Sonntag, 29. Juni 2008

Back in good old Germany

Die Nacht war erwartungsgemäß wenig erholsam und so starten wir etwas mitgenommen in den Tag. Nach einem koreanisch-internationalen Fusion Frühstück begeben wir uns zum Flugplatz. Wir sind unerwarteterweise ein bischen wehmütig darüber Korea zu verlassen. Am Ende geht immer alles so plötzlich und die Nähe zum Allem wird uns fehlen.
Am Flughafen angekommen empfängt man uns am Schalter mit der Nachricht unser Flieger hätte drei Stunden Verspätung. Wir sind so schockiert, daß wir uns nichteinmal darüber wundern daß unsere Koffer tatsächlich nur 20kg wiegen (wir haben uns im Guesthouse noch von unnützen Dingen wie Regenschirm, Zahnpasta und einem Handtuch getrennt). Noch im Schockzustand stellen wir aber fest daß irgendetwas nicht simmen kann – die Frau am Schalter hat den Flug verwechselt. Nochmal Glück gehabt. Wir bekommen also unsere korrekten Flugtickets und begeben uns zum Gate. Dort kaufe ich noch ein paar Kaugummis von denen ich befürchte, daß es Nikotinkaugummis sind (um die Packungsbeschriftung zu verstehen fehlt uns das Vokabular). Sie riechen wie das billige Desinfektionsmittel in öffentlichen Toiletten. Lecker, so etwas schiebt man sich doch gerne in die Schnute.
Im Flieger stellen wir fest, daß es Gemeinschaftsmonitore gibt und nur Schrottfilme laufen. Tolle Unterhaltung für einen 12h Flug. Economyclass ist etwas für Konserventiere…
Ein letzter Blick aus der Vogelperspektive - Korea haben wir also hinter uns gebracht. In Anlehnung an Stefans Lost-in-soul-Blog (der irgendwie verschwunden ist) wollen wir auch aufzählen was wir vermissen werden und was etwas weniger.

Was wir nicht vermissen werden:


- Unterschiedlichste Gerüche an jeder Ecke
- Koreanische Hygienevorstellungen
- Koreanisches Machogehabe und Ego
- Mangelnde Entscheidungsfreudigkeit und fehlende Führungsqualitäten
- Rotzen, Spucken, Kotzen, Schlürfen
- Seafood in allem, speziell Oktopus
- „Prüdes Gehabe“ (vergl. Schein und Sein)
- Koreanische Dreistigkeit
- Geschlechtertrennung
- Sinnlose Paper schreiben


Was wir vermissen werden:


- Kimchi, Bibimbab, Kimbab und Bulgogi
- An jeder Ecke ist alles zu bekommen
- 24h Convenience Stores
- In jedem Stockwerk etwas neues zu finden
- Klimaanlagen
- Ein hervorragendes U-Bahnsystem
- Wasserspender an jeder Ecke
- Preiswerte Restaurants
- Unsere Mentoren
- Das superschnelle Internet

tbc.

Der letzte Tag in Korea

Nach einer kurzen Nacht mit einer Stunden dauernden Mückenjagd (eine zweistellige Opferzahl ist zu beklagen) ist der letzte Tag in Jeju und der letzte in Seoul sind angebrochen. Laut Wetterbericht haben wir heute noch mit dem Wetter Glück bevor auf Jeju der Dauerregen wieder einfällt. Wir machen uns direkt nach dem Frühstück auf den Weg zum Flughafen um den Rückweg nach Seoul anzutreten.
Der Flug an sich ist noch langweiliger als der Hinflug. Trotz des Propellerfliegers ist nicht einmal ein kleiner Ruckler zu spüren. Anderthalb Stunden später landen wir in Seoul. In der Nähe des Gepäckbandes verschenkt irgendein Unternehmen kleine Pflanzen. Auch wenn wir keine Pflanze brauchen lassen wir uns eine Efeupflanze andrehen. Mit dem Pflänzchen auf dem Arm versuchen wir ein Taxi zu nehmen weil es von Gimpo keinen Airportbus zu unserem Ziel gibt (und das Gepäck durch die U-Bahntreppen zu zerren ist auch nicht grade die Erfüllung). Kaum kommen wir in die Nähe des Taxistandes umringen uns koreanische Taxifahrer und quatschen uns zu. Irgendein Fahrer reißt Doro den Zettel aus der Hand auf dem die Adresse des Hostels steht was Doro zum Kochen bringt. Natürlich landen wir bei einem der Luxustaxis (Es gibt zwei Arten von Taxis, eins teuer und das andere billig. Der einzige Unterschied der Preis und die damit verbundene Reputation ist.). Es ist ein echter Kampf dem Fahrer klar zu machen, daß wir ja nicht Krösus oder doof sind und daß wir unseren Zettel wieder haben wollen. Daraufhin kommt ein Taxifahrer von einem normalen Taxi uns reißt und erneut den Zettel aus der Hand – Doro sieht aus als wolle sie den Fahrer erst mit der Handtasche erschlagen und post mortem noch würgen. Schlußendlich landen wir dennoch in seinem Taxi und fahren dem Ziel entgegen. Auf dem Weg passieren wir unzählige schwer gepanzerte Polizeifahrzeuge und Wasserwerfer. In den Tagen die wir auf Jeju verbracht haben sind die Emotionen etwas übergekocht und die Koreaner haben sich wegen der Fleischimporte heftige Schlägereien mit der Polizei geliefert. Im Anblick der TV-Bilder fragen wir uns etwas, ob BSE die Koreaner schon befallen hat oder wieso man sich wegen harmloser Fleischimporte so in Rage bringen kann.
Wir haben uns zum Abschluß in einem traditionellen Guesthouse eingemietet – in traditionellen Zimmern. Auf dem Boden schlafen ist also angesagt.
Dort angekommen sind wir positiv überrascht. Das Guesthouse ist etwas abseits gelegen und wirklich schön angelegt. Dem schön angelegten Vorgarten nach zu urteilen ist der Hausherr ein Blumenfreund. Außerdem ist er ein Hundefreund wie seine Visitenkarten zeigen. Auf ihnen ist neben seinem Namen und Adresse ein großes Bild vom Hund zu sehen. Es verwundert uns etwas, daß in dem traditionellen Raum ein Fernseher und eine Klimaanlage zu finden sind. Uns soll das aber recht sein. Durch die dünnen Papierwände hört man alles in dem Haus und auch Mücken und sonstiges Ungetier lässt sich nicht vom Papier davon abhalten den Raum zu betreten. Na das wird ja lustig.
Wir beschließen dem Hobbygärter unseren frisch erschnorrten Efeu zu überlassen und machen uns auf den Weg zur Bank um das Konto zu kündigen und noch einigen letzten Erledigungen nachzugehen. Die Bank schließt grade als wir eintreffen; hoffentlich kann man ein koreanisches Konto auch in Deutschland irgendwie schließen. Danach trennen wir uns um nicht noch einmal irgendwo zu spät einzutreffen.
Wir treffen uns ein wenig später wieder in unserer Bleibe. Ein Ziel steht noch auf unserer Sightseeing-Liste, daß wir gesehen haben müssen: der Seoul Tower. Wir haben uns sagen lassen, daß der Tower grade bei Nacht einen Besuch wert sei. Faul wie wir sind entscheiden wir uns gegen den Fußmarsch und nehmen den Bus. Auf dem Gipfel angekommen erstrahlt der Tower in buntem Licht. Dieses Spektakel scheint einen romantischen Faktor zu haben, weshalb unzählige Pärchen mit koreanischen Liebestorten bewaffnet zu dieser nächtlichen Stunde auf den Berg pilgern. Mit 7.000 SKW p.P. kostet uns die Besteigung des Towers so viel wie vier Mittagessen. Wir entscheiden, daß wir ja reich sind und vier Mittagessen sowieso nur dick machen und kaufen uns die Karten. In einem Aufzug mit Sternenhimmel geht es zur Aussichtsplattform. Die Aussicht ist fantastisch. Seoul sieht ruhig, groß, sauber und friedlich aus. Irgendwann wird uns das Gewusel der Koreaner auf der Plattform dennoch zu bunt und wir gleiten im Aufzug wieder sanft der Erde entgegen.
Am Boden angekommen wandern wir um den Turm herum und finden auf der Rückseite neben einer Lichtdusche (eine Lampe für die man Geld einwerfen muß und bei der man dann die rotes, blaues und gelbes Licht mischen kann) auch einen Zaun an dem unzählige Schlösser befestigt sind. Es stellt sich heraus, daß die vielen turtelnden Koreanerpärchen dort Schlösser anbringen. Eins für den Mann und eins für die Frau. Die beiden sind dann miteinander verbunden und klemmen am Zaun. Eine kitschige, aber auch lustige Idee.
Wir machen uns auf den Rückweg. Im Hostel angekommen stellen wir fest, daß die Nacht unschön und wenig erholsam wird. Das Mückensirren wird uns wach halten…

