Für heute hatten wir uns für eine von der Regierung organisierte DMZ-Tour angemeldet an deren Ende noch eine sog. B-Boys Performance anstehen sollte. Was letzteres sein sollte war uns ein Rätsel.
Also früh um 7.30 Uhr in den Bus gehüpft und los ging die frohe Fahrt zur größten stehend bewachten Grenze der Welt. Klingt nach Superlative.
Nach einer guten Stunde Fahrt und ebensolangem Gequassel unseres Führers
waren wir am Parkplatz vor der DMZ angekommen. Bis zu diesem Punkt hatten wir uns sicherlich 45.000 Quadrillionen mal angehört, daß wir unseren Reisepass benötigen würden. Als würde es jetzt noch etwas ändern, wenn man den Pass nicht dabei hätte.
Auf diesem Parkplatz konnte man dank einer größeren Tribüne bereits in die DMZ und die Freedom Bridge hinabschauen. An diesem sonnigen Plätzchen Erde an der man aus unerfindlichen Gründen einen Swimmingpool angelegt hatte (vielleicht um fliehende Nordkoreaner erstmal ordentlich zu baden) sollten wir auch zu Mittag essen. Dieser Luxus war im Fahrtpreis inbegriffen. Luxus war das mäßige Bibimbab vielleicht nicht, dafür aber das im Anschluß daran von mir erstandene Softeis. "Deluxe Cone, Special Icecream" stand in großen Lettern auf dem Hörnc
hen. Das einzig luxuriöse an dem Hörnchen mit Softeis war jedoch der für koreanische Verhältnisse hohe Preis. Das Wissen vom Luxushörnchen lies mich allerdigs gleich viel optimistischer in die Zukunft schauen und so sollte es aufgehen zum eigentlichen Ziel. Hinein in die DMZ. Auf den 5min Fahrt bis zum Grenzzaun wiederholte der Führer noch zig mal die Nummer mit dem Pass und klärte uns auf, daß man in dieser Zone keine Bilder schießen dürfe (Wozu eigtnlich auch? Google Earth liefert sowieso bessere Bilder.). Das reizt mich natürlich sofort genau dies zu tun. Glücklich und mit zwei verbotenen Bildern in der Kamera passieren wir die Absperrung und sind entmilitarisiert. Dafür sind in dieser Zone ziemlich viele Südkoreanische Soldaten und Rekruten unterwegs...
Der erste Stop ist der dritte von 4 Infiltrationstunnels. Zuerst wird man in
einen Raum geführt und darf sich einen extrem kitschigen Propagandafilm reinziehen. Nachdem man den gesehen und verinnerlicht hat, ist man sicher, daß es nichts besseres und schöneres auf der Welt gibt als diese entmilitarisierte Zone. Raus aus der einen Tragöde und hinein in die nächste. In dem Tunnel darf man aus einem erneut unverständlichen Grund nicht fotografieren. Eigentlich geht man den unterirdischen Kilometer nämlich völlig umsonst. Jedes Kohlebergwerk ist spannender als dieser max 1,7m hohe Tunnel durch den man mit eingezogenem Kopf durchstapft. Eigentlicher Höhepunkt ist das Ende an dem die Südkoreaner eine Betonwand eingezogen haben. Dieses Bild kennt man von diversen Postkarten. Der wirkliche Höhepunkt ist aber eine Tafel auf der erklärt wird, daß die Nordkoreaner bei ihrem Abzug die Wände noch mit Kohle beschmiert haben um danach zu erzählen sie hätten nur nach Kohle gesucht :-) Dumm nur, daß es in der Gegend nur Graphit gibt.
