daß er ja viel Kontakt mit anderen Kulturen habe. Ich kann mir das Lachen nur schwer verkneifen, schließlich habe ich den Kerl noch nie vorher gesehen. Auf solche Ideen kann auch nur ein Koreaner kommen.
Unser schönes fancy Studio hat ja bekanntlich einen Nachteil - es ist teuer. Daher sind wir immer ein wenig auf der Suche nach einer günstigeren Wohngelegenheit. Gestern hatten wir mal wieder eine Wohnungsbesichtigung. Grade im Vergleich mit unserer aktuellen Residenz nicht grade attraktiv. Kellerwohnung ohne wirkliche Einrichtung und eine rosa Tür. Das Ausschlußkriterium war mal wieder nur ein Bett. Schadeschade.
Wieso ist die Wohnungssuche hier nur so ein riesen Problem? Einzige Alternative wäre das sog. I-house. Dort ist aber strikteste Geschlechtertrennung angesagt. Also nichtmal ein Besuch auf dem jeweils anderen Zimmer ist drin. Da wir ja hier zu zweit sind, ist die Alternative für uns wenig verlockend. Wir hoffen also weiterhin etwas blauäugig auf ein Wunder oder den Lottogewinn.
Sollte ein mitleidvoller Leser Spenden an uns weiterreichen wollen geben wir auf Nachfrage gerne die Kontodaten bekannt.
Danach geht es dann nach Hause. Eigentlich wollen wir noch eine Zusammenfassung eines Textes schreiben, brechen das aber nach der Hälfte ab. Wir werden einen anderen Text nehmen und erst am Wochenende damit anfangen. Zwar nicht grade sinnvoll, aber dafür entspannter. Ich sollte mich bei der Reiseleitung beschweren. Der Urlaub hier artet noch in Arbeit aus.

Zum Abendessen dann mal etwas neues wagen - Nudeln.

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