Donnerstag, 26. Juni 2008

Hallasan National Park

Die Sonne scheint entgegen aller Erwartungen und trotz bestätigter Regenzeit nun schon knappe drei Tage. Morgen soll es wieder regnen, heute war das Wetter aber noch super. So starten wir mit etwas Frühstücksverspätung also um herauszufinden wo man sich Roller mieten kann um zum Hallasan National Park zu kommen. Dieser Park ist der große Hauptvulkan in der Mitte von Jeju und wurde wie so vieles von der Unesco zum Welt Natur Erbe erklärt. Spannende Geschichte.
Herauszufinden wo es hier was gibt ist immer etwas kompliziert und so nehmen wir uns ein Taxi zum Zentrum der Buskatastrophe zum Worldcupstadion. Dort finden wir heraus, daß die Roller direkt an unserem Abfahrtsort vermietet wurden. Das ärgert uns ganz gewaltig und so entscheiden wir flexibel wie wir sind statt dessen den Bus zu nehmen und dann auf den Berg zu laufen. Diesen Bus zu finden ist wieder ein Rätsel für sich, schlimmer ist jedoch, daß der letzte Bus von dort bereits um 16.50 Uhr wieder zurück fährt. Und uns wird gesagt es dauere vom höheren Einstiegspunkt ca. 3 Stunden bis zum Gipfel. Das schaffen wir nie!
Davon unbeeindruckt springen wir nach einer Stunde Wartezeit in den nächsten Bus um wiedermal eine lebensbedrohliche Erfahrung reicher zu werden. Der Busfahrer heizt die Serpentinen mit Höchstgeschwindigkeit des Busses hoch und überholt ausschließlich in Kurven vor Bergkuppen. Mit zittrigen Knien steigen wir schließlich aus dem Bus. Bis zum höheren Einstiegspunkt sind knappe 150 Höhenmeter zu überwinden. Wir machen uns auf den Weg.

Mitten auf dem Weg trete ich um ein Haar auf eine kleine, sich sonnende Schlange. Leider verschwindet sie bevor wir sie dezent ablichten können. Auf dem Rückweg werden wir das arme Tier wieder treffen - diesmal in frisch geplätteter Form. Arme Schlange...

Eine halbe Stunde später haben wir die höhere Ebene erreicht. Wir haben nur noch 45 Minuten bis wir umdrehen müssen um den letzten Bus zu bekommen. Also auf die Solen gespuckt und auf gehts im Sauseschritt. Treppchen für Treppchen kämpfen wir uns aufwärts im Wald. Vorbei an viel Minibambus der den Boden bewächst und einem schönen Mischwald. Die Strecke ist gut belebt, ständig treffen wir auf hervorragend ausgerüstete Koreanische Wanderer, die das Wandern offensichtlich seeehr ernst nehmen. Mit zwei Wanderstöcken, Wanderschuhe, einem extra Wasserflaschenhalter, Sonnenhut und sicherlich auch Funktionsunterwäsche ausgerüstet stürmen sie mit ernsten Mienen auf den befestigten Wanderwegen den Berg. Die erfürchtig und fast liebevoll den Berg betrachtenden Koreaner erinnern uns an das Gespräch mit Ralf dem Tauchlehrer der uns erzählte, daß Vaterlandsliebe hier zu den erklärten Lernzielen der Grundschule gehöre (im Gegensatz zu Geografie u.ä.).
Wir lassen es ruhig angehen, wissen wir doch, daß wir in der vorgegebenen Zeit auch mit viel Mühe den Gipfel eh nicht erreichen werden. Da genießen wir lieber die in Korea so seltene Stille nur durchbrochen durch das Wassergeplätscher und Vogelgezwitscher.
Irgendwann ist es dann soweit und wir drehen auf dem Absatz um. Auch abwärts lassen wir es gediegen angehen und sind dennoch gute 20 Minuten vor unserer errechneten Ankunft im Tal angekommen. Naja, lieber zu früh als den letzten Bus verpassen und dann auf dem Berg unter einer Bank übernachten zu müssen. Auf dem Weg abwärts hat gute fünf Meter vor uns ein Reh den Weg gekreuzt. Wir müssen feststellen, daß es in diesem Nationalpark tatsächlich diverse freilaufende Tiere gibt - eine der wenigen absolut zutreffenden Behauptungen von Jejus Marketingexperten.
Unten angekommen betrachten wir eine ganze Schaar von Raben die miteinander zu kommunizieren scheinen und stellen auf einmal fest, daß der Nebel aufgezogen ist. Rasend schnell wird der Nebel immer dichter und es wird ziemlich schubberig. Das Krähen der Raben und die aufziehenden Nebelschwaben erinnern uns spontan an den Film "die Vögel". Schaurig schaurig.
Wir frieren schon, da kommt der Bus auch endlich. Es ist der gleiche Busfahrer und die gleiche Fahrweise - bei maximal 20 Metern Sichtweite. Wir können nun mit dem Begriff "Nahtoderfahrung" etwas anfangen.

