Montag, 25. Februar 2008

Bedröppelt

Der Tag begann verspätet aber zuversichtlich. Nach dem allmorgendlichen Frühstück mit Toast, Butter und Marmelade (übrigens nur eine Sorte) machten wir uns auf den Weg zur Yonsei University. Dort hatte man uns ja am Freitag mitgeteilt, daß uns heute nun geholfen werden könnte. Nachdem wir eintrafen wurden wir noch dreimal über den Campus geschickt (natürlich immer in die entgegengesetzten Richtungen) bis wir endlich die Stelle der International Affairs erreicht hatten. Dort wurde uns dann auch mitgeteilt, daß gestern eine Führung zu diversen Boarding Houses gewesen sei. Gut, daß uns das niemand mitgeteilt hatte - und das, obwohl wir am Freitag extra nachgefragt hatten. Auf unsere Frage nach dem uns laut Email zugeteilten Übersetzer wurde uns mit Bedauern mitgeteilt, daß niemand zur Verfügung stehe. Man würde aber gerne eventuelle Schreiben und Verträge übersetzen.
Das fanden wir riesig, vor Allem, wenn man bedenkt, daß keiner der Vermieter hier englisch spricht und es ja einer gewissen Verhandlung bedarf bis man überhaupt in die Verlegenheit kommt einen Vertrag in der Hand zu halten.

Dennoch waren wir noch zuversichtlich, denn wir hatten schon im Vorraus auf eine Anzeige des Korea Herald erfolgreich geantwortet und ein Treffen mit einer Vermieterin für den heutigen Tag vereinbart. Kurz bevor wir dort eintrafen begann es zu schneien...
Da sieht man jahrelang keine Flocke und dann kann man sich im nächsten Jahr nirgends auf der Erde vor der Kälte retten. Und Skier haben wir auch nicht dabei. Sehr ärgerlich.

Die Person, mit der wir uns treffen sollten und die die Anzeige eingefügt hatte(Sylvia) sollte eine Freundin der eigentlichen Vermieterin sein, da diese nur koreanisch sprach. Wie sich herausstellen sollte waren beide auch Studentinnen der Yonsei University. Erst einmal sehr sympathisch.
Die Konditionen, die uns durch die Übersetzerin angeboten wurden waren super, 1.000.000 SKW Deposit und 600.000 SKW Monatsmiete. Die Wohnung entsprach auch bei der Besichtigung unseren besten Vorstellungen, wir wollten zuschlagen und wanderten hierfür mit der Freundin zur Hausverwaltung, die uns die Verträge aushändigen sollte und die Übernahme der Wohnung vorbereiten. Man muss allerdings dazusagen, dass man seine Vorstellungen in Bezug auf die Größe einer Wohnung für einen solchen Preis drastisch herunterschrauben muss.
In der Euphorie fiel unser Blick auf einmal auf den auf dem Vertrag festgehaltenen Deposit. Statt der angegebenen 1.000.000 SKW standen dort 10.000.000 SKW. Die Übersetzerin hatte sich geirrt und die tolle Wohnung war gestorben. Lediglich für 1.250.000 SKW monatlich wollte man eine andere Wohnung mit einem Meterbett an uns vermieten. Ja, sind wir denn Krösus oder bulemisch? Um das Ende vorwegzunehmen: Diese Wohnmöglichkeit ist momentan die einzige, die uns offen steht.

Was nun? Sylvia hatte ein denkbar schlechtes Gewissen, das wir auf Grund ihres Übersetzungsfehlers nun ohne Wohnung in Seoul standen und bot uns an uns bei der Wohnungssuche bei den Boarding Houses zu helfen. Durch ihre Koreanischkentnisse und das Handy war sie uns hierbei weit überlegen.
Auf diese Art und Weise sind wir 3 Stunden durch Sinchon geirrt und haben bei ca. 50 Boarding Houses angerufen, angeklopft und sie besichtigt - erfolglos. Selbst wenn wir in getrennte Zimmer gehen würden in verschiedene Häuser (Kein Land ist so prüde wie Korea) war nichts adäquates zu finden.

Und die einzige Unterkunft, die uns aufgenommen hätte war in einem unbeschreiblichen Zustand. Eigentlich ist die Bezeichnung Wohnung beleidigend für alles, was daran auch nur entfernt erinnert. Dreckig - so etwas habt ihr noch nicht gesehen! Außer 9m², keine Fenster und nicht mehr reinigungsfähig möchte euch die wirklich unappetitliche Details ersparen über Küchen, Toilette (übrigens ohne Tür direkt nebeneinander) und sonstigen Zustand, aber die eklige Kakerlakenburg in München (2. Wohnung) war ein sauberes und luxuriöses Paradies dagegen. Jedes Bahnhofsklo in jedem noch so dreckigen Loch in Deutschland weist im Vergleich eine kaiserliche Hygiene auf. An Schimmel im Bad haben wir uns in Kims Guest House recht schnell gewöhnt, die hygienischen Standards sind halt anders, aber das war einfach zuviel für die westliche Seele. Dafür wollten sie dann 800.000 Won!!! Ah ja, und ein Bett fehlte auch.

Jeder Platz unter der Brücke ist sicherlich ansprechender, als einige dieser Boarding Houses.
Irgendwie macht sich Frustration breit, Laune auf dem Tiepunkt und wir hoffen inständig, daß es morgen irgendwie besser wird...

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Hey ihr beiden "Auswanderer",
eure Reiseberichte sind richtig interessant. Ich leide mit euch!!! Und ich drücke euch über die Entfernung die Daumen, dass ihr doch noch ein annehmbares und bezahlbares Zimmer findet!
Dafür beneide ich um den Schnee, auch wenn er euch vielleicht langsam zu viel wird. Hier ist es zu warm und zu schneelos für die Jahreszeit :(
Zum Schluss noch großes Kompliment für die Gestaltung der Website - sehr ansehnlich :)
Viele liebe Grüße
franzi