Heute sollten wir zum ersten Mal offiziell bei der Yonsei antreten: Orientation day für die exchange students zu einer recht humanen Zeit. Im Underwood International College wurden wir von studentischen exchange student Initiativen der Yonsei, dem Präsidenten und noch einigen anderen herzlich begrüßt. Massen an Informationen wurden an uns weitergegeben sodass wir im Infomaterial glatt ertrunken sind. Wir haben die Gunst der Stunde genutzt um uns direkt mal zu einem "Koreanisch-kochen-Tag" einzuschreiben, uns für das Group Buddy Programm anzumelden und das sign-up sheet für einen eigenen Buddy auszufüllen. Nicht, daß wir gewusst hätten, wozu wir uns da alles grade anmelden, aber sicher ist sicher. Man will ja nichts verpassen.
Gestern war außerdem die Deadline für die Kurswahl. Nette Sache, wenn man die notwendigen Daten weitergereicht bekommen hätte. Wir erfuhren, daß man für die Onlinewahl eine Nummer und ein Passwort bekommen haben sollte. Haben wir nur leider nicht. Nach der Infoveranstaltung besuchten wir nun zum dritten mal die Administration der exchange students um uns die fehlenden Informationen zu besorgen. Nach einiger Zeit stellte sich heraus, daß nur wir keine Infos im Voraus bekommen hatten - sie haben uns schlicht vergessen! Und Nummer und Passwort hatten sie uns eben auch nicht zugeteilt. Bis die neue Nummer funktioniert dauerte es mindestens 24 Stunden wurde uns gesagt. Was also tun wenn die Deadline zur Kurswahl abläuft und man keine Kurse registrieren kann weil die Login-daten fehlen? Kurzentschlossen gaben wir also einen Zettel ab mit unseren Präferenzen und "they'll see what they can do for us". Problem: Fast alle Kurse sind schon voll, weil die anderen Studenten schon mit ihrem Informationsvorsprung, ihrer Nummer und dem Passwort vor Wochen wählen konnten.
Wir sind dennoch einfach mal optimistisch, dass unsere Kurse noch freie Plätze haben.
Das Nachmittagsprogramm schenkten wir uns (intuitiv gut, wie wir später von
anderen erfuhren) und kümmerten uns um unser Wohnungsproblem. Im Laufe des Vormittags haben wir einen Tipp bekommen, dass man in einer Art Hotel zu besonderen Yonsei-Konditionen kleine Apartments buchen kann. Nicht ganz billig, aber kein horrender Deposit und alles, was man braucht. Das sogenannte "Casaville" liegt zudem noch im Zentrum des Bar- und Partyviertels Sinchon und lässt uns daher die Uni fußläufig erreichen. Diese Infos hätten wir normalerweise auch schon früher haben können, wenn wir nicht auf der "die sind unwichtig und werden vergessen"-Liste gestanden hätten...
Wenn alles klappt verbringen wir unsere nächste Nacht statt in einem 9m² Raum mit Schimmelbad auf dem Flur in einem sauberen schönen Apart
ment im 10. Stockwerk mit Blick über Sinchon. Es ist uns inzwischen klar geworden, daß die in Deutschland präferierte goldene Mitte hier nicht zu finden ist. Das Apartment ist fast schon Luxus und eben relativ teuer. Alles günstige ist überteuert für die gebotene Leistung und lässt uns angewidert erschaudern. Laut Rechnung zahlen wir hier nur unwesentlich mehr als in Kims' Guesthouse für ein richtiges Apartment und ein eigenes Bad, eine eigene Küche und ein continental breakfast (!) statt eben nur Toast, Butter und einer Marmeladensorte. Und das bei einem schönen Blick auf Seoul und ohne die morgendlichen Kosten für die U-Bahn.
Nach einem kurzen Abstecher zu Kim's Guesthouse machten wir uns auch schon wieder auf den Weg zur Yonsei um der Welcoming Party beizuwohnen.
Großartige Sache, der Boden ist abgeklebt und man fordert höflich die Gäste auf, den Müll nicht auf den Boden, sondern in die Tonne zu werfen. Na das kann ja heiter werden.
Inzwischen sind ca. 2 Stunden der Party vergangen (Wer kommt schon pünktlich zum Anfang einer Party?) und dennoch sind außer den Deutschen und Niederländern schon alle da. Erinnert uns spontan an Zitronenbrause und Tofuwürstchen. Die Asiaten haben alle schon ein Bier intus und sind stark angeheitert. Gradezu lustig irgendwie.
Dann kommen auch die anderen Westeuropäer an und staunen wie wir über die etwas spastisch wirkende Darbietung eines anderen Austauschstudenten, der offensichtlich ebenfalls besser den Alkohol weglassen sollte und dazu noch über ein massives Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom klagt. Zumindest versucht er immer wieder die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen durch sein etwas wirres Abgespaste. Das führt dazu, das sogar schon die betrunkenen und oft auch etwas hemmungslosen Koreaner den Kopf schütteln. Hoffentlich war das kein Deutscher. Da wäre dann fremdschämen angesagt. ..
Dann werden auch schon Preise ausgeteilt für irgendeine Verlosung o.ä. die abgelaufen sein muß bevor wir da waren. Schade eigentlich, denn die Preise sind ganz ok. Macht aber nichts, wir wollen den anderen ja auch mal ihre Glücksmomente gönnen.
Dann wenden wir uns dem Ziel dieser Party mal zu, nämlich Personen kennen lernen. Abgesehen von den Studenten aus Maastricht interessiert sich aber nicht wirklich ein Austauschstudent für irgendjemand anderen und da wir die ja schon kennen, gehen wir also auf die Koreaner zu. Erstaunlich wie viele davon Deutschland kennen oder sogar mal da gelebt haben.
Doch auch das schönste Networking wird irgendwann etwas öde und da in diesem Moment eine Gruppe entscheidet unser künftiges Wohnviertel (Sinchon) unsicher zu machen schließen wir uns der Gruppe kurzerhand an. Über die kommende Bar lässt sich nicht viel sagen. Wir lernen ein Getränk kennen, daß aus Reisschnaps (Soju, 20%) und irgendwelchen Früchten gemixt wird und eigentlich eher nach einem Cocktail schmeckt. Davon sind 2 Liter schnell aufgebraucht und wir sind immer noch so nüchtern wie vorher. Die Koreaner nicht so. Unerwartet schwächeln sogar die Niederländer teilweise.
Immerhin haben wir eine Halbkoreanerin-halbjapanerin kennen gelernt (Explosive Mischung) die uns durch den Abend bestellt und uns andere Deutschkoreaner vorstellt, die aus Berlin und Frankfurt kommen. Es wird langsam unheimlich, wir wollen ja auch mal hinter dem Rücken der Koreaner auf deutsch lästern und jetzt verstehen uns womöglich einige. Naja, dann halt eben nicht. Der 2 Liter Pitcher kostet umgerechnet 8€. Dafür hätten wir in Deutschland wohl einen Cocktail bekommen (In der Happy Hour vielleicht zwei).
Irgendwann wird es aber auf Grund des morgigen Umzuges (Checkout bis 11.00 Uhr und es ist noch nichts gepackt) auch etwas spät und wir nehmen ein Taxi zurück, da die U-Bahnen nur bis Mitternacht fahren. Das Taxi kostet uns zu zweit ca. 3€.
Noch flott gepackt und dann schnell in die Haia mit dem Gedanken an eine schöne Wohnung ab morgen.





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