Wir erreichen wieder Sogwipo und gehen wie fast jeden Abend die letzten Tage wieder im gleichen Restaurant essen. Eines der saubersten koreanischen Restaurants was wir während unserer Zeit in Korea gesehen haben. Außerdem ist das Essen gut.

Noch schnell gepackt und wir sind startbereit für den morgigen Tag!

Mittwoch, 25. Juni 2008

Jeju-Zittie

Nach einem urlaubsmäßigen Morgen mit lange Ausschlafen machen wir uns auf den Weg zur Hauptstadt der wunderschönen Inselprovinz Jeju, die genau auf der anderen Seite von uns und demnach Seogwipo-City liegt. Sie heißt Jeju-si oder auch auf neu-deutsch Jeju-City. Bevor wir den Bus suchen gönnen wir uns noch ein echt französisches Frühstück bei Paris Baguette mit Croissant, Feigen-Nuss-Brot, Spicy-Chicken-Krokette und einem Knoblauch-Baguette. Letzteres ist eine herbe bzw eher süße Enttäuschung. Der Bäcker scheint Salz mit richtig viel Zucker verwechselt zu haben, sodass man mehr oder weniger in den Genuss eines Knoblauchbrotes mit dickem Zuckerguss kommt. Den Genuss ertragen wir nicht lange und entsorgen die Reste fachmännisch in der koreanischen Einheitsmülltonne. Es ist einfach ein Fehler mit europäischen Erwartungen an irgendetwas koreanisches heranzugehen. Nach einer etwa 45 minütigen Busfahrt erreichen wir die Hauptstadt, die wir erst einmal zu Fuß allgemein erkunden. Irgendwie nicht viel anders als ein Außenbezirk von Seoul: zweckmäßige, aber hässliche Gebäude, ein bisschen ranzig, dreckig und kaputt alles, große Straßen, viele Autos, wenig sonst. Aber direkt am Meer! Dieses suchen wir dann direkt auch mal auf, was einen etwas längeren Marsch von uns fordert. Wir stellen fest: der Hafen ist halt ein Hafen und im MacDonalds arbeiten die Mitarbeiter langsam bis gar nicht. Obwohl nur maximal 1/15 der Plätze besetzt sind müssen wir mehr als 5 Minuten warten, bis unser Essen nach der Bestellung fertig ist, da nur eine Mitarbeiterin Essen macht und eine andere Bestellungen entgegennimmt.
Aber wir sind ja im Urlaub, das kann uns nicht schocken. An der Hafenpromenade laufen wir dann zu einer der Hauptsehenswürdigkeiten der Insel - ein Felsen, der angeblich die Form eines ... hat. Tja, wer das auf den Bildern erkennen kann, der bekommt ein original Foto zugeschickt (kostenloser Versand nur innerhalb von Deutschland). Kurz und knapp - es war ein ernüchterndes Erlebnis, ein kleiner Felsen, noch nicht einmal im Wasser und viele begeisterte fotowütige Koreaner drumherum. Einige Koreaner waren allerdings mal wieder begeisterter von unseren westlichen Gesichtern und wollen lieber Fotos mit uns machen.
Ein langer Marsch zum Bus zurück nach Seogwipo City folgt. Ich hole mir noch ein wenig Kimbap bei unserem lokalen Lieblingsrestaurant und Cons schaut sich ein Tipi an. Gleich werden wir noch die begrenzte Warmwasserzeit genießen und dann wird auch schon bald der Sandmann kommen um sich um uns zu kümmern.

Dienstag, 24. Juni 2008

Poseidons Reich

Heute morgen störte uns nicht einmal der plätschernde Regen am Fenster. Tauchen war angesagt. Doro hatte mir zum Geburtstag einen Tauchschnupperkurs geschenkt; Ich soll Poseidon mit seinem Dreizack pieksen. DieTauchschule liegt nur wenige Meter von unserer Unterkunft entfernt. Big Blue 33 (so heißt der Laden) (http://www.bigblue33.co.kr/) ist die einzige Tauchschule auf Jeju in der auch deutsch gesprochen wird. Der Gründer (Ralf Deutsch :-) ) ist wie der Name schon sagt Deutscher und wird unser Tauchlehrer sein. Mit der Frage, ob wir auch bei diesem Wetter Lust zum Tauchen hätten geht es los. Natürlich haben wir Lust! Und so beginnt Ralf uns das extra aus Deutschland importierte Equipment näher zu bringen.

Wenig später geht es los. In meinem Neoprenanzug sehe ich aus wie ein Wal mit Winterspeck, Doro macht auch in der Wurstpelle eine gute Figur. Mit einem sicherlich nicht TÜV geprüften Van geht es hinunter zum Hafen in dem ein umgebautes Fischerboot auf uns wartet. Schnell alle Flaschen und sonstiges Zeug aufgeladen und das Boot stampft durch Wind und Wellen zur Insel Munsom. Diese Insel liegt fünf Minuten vor der Küste und besteht aus erkalteter Lava. Die ganze Insel ist also nicht mehr als ein großer Felsen. Nachdem wir dort abgeladen haben und das Boot wieder abdampft dauert es auch nicht mehr lange bis ich voll ausgerüstet ins Wasser steige. Wir werden jeweils einzeln und nacheinander mit Ralf tauchen. Es sieht von außen dunkel und eintönig aus. Weit gefehlt. Es ist relativ hell und bereits direkt nach dem Eintauchen ist eine ungeahnte Farbenpracht zu erkennen. In 7-8 m Tiefe treffen wir auf Seesterne und Fische, die wir nur in klein aus dem Aquarium kennen. Blau und neongelb schillernd, einzeln und in Schwärmen. Dazu Korallen in rot und orange. Leider fehlt uns eine Unterwasserkamera - zu schade. (Hier kann man mal Jeju-Unterwasser-Bilder eines Fotographs sehen: http://www.unterwasser-fotos.com/catalog/advanced_search_result.php?search_in_description=1&language=de&keywords=jeju) Es war wirklich eine andere Welt mit Schwerelosigkeit und vielen tollen Farben. Also Doro ins Wasser geht hat die Strömung etwas zugenommen. Statt schwimmen ist gleiten angesagt. Schön ist es dennoch. Wir sind noch ganz verzaubert als wir bereits zurück fahren. Vielleicht sollten wir mal einen Tauchschein anstreben...

Mehr gibt der Tag auch nicht her. Noch etwas Essen einfahren und dann ermattet und glücklich abchillen. Tauchen ist super!

Montag, 23. Juni 2008

Sommer, Palmen, Strand und Meer

Wir hatten uns heute etwas Exotik vorgenommen. Es sollte zum Halim Park gehen in dem sich eine Tropfsteinhöhle befinden sollte.

