Sonntag, 24. Februar 2008

Und was ist mit Tea?

Der Tag begann mit ausschlafen - auch Seoul kennt Sonntag. Nach einem reichhaltigen Frühstück (Toast, Butter, Marmelade, Pulverkaffee - wie jeden morgen in Kim's Guest House) haben wir uns mit Isa gegen high noon an unserer Subway station getroffen (Hapjeong). Um die koreanische Kultur weiter näher kennenzulernen entschieden wir uns bald dazu einen original koreanischen Teashop aufzusuchen. Wir folgten einer Lonely Planet Empfehlung und machten uns auf nach Insadong, bekannt für koreanische Kunst und Kultur. Selbstverständlich haben wir den Teashop nicht auf Anhieb gefunden, sondern haben ihn wie es sich für kleine versteckte Ecken gehört ersteinmal übersehen und sind daran vorbeigelaufen. Der Eingang befand sich versteckt in einer hübschen kleinen Gasse bei vielen anderen kleinen Gassen und die Tür sah mehr aus wie die eines alten Schuppens. Mal davon abgesehen, dass wir den Namen nicht lesen konnten, da in diesem Viertel recht wenig auf englisch stand. Nach einigem Suchen und Fragen eines deutschlandbegeisterten Koreaners (er hatte mal das Hofbräuhaus München im Fernsehen gesehen) fanden wir dann den Teashop mit dem poetischen Namen "Dalsaeneun Dalman Saenggak Handa" oder auf englisch "Moon Bird Thinks Only of the Moon".

Wir öffneten die Tür und... waren in einer anderen Welt! Außer uns waren nur Einheimische zu sehen - ein gutes Zeichen. Man kann die Atmosphäre und den Laden eigentlich nicht beschreiben, aber die Bilder geben zumindest einen kleinen Eindruck wieder. In einem Loch in der Wand hinter einem Glasfenster direkt bei unserem Tisch waren zwei Vögelchen in einem Käfig, die die heimelige Atmosphäre unterstützten und den Namen des Teashops erklärten. Zu den Tees wurden noch kleine Süßigkeiten wie Reiskuchen, eine Art Schmalzgebäck mit Honig und etwas drittes, wahrscheinlich auch aus Reis, das gummiartig war und nach nichts schmeckte, gereicht. Ich glaube man könnte das Ambiente als koreanisch uhrig bezeichnen. Auf jeden Fall waren wir vollends begeistert und werden auf jeden Fall wiederkommen.

Für Doro war an dieser Stelle ersteinmal Schluß, weil ihr Husten sie peinigte und eine Sightseeingtour unmöglich machte. Dementsprechend waren nun nur noch Isa und ich unterwegs zum Jogyesa, einem buddhistischen Tempel.

Eine etwas unwirkliche Szene ergibt sich, wenn man mitten in der städtischen Stein- und Betonwüste um die Ecke biegt und einen nach traditionellem Baumuster gebauten Tempel vorfindet. Das mußte näher kennen gelernt werden, also Schuhe aus und rein in den Tempel - mitten in eine Art Gottesdienst. Peinlichpeinlich. Zum Glück nicht weiter schlimm wie sich herausstellt, denn während des monotonen Gebetes irgendeines unsichtbaren Vorbeters kommen und gehen die Gläubigen als sei nichts gewesen. Das hat Isa und mich dann auch dazu verleitet einfach ein Sitzpolster zu greifen und sich zu den Betenden zu gesellen um diesem bizarren Treiben zuzusehen und den wunderschönen Tempel etwas näher zu betrachten.

Obwohl wir auf den ersten Blick erkennbar die einzigen Touristen in dem Tempel waren und von den Bet-zeremonien offensichtlich nichts verstanden schien das auch niemanden zu interessieren. Wir wurden schlicht ignoriert. Das verleitet mich dann auch dazu ohne Blitz und ganz heimlich unter der Reisendenbibel versteckt ein Foto zu schießen. Was man an der Decke sieht sind lauter kleine Lichter. Sie gleichen ein wenig kleinen Lampignons.

Dann aber wieder den Mund zugeklappt und raus aus der unwirklichen Szene und auf zum Königspalast. Naja, zumindest zu einem unter den vielen. Relativ unspektakulär, aber mit grademal 300 SKW (ca. 20 cent) durchaus wert besucht zu werden. Dort wurden wir direkt nach dem Betreten der Pforte von einer freundlichen Koreanerin überfallen, die uns auf einer Art Korenglisch erklärte, daß sie ein Volontär sei und alles kostenlos machen würde. Soso, dann mal los. In ca. 15 Minuten war der gesamte Palast geschafft, unsere Schuhe qualmten vom Spurt und wir waren die Erfahrung reicher, daß Koreaner sehr stolz darauf sind, daß es in Korea schon früher eine Fußbodenheizung gab, als in Europa :-)

Etwas entspannter sind wir dann in Richtung einer Buchhandlung gewandert, die sich als riesig herausstellte und haben uns ein koreanisches Kochbuch gekauft. Als kleines Trostpflaster für Doro und als Beweis, daß in koreanischen Mahlzeiten auch essbare Zutaten zu finden sind. Bestärkt durch dieses Wissen haben wir uns getraut ein koreanisches Restaurant aufzusuchen, in dem man einen Brenner und eine Schüssel mit diversen, auf den ersten Blick undefinierbaren Zutaten, bekommt, die dann auf dem Tisch selber weitergekocht wurden (Wobei man sagen muß, daß diese undefinierbaren Zutaten zunächst durch die Scheibe einen recht normalen Eindruck machten). Das Gericht stellte sich dann als Haemultang heraus. Eine Suppe aus verschiedensten Meeresfrüchten, die so scharf ist, daß selbst hartgesottene Koreaner Feuer speien. Wie es uns zumute war lässt sich erahnen. Zudem waren auch die Zutaten der Suppe etwas gewöhnungsbedürftig. Von Pilzen, Kohl, Algen über Muscheln und Krebse bis hin zu kleinen Kraken war alles vertreten. Mahlzeit!

Ich habe mich brav durch alles durchprobiert, aber um ganz ehrlich zu sein habe ich erstmal die Nase voll von Meeresfrüchten. Ein prägendes Erlebnis als Tagesabschluß ist mein Magen, der sich gegen das Essen zu wehren versucht und mich bestrafen will für die Folter. Ich habe dennoch gewonnen und mein Magen verloren, alles ist drin geblieben.

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