Nach
dem Tunnel fahren wir zum Observatorium. Von dort aus kann man nach Nordkorea hinüber gucken. Man könnte auch nette Fotos machen, wenn es nicht wieder eine gelbe Linie gäbe hinter der man keine Fotos mehr machen darf. Wiedereinmal völlig unverständlich - befindet sich doch selbst auf der Broschüre ein Bild mit genau dieser Aussicht. Und auch hier hilft Googleearth wieder weiter. Wer hinter der Linie Fotos macht bekommt die Kamera von Soldaten sofort entrissen, die sich daran machen die Bilder zu löschen. Kindergarten! Dabei wollte ich doch nur ein anständiges Bild vom größten Penisvergleich der Welt. Denn in dem potemkinschen Dorf auf der nordkoreanischen Seite steht der weltgrößte Flaggenmast der ehemals 150m hoch war. Dann bauten die Südkoreaner auf ihrer Seite einen 165m hohen Flaggenmast worauf Nordkorea seinen Flaggenmast um weitere 5m erhöhen lies damit er den der Südkoreaner überragt. Und um dem ganzen die Krone aufzusetzen haben die Nordkoreaner dann noch eine 270kg schwere Flagge aufgebracht. Tierisch lächerlich.
Ohne Fotos macht das ganze wenig Spaß und so sind wir bald auf dem Rü
ckweg, vorbei an Mienenwarnungen (die ich leider nicht fotografieren konnte) bis zur Dorasan Station. Dieser Bahnhof soll irgendwann mal der erste Bahnhof auf dem Weg zwischen Nordkorea und Südkorea werden. Bisher stehen da leider nur 4 Soldaten stramm die sich langweilen - Zugverkehr gibt es nämlich keinen. Dafür war Präsident Bush mal dort und hat eine Schwelle mit seinem Namen beschmiert. Das wird natürlich gleich ausgestellt, ich bin mal gespannt ob im kommenden Jahr auch die Schwelle mit meinem Namen ausgestellt wird.
Der interessanteste Teil der DMZ wird ausgelassen. Das ist eben der Nachteil wenn man sich auf das Organisationstalent der südkoreanischen Regierung verlässt.
Daf
ür werden wir noch zwei Stunden nach Suwon, die ehemalige Hauptstadt gekarrt zur sognannten B-Boys Competition. Es sickert durch, daß es sich hierbei um einen Breakdancewettbewerb mit internationalen Teams handelt. Wir versuchen uns also auf 3 Stunden Hiphop einzustellen. Auf dem Weg zum Eingang passieren wir noch einen Sprayerwettbewerb - es lebe jedes Klischee. An der Tür laufen wir dann auch allen anderen Klischees über den Weg. Hosen in die zwei Personen passen würden brav in Kniehöhe getragen. Dazu die passenden T-Shirts in den Vorzugsgrößen XXXXXXXL und XXXXXXXXXXL mit entsprechend unpassender Baseballkappe und Goldkettchen. Dazwischen winden sich irgendwie garnicht ins Bild passen wollend koreanische Schulmädchen die gradezu in Trance abgehen. Das entlockt selbst dem coolsten Europäer ein Lächeln. Der Anfang des Events ist auch von der etwas z
u lauten Musik abgesehen ganz interessant. Die akrobatischen Leistungen der Breakdancer ist beachtenswert. Nach einer Stunde nervt und langweilt die Show allerdings etwas. Der Name Breakdance muß daher kommen, daß das ganze irgendwann zum brechen ist. Und so ist es gradezu eine Erleichterung, als das Ende eingeläutet wird. Die letzte Nummer von einem französischen Komiker (o.ä.) ist nochmal ganz sehenswert, da der Typ sich ungesund verbiegen kann und dabei noch andere lustige Mätzchen macht. Mit seiner Message "Glaubt an alles, woran ihr glaubt!" (aha?) sind wir befreit und genießen in einem in Regenbogenfarben beleuchteten Bus die Rückfahrt. Die in der Anmeldung versprochenen T-Shirts und CDs haben wir bisher noch nicht gesehen. Mal schauen, was sich da noch bewegen lässt. Alles in Allem wäre wahrscheinlich eine konventionelle Tour sinnvoller gewesen.
Morgen dürfen wir uns wieder mit der Unpünktlichkeit von Koreanern herumschlagen. Wir haben am Dienstag eine Präsentation und alle teaminternen Deadlines sind abgelaufen - dafür sind nur 50% aller Daten bisher eingetroffen. Wieso reißen eigentlich immer wir uns den Hintern dafür auf? Und wieso sind die Koreaner immer so gräßlich unzuverlässig. Wir lieben Deutschland!