Der erste Schritt war allerdings wieder die richtige Bushaltestelle zu finden. Garnicht so einfach bei dem hiesigen Bussystem. Der Mann am Fahrkartenschalter gestikuliert wild rum und macht uns klar, daß hier der Bus nicht abfahren würde. Denn nachdem wir zig Personen schräg angequatscht haben und sich vier Pharmazeuten statt um ihre Kunden um Doro kümmern sind wir weit genug um einen Zettel mit der korrekt formulierten Frage nach der korrekten Bushaltestelle in der Hand zu halten. Das hätten wir, wenn auch mit mehreren Fehlern, sicherlich selber hinbekommen. Wir nutzen aber was wir haben und halten nun statt wild zu gestikulieren einfach den Zettel dem nächstbesten Passanten unter die Nase. Kaum liest er das koreanische Etwas sprintet er los, uns im Gepäck. Er rennt genau zu dem Mann bei der Busstation bei dem wir auch schon waren und überflutet ihn mit einem Schwall koreanischer Worte. Der Mann schwallt zurück. Das ganze endet damit, daß unser neuer Führer uns schlicht zum Taxi führt - hier gibt es keine Bushaltestelle die zu unserem gewünschten Ziel führt. Zum Glück wissen wir, daß es in der Nähe eine Art zentrale Bushaltestelle gibt von der aus es überall hin gehen soll. Der Taxifahrer versteht uns zum Glück gut genug um uns an der entsprechenden Stelle abzusetzen und schenkt uns aus heiterem Himmel noch eine Straßenkarte von Jeju. Wie nett.

Eine halbe Stunde später sitzen wir dann auch im richtigen Bus zum Halim Park. Die Fahrt dauert eine Stunde. Entgegen aller Wettervorhersagen regnet es heute nicht. Es ist bedeckt und zwischenzeitlich bricht die Sonne durch, perfektes Wetter. Als wir aus dem Bus steigen fällt unser erster Blick auf Palmen. So haben wir uns das vorgestellt. Ein wenig später treten wir durch die Pforten des Parks. Palmen so weit das Auge reicht. Dazwischen Kakteen und sonstige Spielereien. Es gibt eine Art größeres Vogelgehege, einen Bereich für Wasserspiele und auch den obligatorischen Stein- und Bonseigarten. (Asiaten lieben Steine mit Löchern drin!) Und es gibt ebenjene Tropfsteinhöhle.
Wie es sich gehört beginnen wir aber am Anfag des Parks und arbeiten uns zum Ende durch. Da finden wir dann auch einen Stand, an dem wir uns einen günstigen, aber außergewöhnlich guten Kakteensaft erstehen und eine Toilette mit Popo-abwisch-Automatik. Krasse Geschichte. Zwischendurch baue ich dann noch in einem der angelegten Flüßchen einen kleinen Damm und freue mich über den Stausee und blödel an diversen Steinen herum. Dann kommt die heiß ersehnte Tropfstinhöhle. Wir kennen das ja mit Stalaktiten und Stalakniten von der Decke bis zum Boden. Hier - nichts davon zu sehen. Das ganze ist ein riesen Reinfall. Wenn nicht der schöne und auf jeden Fall sehenswerte Park darum wäre würden wir direkt unser Geld zurück verlangen. Es tropft zwar überall brav von der Decke, aber leider sind die längsten Kalkgebilde vielleicht einen Zentimeter lang. Das ist also in Korea eine Tropfsteinhöhle. Da müssen koreanische Geologen ja ins Freudenkoma fallen, wenn die mal so eine richtige Tropfsteinhöhle sehen. Beeindruckend ist allerdings der extreme Temperaturunterschied zwischen der Höhle und der Außenwelt.
Zurück beim Tageslicht sieht die Welt wieder schön aus. Wir schleichen noch einige Zeit durch den Park und bewundern diverse nette Pflanzen. Ich lerne auch endlich, daß Ananas nicht, wie ich peinlicherweise immer dachte, an den Bäumen wächst sondern auf dem Boden und sehe Kiwis wachsen. Der Urlaub wir noch direkt zur Bildungsfahrt.
Der Rest des Parks ist zwar sehr schön, bietet aber wenig Abwechslung.

Wir verlassen den Park dann auch recht bald, weil unsere niederländische Begleitung ihren Flieger bekommen mußte. Als Mittagessen gönnen wir uns, echt koreanisch, Ramen-suppe und für Doro Spaghetti.
Der daneben liegende Strand ist enttäuschend. Zwar ist die Sandfläche recht groß und der Sand auch weiß, aber der Küstestreifen ist dafür auf wenige Meter begrenzt, überbevölkert und es gibt eine Menge Algen. Da bevorzugen wir doch meinen Geburtstagsstrand.
Wir machen uns recht bald auf den Rückweg. Morgen geht es tauchen und die Wetterkarte zeigt Regen an :-(

Wir werden also früh aufstehen, hoffen daß das Wetter einigermaßen mitspielt und uns dem deutschen Tauchlehrer "Ralf" anvertrauen. Wir freuen uns!

Sonntag, 22. Juni 2008

Sonne auf Jeju

Man glaubt es kaum, heute wurden wir von Sonnenstrahlen geweckt! Beflügelt von dem Gefühl warmer Sonnenstrahlen und der Furcht sie würden wieder verschwinden bevor wir vor die Tür treten könnten trafen wir uns wie verabredet mit unserer niederländischen Begleitung und fassten den Entschluß, daß heute der etwas entfernte Sunrise Peak und die Insel Udo das Ziel sein sollten.

Nach einigem Suchen war auch die entsprechende Busstation gefunden. Auch wenn das Bussystem wieder etwas schwierig zu verstehen ist weil keinerlei englische Beschreibungen zu finden sind bahnen wir uns durch unsere Erfahrung gestählt den Weg in den korrekten Bus. Eine Stunde und zwanzig Minuten später hüpfen wir bei nach wie vor nettem Sonnenschein aus dem Bus - den Kegel des ehemaligen Vulkans fest im Blick. Den gilt es heute zu erklimmen.
Wir befinden uns grade am Fuße des Lavakegels als die Wolken sich vor die Sonne schieben und eine frische Briese aufzieht. Hervorragendes Wetter für den Aufstieg.
Naßgeschwitzt erreichen wir nach unzähligen Stufen den Gipfel. Da die Sonne schon um 5.00 Uhr aufgegangen ist müssen wir auf den Sonnenaufgang verzichten. Das sollte eigentlich nicht störend sein, schließlich ist dieser große Steinberg auch zum Weltnaturerbe erklärt worden. Das muß ja etwas heißen. Tatsächlich ist der Blick über das Hinterland durchaus beeindruckend und auch der Hügel an sich ist nett anzusehen. Mehr ist es aber auch nicht. Zwischenzeitlich zeigt sich immer wieder vereinzelt die Sonne.

