안녕하세요!
Der Tag begann unerwartet früh um 7 Uhr mit dem Wecker. Ich hatte mir vorgenommen etwas für die Uni zu tun, um am Nachmittag etwas Freizeit für unser Mentorentreffen zu schaffen. Eigentlich klar, daß ich den Vormittag großteils mit unwichtigerem Kram verschwendet habe.
Gegen Mittag machten wir uns dann auf den Weg zum Treffen in Richtung Jogno-gu.
Zu unserer größten Freude fing es als wir eintrafen grade an zu regnen und sollte auch den ganzen Tag nicht mehr aufhören.
Wenig später trafen wir dann auf den ersten unserer zwei Mentoren und schritten eng u
nter den einzigen Schirm gedrängt auf den Gyeongbokgung Palast zu. In diesem Palast hielten durch diverse Dynastien hindurch die Kaiserfamilien ihre Gesichter in die Sonne.
Um ein paar Won erleichtert betreten wir also unter regenverhangenem Himmel diese ehrwürdigen Stätten und stellen auf den ersten Blick eine riesen Ähnlichkeit zu bereits besuchten Palästen fest - die Planer und Architekten müssen Brüder sein, oder jemand hat die gleichen Pläne an zwei Personen verkauft. Vielleicht waren es natürlich beim zweiten mal auch second Hand Pläne, wer weiß. Über die Frage, welcher Palast nun second Hand ist werden wir heute nacht philosophieren.
Auf jeden Fall ist auch dieser Palast beeindruckend. Genau genommen ist er beeindruckender als alle vorher gesehenen. Er dominiert in Größe und Pracht alles andere und erfordert (abgesehen vom heutigen Matschbad) anständiges Schuhwerk und lauffeste Fußsohlen.
An jeder Pforte stehen sich Wehrdienstleistende in historischen Gewändern die Füße platt. Toller Job bei wahrscheinlich ebenso tollem Gehalt^^
Ich wi
derstehe dem Gedanken zu gucken, ob die Jungs sich nicht bewegen dürfen wie die armen Bärenfellbriten und stapfe hinter den anderen her. Inzwischen ist auch Mentor Nr. 2 eingetroffen. Die beiden führen uns mit diversen fundierten Kenntnissen durch die historischen Hallen. So erfahren wir daß die Papierwände der Königsgemächer diverse kleine Löcher haben, weil die Angestellten des Hauses besonders während der Hochzeitsnacht auch ein Stück vom Königinnenkuchen abhaben wollten und sich durch das Bohren kleiner Löcher visuellen Zugang erschlichen haben. Die Schelme.
Trotz des Regens ist die Kulisse des Palastes traumhaft. Die Berge umringen den Palast auf der Rückseite und an der Vorderseite klopfen die Hochhäuser an die Pforte. Direkt romantisch.
Auf dem Palastgelände findet sich noch das National Folk Museum of Korea. Da der Museumsbesuch im Paketpreis inbegriffen ist lassen wir uns den kurzen Besuch nicht nehmen. Einige Impressionen später hüpfen wir wieder fröhlich in die nasse Freiheit. Langsam mache ich mir Sorgen, ob mir vom sauren Regen der auf mein Haupt fällt bald die Haare ausfallen. Ich beruhige mich mit der Tatsache, daß ich wahrscheinlich auch mit Glatze einfach umwerfend aussähe.
Nachdem mir meine Selbstlügen über den ersten Schock bezüglich meines potentiellen Haarausfallproblems hinweg geholfen haben realisiere ich, daß die Romantik des Örtchens irgendwann ein Ende hat und haste hinter dem Rest der Truppe her. Doros Hose hat auf Grund der Nässe inzwischen bis zum Knie hinauf eine dunklere Färbung angenommen, was einen Gesichtsausdruck hervorruft, der etwa dem Säuregrad des Regens entspricht.
Um das herzerweichende Lächen zurück zu zaubern machen wir uns auf de
n Weg Richtung "famous Teashop". Ob famous oder nicht finden wir zwar nicht heraus, aber wir landen in einem Teashop. Wie in den meisten Teashops waren den Besitzern auch hier die Stühle zu teuer, knien ist angesagt. Wir bestellen uns also jeder ein Teechen passend zum kalten Wetter. Ich nehme mir einen der bekanntesten Tees vor, der fünf Geschmacksrichtungen besitzen soll. Tut er sicher auch - leider ist meine Zunge nicht trainiert genug auch alle zu erkennen. Sie erkennt aber, daß es ziemlich gut schmeckt. Doro hat sich mit einem Pflaumentee angefreundet. Eunkyul (meine Mentorin) nippt an Kamillentee und Siho (dessen Name ich irgendwie nicht schreiben kann) kämpft gegen einen extrem starken Ingwertee (der zugegebenermaßen alle bisher getesteten Ingwertees in den Schatten stellt). Dieser Teeladen entwickelt sich zu einer Art zwischenzeitlichem zu Hause und verschluckt die Stunden. Meine Hose ist inzwischen wieder getrocknet, Doro hat ihre nasse Hose einfach im Tee ertränkt.
Doch leider kann auch der Tee den Hunger nicht stoppen und so beschließen w
ir den Tag mit einem koreanischen Essen abzurunden. Einen Block weiter finden wir ein Restaurant, daß uns Nudeln in Suppe anpreist. Die Suppen stellen sich fast alle als mit Seextrakten behandelt heraus. Nach anfänglichen Schwierigkeiten und der Feststellung, daß eine Portion drei von uns durch den Winter füttern könnte wagt sich Doro von Sihos Seegrassuppe zu kosten. Seegras schmeckt nach Spinat in glitschiger Konsistenz. Genau genommen ist dieser Tang genau das Zeug was am Meer Steine bewächst und auf dem man so hervorragend ausrutschen kann.
Meine Lieblingsmentorin und ich schlürfen Nudelsuppe mit Muscheln. Die ist gradezu traditionell und durchaus erträglich. Und scharf ist davon nichts (außer dem obligatorischen und hier sehr schmackhaften Kimchi), was meine Mentorin dazu verleitet sich das ganze etwas nachzuschärfen. Da schreit mein Mund aus lauter Verzweiflung still "aua".
Doch irgendwann ist auch der dickste Bauch prall gefüllt, über die Hälfte des Essens geht zurück an die ursprünglichen Besitzer. Wir überlegen auf Grund dessen uns selber einen Rabatt von 50% zugestehen, verwerfen den Gedanken aber wieder - man muß ja dem armen Besitzer auch etwas gönnen.
Von dort aus geht es auf dem schnellsten Weg wieder nach Hause, wo noch ein wenig Arbeit ruft. Dank Doros unermüdlicher Hilfe stehen unsere Summarys nun endlich und auch unsere Wäsche ist auf einem guten Weg in Richtung "sauber". Morgen früh erwartet uns wieder unser guter Professor Pak. Bei dem Gedanken will ich mir zwar lieber etwas hinter die Binde kippen, werde mich aber, vernünftig wie ich bin in das kuschlige Bettchen begeben. Respekt sind wir vernünftig.





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