Sonntag, 2. März 2008

Party auf Koreanisch

Für das letzte Wochenende hatten wir uns für eine Exkursion der GSIS angemeldet. Das ist die zuständige Stelle für Graduate-studenten. Wir sind zwar nur Undergraduate, wurden aber dennoch eingeladen und sind für 40.000 SKW der Einladung gefolgt. Dafür bekam man die Fahrt ans andere Ende der Welt, das Essen, Alkohol und ein paar nette, neue Kontakte gratis dazu.

Wir trafen uns also pünktlich am Samstag morgen mit ca. 70 anderen Studenten und wurden in zwei Busse verpackt, die 4 Stunden in Richtung der Berge nach Gangchon, Kyunggido fuhren. Dabei mussten wir bedauerlicherweise feststellen, dass im internationeln Stauvergleich Korea ähnlich wie Deutschland abschneidet. Es staut sich halt. Angekommen fanden wir dann in Mitten der verschneiten Wildnis (schon wieder Schnee) ein idyllisch wirkendes Fleckchen Erde vor mit zwei Häusern. Natürlich wiedermal nach prüdem koreanischen Vorbild wurde das eine Haus den weiblichen Mitfahrern und das andere den männlichen zugeteilt.
In den Häusern gab es keine Betten, sondern lediglich Decken und Kissen, die man auf den beheizten Boden legte. Davon gab es zwar zu wenige, aber das störte zu dem Moment noch niemanden. Mich am allerwenigsten, weil ich mir einen Schlafsack mitgenommen hatte und Doro eine Decke.
Kaum dort angekommen, den Bus entladen und unser Gepäck abgeladen fingen wir in Gruppen aufgeteilt mit einigen typischen Kennenlernspielen an. Dann traten die 4 Teams gegeneinander an. Mit einer gigantischen Aufholjagd siegt Team1, mein Team. Doros Team wird bedauerlicherweise letzter. Interessant war das nur in sofern, als das die beiden letzten Teams am darauffolgenden Tag das Frühstück machen mußten, aufräumen mußten und die anderen Teams bedienen durften. Ganz mein Ding - Doros weniger.

Danach war dann schon der Beginn des Feierns angesagt. Mit leichtem, gegrillten (etwas angebranntem) Essen startete der Abend. Generell garnichtmal so übel. Und im Vergleich zu dem sonst zu findenden Essen in Korea gradezu westlich. Das Bier floß und die Koreaner versuchten verzweifelt ihr fehlendes Gen zu vergessen. Und so wurden wir darüber informiert, daß Koreaner begeisterte Fans von Trinkspielen sind. Also schnell das Team West (bestehend aus Europäern und Amerikanern) gegründet und gegen das Team Korea angetreten. Erwartungsgemäß gewinnt Team West haushoch in jeder Disziplin. Das scheint einige Koreaner allerdings anzustacheln zu versuchen gleichzuziehen und so nimmt für einige Vertreter der asiatischen Gattung der Abend einen komatösen Verlauf an ;-)
Doro und ich haben uns durch akzeptable Performance unseren Respekt der Koreaner hart erarbeitet und sind dennoch verhältnismäßig nüchtern geblieben.
In der Zwischenzeit startet die Karaoke im Hintergrund, von der wir uns auf Grund mitgenommener Stimmen etwas fernhalten. Dabei entdecken wir aber den ADS-Typen der Welcomingparty wieder. Auch hier ersucht der gute Herr die Aufmerksamkeit der Masse durch musikalisch und tänzerisch wenig überzeugende Art auf sich zu ziehen. Es stellt sich heraus, daß er Niederländer ist. Noch mal Glück gehabt, Aufatmen bei den Vertretern Deutschlands. Von denen gibt es auch hier einige, die den Abend allesamt recht gut überstehen und auch noch sicher stehen, während sich die Reihen der Asiaten merklich ausdünnen.
Durch den Alkohol gelöst starten die Koreaner das uns aus der Grundschule bekannte Spiel "Wahrheit oder Pflicht". Köstlich.

Irgendwann beschließen wir uns auch zu Bett zu begeben. Doro schafft es bei den Mädels noch einen Platz zu ergattern und eine Unterlage, ich habe weniger Glück und freue mich über meinen Schlafsack. Der Boden ist mehr eine Kochplatte, als eine Heizung. Wir machen die Erfahrung, daß in Korea nicht nur die Männer gerne stinken, sondern auch die Frauen voll bekleidet ins Reich der Träume segeln. Desillusionierend. Dank Schlafmaske und Ohropax klappt das Einschlafen recht schnell. Zumindest bis ein stockbetrunkener Skandinavier nachts über mich fällt. Der hält dann auch meine Mitschläfer noch einige Stunden mit lauten Selbstgesprächen und diverse Wanderungen wach bis er dann im Bad zur Ruhe kommt. Mich stört das glücklicherweise dank vorher genannter Utensilien herzlich wenig.

Der nächste Morgen bringt noch mehr Schnee zum Vorschein. Ich bin glücklich um die Bedienung herum gekommen zu sein und werde, als ich endlich zum Frauenhaus schaffe (in dem sowohl am Abend gefeiert wurde, als auch das Frühstück veranstaltet wird), mit Instantkaffee, einem gekochten Ei und scharfen Instantnudeln empfangen. Spannende Kombination.

Danach ist dann auch schon die Rückfahrt angesagt, die dank weniger Verkehr nur noch 2 Stunden benötigt

Nach der Ankunft im trauten Heim ist naturgemäß erstmal duschen angesagt, da das ausschließlich kalte Wasser in den Bergen lediglich zu einer kurzen Katzenwäsche einlud (wobei auch diese freundliche Einladung vom Großteil der Teilnehmer dankend abgelehnt wurde).
Morgen werden wir unsere erste Stunde Uni an der Yonsei erleben und uns um das Visum für Doro sowie meine Alien Registration bemühen. Dann sind wir endlich als Alien registriert und dürfen auch offiziell in diesem Land bleiben.

1 Kommentar:

Lost in Seoul hat gesagt…

Hallo ihr beiden,
vielen Dank für euren Kommentar auf unserem Blog. Ich habe mich schon fleißig bei euch eingelesen und es ist total spannend zu sehen, das ihr die gleichen Erfahrungen und Erlebnisse macht die wir vor einem Jahr in Korea machen durften. Da kommen viele tolle Erinnerungen an eine unglaublich schöne Zeit wieder hoch :-).
Ich wünsch euch eine super schöne Zeit uns hat der Aufenthalt sehr viel gebracht und ich hoffe das ihr viel mitnehmen werdet. Ich werde bestimmt regelmäßig jetzt euren Block lesen.
Wenn ihr ein paar geheime Tipps zu Touren oder Ausflugszielen haben wollt, berichten wir gerne. Wir haben übrigens die vollen 6 Monate gebraucht um halbwegs alle für uns interessanten Punkte die im LP stehen zu erkunden. Es gibt einfach
unglaublich viel zu sehen.

Viele Grüße aus 8000 km Entfernung
Stefan

P.S.:
Auch wenn ihr wohl keinen Schnee mögt, genießt ihn noch ... wenn man im Sommer aus der Tür tritt und nach ca. 2 Sekunden nassgeschwitzt ist von der Feuchtigkeit ist es nicht unbedingt besser ;-).