Irgendwann wird es auf der Spitze aber auch langweilig nachdem wir alles gesehen haben und das Wasser auch zur Neige geht. Abwärts geht es wesentlich schneller. Und so machen wir uns auf den Weg zum naheliegenden Hafen zu der Insel mit dem wohlklingenden Namen "Udo". Koreaner finden, daß Udo aussieht wie eine liegende Kuh. Daher kommt dann auch der Name, der Kuh bedeutet. Wir haben uns als Ziel gesetzt zu einem Stand zu laufen an dem ein Korallenriff liegen soll. Während die Tourenbusse aufbrechen stapfen wir also dem Strand entgegen. Zwanzig Minuten später haben wir ihn gefunden und sind doch etwas enttäuscht. Zwar ist der Strand schön hell und weiß, allerdings sind keine Korallen im Meer, sondern der Strand besteht aus ehemaligen Korallen. Das piekt ganz schön.
Ins Wasser trauen wir uns auch nicht, weil wir uns dazu am Strand umziehen müssten. Da an diesem Strand außer uns noch diverse kreischige Koreanerinnen und Familien abgammeln wollen wir ihnen den Schock eines nassen, europäischen Popos ersparen. Aber auch dem pubertären Spielchen und der strikt eingehaltenen Geschlechtertrennung zuzusehen hat seinen Reiz. Das Balzgehabe erinnert etwas an das Verhalten eines Mittelstufenschülers. Sind wir ihnen vorraus, oder sie hinterher? Eine gute Frage, die sich nicht so leicht lösen lässt. Wir sinnieren fröhlich vor uns hin und halten dabei die Füße ins kalte Naß bis die Uhr nach uns ruft.
Es wird Zeit eine der letzten Fähren zu bekommen.
Nachdem wir die Fähre bekommen haben und auch erfolgreich eine Bushaltestelle gefunden haben die uns nach Hause briungt sitzen wir wieder etwas erschöpft im Bus.

Da könnte man eigentlich schlafen, nur nicht in diesem Bus. Der Busfahrer möchte offensichtlich entweder Suizid begehen oder einen Geschwindigkeitsrekord begehen. Er überholt in der Kurve die Polizei und hupt sie noch an, rast ungebremst über die Straßenschwellen (was uns zu einem meterhohen Hüpfer im Bus zwingt) und tut auch sonst alles um unser Adrenalin auf hohem Level zu halten.
Mit weit aufgerissenen Augen und einem Herzschlag um 200 steigen wir 45 Minuten später aus dem Bus. Wir sind viel gewöhnt und so hält der Schock nicht lange an. Schließlich weicht der Schock dem Hunger. Wir entscheiden uns für ein koreanisches Restaurant was Gerichte anbietet die wir kennen. Bulgogi und Bibimbab mit Dumplings werden unsere Mägen füllen.

Und während wir so auf unser Essen warten fällt der Blick auf einen gegenüberliegenden Spiegel. Au waia. Wir sehen jeder aus wie ein Pavian - nur eben im Gesicht. Wir haben allesamt einen abartigen Sonnenbrand davongetragen. Wieso ist die Sonne auch so hinterhältig und scheint durch die Wolken durch während wir nichts davon ahnen. Listiges Ding. Das Essen ist super, der Sonnenbrand kurzzeitig vergessen. Er wird erst wieder heute abend interessant werden, wenn wir alle nicht wissen auf welche Seite wir uns im Bett wälzen sollen.
Auf dem Rückweg vom Restaurant zu unserer Honeymoonsuite beginnt es wieder zu nieseln. Für die kommenden Tage ist wieder Regen angesagt und wir werden uns wohl eine Höhe angucken und Tauschen gehen. Beides wird den Sonnenbrand schohnen und ist nicht auf gutes Wetter angewiesen. Es kann wenigstens niemand sagen, wir hätten die Sonnenstrahlen nicht voll ausgekostet.

Samstag, 21. Juni 2008

Auf Regen folgt Regen,...oder so

Wer hätte es gedacht...es regnet. Wir sind schon extra nicht so früh aufgestanden und haben damit die Zeit zum Duschen auch überschritten (heißes Wasser nur bis 9.00Uhr) und dennoch regnet es auch heute. Da hat Petrus echt kein Erbarmen mit uns. Etwas verzweifelt begeben wir uns dann eben erst einmal in den Internetraum. Von dort aus ist das Maß der Regengüsse erst richtig einzuschätzen. Es schüttet aus allen Kübeln. Im Internetraum treffen wir auf eine Niederländerin, die mit uns an der Yonsei war. Die Welt ist klein.
Nachdem wir unsere gesammelte Fanpost abgearbeitet haben entscheiden wir uns dazu zusammen mit der Niederländerin erst einmal etwas zu essen zu jagen und dann zu Fuß die zwei nächstgelegenen Wasserfälle abzuklappern. Doro entscheidet sich für die einzig richtige Entscheidung bei der anstehenden Wasserschlacht: Flipflops.

Nach den schockierenden Ereignissen der letzten Tage entscheiden wir uns heute für klassische Hamburger Marke Lotteria. Diese Kette ist recht koreanisch und ist an und für sich nicht empfehlenswert, da sie auf alles eine undefinierbare Soße kippen die den westlichen Gaumen nicht wirklich kitzelt. Dafür wissen wir allerdings was drin ist und daß uns kein Auge aus dem Burger anguckt. In dem Fastfood-tempel angekommen scheinen wir zur Attraktion geworden zu sein. Die Kinder zeigen auf uns und gaffen uns an. Wahrscheinlich wundern sie sie, wer so bescheuert sein kann bei diesem Wetter freiwillig als Tourist auf die Insel zu kommen. Als wir halbwegs gesättigt das schützende Dach verlassen stellen wir fest, daß es bereits jetzt auf Grund der herab prasselnden Wassermassen durch unsere Schirme hindurchregnet.
Nach kurzem Marsch haben wir das ehemals friedlich vor sich hinplätschernde Rinsal vom Cheonjiyeon Wasserfall gefunden. Durch die Regenmassen hat es sich in einen braunen mitreißenden Strom verwandelt. Gradezu häßlich. 1000 SKW ärmer dürfen wir uns dem Ungetüm nähern. Die nette Furt ist vollkommen überspühlt und macht das Überqueren des Flußes unmöglich - bleiben wir also auf langweilig befestigten Wagen. Als wir am Wasserfall ankommen hat es kurz aufgehört zu regnen - dafür wird alles von der aufspritzenden Gischt mindestens genauso nass gemacht. Es scheint eine Art Schicksal zu sein die uns verfolgt. Überall neben dem Wasserfall sind kleine Wasserfälle aufgetaucht um die Wassermassen abzuleiten. Normalerweise ist es möglich nah an den Wasserfall heranzutreten. Diese Etage ist aber bedauerlicherweise überspühlt und ist gesperrt. Männo, dabei wollten wir so gerne unsere Waden baden. Wir machen uns daher auch recht bald auf den Rückweg. Petrus will uns ärgern und so beginnt es 5 Minuten nachdem wir den sprühenden Wasserfall verlassen haben erneut zu regnen. Obwohl wir schon kurze Hosen angezogen haben sind auch die inzwischen großteils durchnäßt, unsere T-Shirts sowieso.
Wir laufen los zu Wasserfall Nr. 2, dem Jeongbang Wasserfall. Es ist der einzige Wasserfall Koreas, oder vielleicht auch Asiens oder der Welt der direkt ins Meer fällt. Überhaupt sind Wasserfälle hier voll die coole Sache. Haste nen Wasserfall im Vorgarten biste hier der größte Schneckenchecker überhaupt... Die Strecke sieht kurz aus, stellt sich aber doch als erheblich länger heraus. Dafür stoppt plötzlich der Regen. Die Luftfeuchtigkeit gleicht das aber locker wieder aus. Es zieht zudem eine Art Dunst auf der uns im Trockenen badet. Interessantes Gefühl. So muß sich ein eingelegter Hering fühlen. Wir beschließen die Herinskonserven demnächst alle wesentlich mitleidsvoller anzugucken und stiefeln weiter. Dabei fällt uns auf, daß die Koreaner entweder die Entfernungen falsch bemessen haben oder die Ziffer auf dem Schild schlicht die Meterzahl bis zum nächsten Schild anzeigt. Frei nach dem Motto: Sahara 200m. Einige Kilometer später nähern wir uns dem Ticketschalter und sind angekommen. Es regnet immer noch nicht, die Sonne scheint auch nicht.
Wir stiefeln diverse recht glitschige und gewohnt unterschiedlich hohe Stufen hinab bis wir irgendwann den Grund erreichen und uns vor einem recht eindrucksvollen Wasserfall befinden. Hier ist nichts abgesperrt. Wir könnten wenn wir wollten zum Wasserfall schwimmen. Wenn nur das Wasser nicht so dreckig wäre hätten wir das vielleicht sogar gemacht. So halten wir nicht einmal unsere Stelzen in die Brühe. Von der Gischt sehen wir aus wie Geduscht. Überall auf unserer Kleidung sind winzige Wassertröpfchen und auch die Kamera flucht weil sie bei jedem Bild erneut mit einer Dusche versehen wird. Ja, das Klima hier ist nicht sehr high-tech-freundlich.
Auch dieses eigentlich recht idyllische Plätzchen verliert irgendwann seinen Reiz. Der Rucksack wird etwas schwer und wir entscheiden uns, den Heimweg anzutreten. Wir haben auf dem Weg zum Wasserfall Ramen-Suppe eingekauft (das ist die Fertignudelsuppe die etwas scharf ist), die uns über den Abend bringen wird. Im Motel angekommen warten wir noch eine Stunde bis wieder die Heißwasserphase beginnt und dann ist endlich duschen angesagt.
Trotz des beschissenen Wetters war es doch erstaunlich nett. Beeindruckend wie ausgeglichen wir doch sind. Jing und Jang haben wohl auf uns abgefärbt. Auf Regen folgt Sonne. Und so sagt die Wettervorhersage für morgen etwas Sonne an. Wir sind gespannt.

Freitag, 20. Juni 2008

"Und das an meinem Geburtstag..."

Nach einer Nacht mit sehr humidem Klima wachen wir morgens trotz Urlaubs recht früh auf, lassen es dann aber doch langsam angehen - schließlich hat Cons Geburtstag. Das Wetter meint es nicht so gut mit uns - unsere Theorie: Gott hat seine ganze Kraft in unsere koreanisch Klausuren gesteckt, sodass er uns jetzt keinen Sonnschein mehr bieten kann. Selbst wenn es nicht regnet ist es draußen so feucht und neblig, dass man schnell durchnässt ist. Wir lassen uns davon nicht abhalten, sondern freuen uns auf eine warme Dusche im Bad der Ocean-View-Honeymoon-Suite der Extraklasse. Leider zu früh gefreut - kein warmes Wasser. Nach einer Katzenwäsche machen wir uns aber dann doch bald auf den Weg um etwas zwischen die Kiemen zu bekommen. Ironie des Schicksals: Wir landen in einem japanischen Restaurant und bekommen direkt Kiemen zwischen die Kiemen. Aber das Erlebnis bedarf mehr als nur eines Satzes. Wir machen es uns also auf dem kühlen Boden des Japaners gemütlich und bestellen beide eine "Peppery Soup", da die koreanische Kellnerin auf die Frage obs scharf sei den Kopf schüttelt. Glücklicherweise muss man sagen, denn auch sonst gab die Speisekarte für den westlichen Gaumen nicht so viel her, selbst nach 4 Monaten Gewöhnung. Schon bald darauf werden wir mit zahlreichen japanischen Nebengerichten bedient, bis der Tisch voll ist. Grinsend bringt die Tischsklavin uns auch Gabeln, eine andere Koreanerin lacht sich dabei im Hintergrund halb schlapp - als ob wir das nötig hätten! Nur keine peppery soup dabei... Sah alles auch schön bunt aus, entsprach aber leider nur zu geringen Teilen unserem Geschmack. Viel zu viel Oktopus, Muscheln, kleine Krebse etc. Letzteres stellt uns vor ein besonderes Problem, da wir nicht in der Lage sind, dem Mini-Krebs Fleisch zu entnehmen. Wir schließen darauf, dass die niedlichen Krabbler für den Koreaner als kleiner Knuspersnack durchgehen sollen. Immer mehr karrt die Kellnerin für uns an, wir wissen schon lange nicht mehr wohin mit dem Kram, denn was wir da bekommen haben würde locker als extrem variantenreiches Partybuffet durchgehen. Wir schauen uns immer verzweifelter nach einem Mülleimer um. Der gegrillte Fisch zum Beispiel war ganz lecker, aber warum auch sich die Mühe machen irgendetwas vorher auszunehmen. Immer noch keine peppery soup. Langsam glauben wir an ein Missverständnis... Gerade als wir gehen wollen (ob wir wirklich satt waren oder ob uns der Appetit vergangen war beim Anblick noch halbwegs saugfähiger Krakenarme etc. war nicht ganz klar) kam die Tante wieder herein - und endlich hatte sie eine Suppe dabei! Der Farbe nach zu urteilen war sie auch recht red peppery... Dazu ein klassisches Schälchen Reis, aber leider keinen Hunger mehr. Es stellt sich recht schnell heraus, dass das gar nicht so leider ist. Im ersten Moment sah die Suppe auch ganz appetitlich und essbar aus mit netter Petersiliendeko (seeehr großzügiger Petersiliendeko). Cons begeht dann den größten Fehler. Er rührt um und schaut rein. Die Suppe schaut zurück. Ein 10cent großes Fischauge noch am Fischkopf blickt neugierig seiner Zukunft entegen. Ein Flosse schaut keck über den Tellerrand. Offensichtlich kennt der Fisch keine Kukident-Haftcreme, denn die Zahnreihen planschen fröhlich neben dem süßen Mäulchen vorbei. Dass nichts nach uns schnappt ist wohl reine Glückssache. Cons entledigt sich erst mal schwitzend sämtlicher Suppeninhalte und probiert die Brühe - ziemlich peppery, oder auch extrem scharf. Ich begehe nicht den gleichen Fehler und versuche den Fisch so gut wie möglich mit der Petersilie abzudecken und esse die mitgekochten Gemüsestücke. Will ja schließlich auch nicht nackig irgendwo rumliegen, egal in welchem Zustand.
Nach dieser asiatischen Erfahrung machen wir uns auf den Weg ins Jungmun Resort um dort an den Strand zu gehen. Der sollte bei dem Wetter wenigstens leer sein. Die Bushaltestelle erreichen wir über Umwegen aber letztendlich kommen wir an unserem Ziel an und schmeißen uns in die Badesachen. Das Wasser ist sehr klar, ein Wasserfall plätschert neben uns und hinter uns wächst irgendwelches Grünzeug an einem steilen Hang hoch. Der Sand ist rötlich, da er aus schwarzem Sand mit rotlichem und weißem Muschelpulver besteht. Der Koreaner beschreibt das allerdings als "white sand beach". Bei Sonne sicherlich ein schöner, aber überfüllter Strand. Unserer Erwartung entsprechend war das Wasser recht kalt und Cons kreischt wie ein kleines Mädchen und bettelt um Rettung. Andererseits auch nicht viel anders als die Dusche heut morgen. Wir erfreuen uns an den Wellen bis uns ein paar Hobby-Surfer mit Laienqualität von den Wellen vertreiben - tse, als hätten die einen Anspruch darauf. Sollen sie halt üben wo keiner schwimmt. Am Strand kümmert sich Cons fachmännisch um die Verlegung des Wasserfallflüsschens am Strand zum Meer. Ich baue derweil an einer naturgetreuen Sandnachbildung der Frau. Nach dieser architektonischen Meisterleistung schauen wir uns den Fasserfall etwas näher an und entscheiden, dass er für eine Naturdusche durchaus geeignet ist. Wir müssen feststellen, dass entweder im Wasser oder am Strand irgendwelche mörderischen Horrorviecher uns ausgesaugt haben, denn wir sind am ganzen Körper mit riesigen juckenden Stichen durchlöchert. Aber der Wasserfall war noch sehr schön - kühl, aber erfrischend.
Auf dem Rückweg finden wir endlich einen Bäcker um eine kleine Geburtstags-Schokosahnetorte à la außen hui innen pfui zu besorgen. Nun sitzen wir wieder mit massig Mücken in unsem Logement und hoffen drauf, dass morgen dass Wetter besser wird. Die Wahrscheinlichkeit ist gering, da offenbar dieses Jahr die Monsunzeit früher eingesetzt hat als sonst. Wir stellen zudem fest, dass in unserem Luxus-Domizil das 4. Stockwerk ausgelassen wurde und es außerdem immer noch keinen Aufzug gibt. Unsere Luxus-Suite ist im also 4. Stock mit Doppel-Nummer 602 (In Korea ist das Erdgeschoss schon der 1. Stock), da offenbar die Zimmernummern in zwei verschiedenen Ausführungen angeschafft wurden. Und wenns schon zwei mal da ist, dann kommts halt auch zwei mal an die Tür. Doppelt hält eh besser.

Donnerstag, 19. Juni 2008

제주도 Jeju Island

Die letzten Tage waren ja recht ereignisreich. Zuerst war da ja die Koreanischklausur, die wieder beschissen gelaufen ist. Und irgendetwas sagt mir, daß ich diesesmal weniger Glück haben werde als beim vergangenen mal. Herr, gib mir 50% ! Das war auch wirklich nervenaufreibend. Und dabei sind vor allem meine Nerven durch die bisher ja nur sehr mäßig verlaufende EM schon aufgerieben genug.
Um etwas von diesem Streß weg zu kommen haben wir uns vorgestern abends nach dem ersten Teil der Klausur mit Martin und Carol getroffen. Das sind die zwei Iren, mit denen wir uns schon zu Beginn unseres Aufenthaltes getroffen hatten. Die sind nämlich frisch aus Irland zurück in Korea. Bei einem Häppchen Schabuschabu war das auch ein durchgehend erbauender Abend, sodaß wir es fast geschafft haben die gestrige Klausur zu verdrängen. Aber eben nur fast.
Alles bitten, betteln und flehen half nichts und so quälten wir uns gestern durch die letzte Klausur. Oh Herr hilf, wenn es schon meine Sitznachbarn nicht tun (können).
Im Anschluß an die Klausur hatten wir uns zum Abschied mit fast allen Austauschstudenten getroffen und haben uns noch einmal allyoucaneat-Galbi eingefahren. Das war eine wirklich nette Runde mit viel Spaß. Da sind auch eine Menge netter Kontakte überall auf der Welt dabei, die wir im Laufe der kommenden Jahre mal abklappern sollen. Na schaumama was das Leben so mit sich bringt.
Wir haben uns aber recht früh verabschiedet, da unser Berg an Klamotten noch gepackt werden mußte. Dazwischen noch schnell einen Abstecher zur Bank, um wenigstens das Konto leer zu räumen, wenn wir es zeitlich schon nicht schaffen, es zu kündigen.
Daß man in 5 Monaten eine Menge Müll anhäuft war uns klar, der entstandene Berg mit 5 Kartons war aber überraschend. Dazu trug aber auch die schmerzhafte Trennung von diversem Essen sowie T-shirts, Hemden und Schuhen bei, um das 20kg Limit auch nur annähernd zu halten und den Koffer nicht platzen zu lassen. Die Vorgabe sieht 20kg Limit beim großen Gepäck vor und max 5kg Handgepäck auf der Reise nach Jeju.
Wir stellen fest, daß mein Koffer ziemlich genau 23kg und mein Handgepäck mindestens 15 wiegt. Also weg mit dem Essen und hoffen daß das Handgepäck nicht gewogen wird. Mein Koffer wog 21kg und ging denoch durch. Hurra. Für den Rückflug von Incheon werde ich aber dank strengerer Richtlinien noch etwas ausmisten müssen.


Kaum an der Wartezone im Boarding angekommen stürmen uns sicherlich 100 Groupies entgegen. Wir zücken schon die Kulis, wiedereinmal bereit Autogramme im Akkord auszuteilen - die Mädels rennen vorbei zu einem uns unbekannten Grüppchen von lauter mitreisenden Kameramännern umringt. Wer in dem Grüppchen nun bekannt ist bleibt uns verborgen. Einfach so an uns vorbeizurennen - koreanische Teenies wissen einfach nicht was gut ist.
Also hinein ins Vergnügen und die Achterbahnfahrt. Wie erwartet stehen wir vor einem winzigen Propellermaschinchen, das auch als Privatjet super geeignet gewesen wäre. Ohne Groupies interessiert sich in dem Flieger niemand für die tausend Kameramänner und den vermeindlichen Lokalstern. Das Grüppchen wirkt fast etwas verloren - so mit mehr Kameramännern als Fans. Als Höhepunkt des Fluges hatten wir uns auf kräftige Turbulenzen eingestellt. Vergeblich! Nicht mehr Geschunkel als auch im großen Flieger. Dafür kommt ein neuer Höhepunkt auf uns zu. Da in dem kleinen Flieger keine Monitore zu finden sind wird als Unterhaltungsprogramm für die Kleinen eine "Ballon Magic Show" angeboten. Was das nur sein kann?
Es stellt sich heraus, daß wie im Zirkus eine der Stewardessen aus einem Ballon kleine Hunde für den einzigen kleinen Fettsack im Flieger bastelt. Lustigerweise interessiert sich so ziemlich jeder im Flieger mehr für die Show als das kleine Dickerchen. Als dann auch noch ein paar Zaubertricks vorgeführt werden droht die Stimmung überzukochen. Der Applaus weicht andächtigem Schweigen. Ich frage mich etwas, ob die gewisse Komik hinter der Aktion geplant war.
Wir verlassen den Flieger und sammeln in der riesigen Ankunftshalle (drei 4m Gepäckbänder *g*) unser Gepäck ein. Der Bus ist schnell gefunden - es regnet in kleinen, sehr feinen Tröpfchen - vergleichar mit Sprühregen am Meer. Im Bus sind es gefühlte 40°C und die Luftfeuchtgkeit macht das Gefühl nicht besser.


Auf dem Weg stellen wir fest, daß die Häuser auf Jeju, zumindest im Regen, nicht besser aussehen als in Seoul. Es ist uns bisher nicht wirklich klar weshalb diese Insel nun die Honeymooninsel der Koreaner ist.
Nach einem kurzen Fußmarsch erreichen wir das im Lonely Planet empfohlene Hiker-Hostel. Auf der Scheibe des Hostels im Erdgeschoß steht geschrieben, daß dieses Hostel im LP empfohlen ist. Quasi moomlatz :-) Das Moomlatz-hostel ist das günstigste Hostel was für englischsprachige Besucher zu finden ist. Und so sieht es eben auch aus. Unsere "Honeymoonsuite" befindet sich im 6. Stockwerk. Da freut es mich doch direkt als der Mann, dessen Visitenkarte ihn als Präsidenten (haha) dieser Bruchbude ausgibt, mir mitteilt, daß es keinen Aufzug in diesem Haus gibt. Unser Gepäck will also von uns hoch getragen werden.


Völlig entkräftet erreicht unser Gepäck mit uns also unser Domizil. Die Tür schwingt auf - der Unterkiefer auch. Spannend!
In den größten Bruchbuden auf dieser Welt hatte ich noch immer am meisten Spaß, das wird hier nicht anders sein. Obwohl ich erstmals von einem Koreaner höre, daß die Regenzeit eingesetzt hat und die Mücken immer lästiger werden.


Nach einigem Suchen finden wir auch noch unser Ziel - den ersten Wasserfall. Der hat leider schon zu, weshalb wir ihn erst morgen näher betrachten werden. Der erste Eindruck ist aber durchaus positiv. Es wird schon schön werden und Doros detaillierter Plan wird das ganze hier perfekt abrunden. Inzwischen freuen wir uns beide nur noch auf die kommende Woche. Man muß einfach alles etwas mit Humor nehmen :-)


Nachtrag: Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa, wir haben alle Koreanisch bestanden. Wir sind die Götter des Olymps! Ich kann fliegen! Komm ich jetzt ins Fernsehn? Wir sind die Größten! Der Herr hat uns ein zweites mal erhört.

Sonntag, 15. Juni 2008

Korea - Land, Leute und das Fernsehen

Wir lernen immer noch fleißig und haben vergangenen Donnerstag auch schon die ersten Finals abgehakt. Leider steht jetzt noch Koreanisch für Dienstag und Mittwoch an.
Daher wollten wir eigentlich den nächsten Eintrag erst in Jeju wieder schreiben - die Ereignisse des gestrigen Abends wollen es abder anders.
Zuerst aber einmal etwas allgemeiner (die Zeit bleibt ja auch hier nicht stehen und so lernen wir nach wie vor jeden Tag etwas neues kennen). Die Koreaner haben angefangen bei Unfällen die Positionen der Wagen mit Spraydosen auf die Straßen zu malen. Erst jetzt wird deutlich wie schlecht die Koreaner wirklich Auto fahren. Überall auf den Straßen und Kreuzungen finden sich jetzt Markierungen. Es ist aber auch wirklich auffällig wie wenig der Koreaner von Verkehrsregeln hält. So gibt es hier ja immer doppelte Fußgängerüberwege. Also zwei Streifen direkt nebeneinander. Vielleicht ist das so ein "Reptillian Hot Button" für den Koreaner direkt darauf zu halten oder zu parken. Das machen auch nicht nur die normalen Autofahrer, sondern auch Busse und vor allem Taxen. Taxifahrer sind ja auch in Deutschland eher mit der StVO verfeindet - hier ignorieren sich die zwei einfach nur. Rote Ampeln sind da kein Grund auch nur zu bremsen, genauso wenig wie Personen auf der Fahrbahn...
Da hält auch eine Demonstation kein Taxi auf. Letzte Woche haben Studenten der Yonsei wie so viele andere in Seoul wieder gegen amerikanische Rindfleischimporte demonstriert. So richtig denkt darüber zwar niemand nach, aber weil die Alten dagegen sind und dagegen demonstrieren demonstriert die Jugend eben auch. Und so laufen sicherlich 4.000 Studenten mit Transparenten an Angelruten durch die Straßen und blockieren den Verkehr (wobei der auch sonst immer mehr steht als fährt).
Nun aber zu unserem gestrigen Schlüsselerlebnis. Wir zappen mal wieder durch die unzähligen koreanischen Kanäle auf der Suche nach etwas englischsprachigem, vorbei an einer neu vertonten Harry Potter Variante und Ein Soldat namens James Ryan und stoßen unter dem Namen "Nudel-nudie" auf eine Art Animeeporno-reihe. Nicht nur, daß der der koreanischen Prüdität total widerspricht, sondern die kurzen Spots sind auch noch richtig schlecht. Etwas derartiges findet man wahrscheinlich auch nur in Korea.