Montag, 31. März 2008

Business as Usual

Montag - der Tag den wohl jeder Student und Schüler dieser Welt lieber aus dem Kalender radieren will beginnt auch hier schmerzvoll mit Vorlesungsbeginn um 9 Uhr. Klingt spät, ist aber für einen Austauschstudenten recht früh. Wie jeden Montag langweilt uns GBE heute wieder zu Tode (Dazu noch mit Themen, die wir in Deutschland bereits durchgenommen haben), der Laptop ist unser bester Frund. In Korea ist übrigens jeglicher Download aus dem Internet legal und selbst in der Uni mit Highspeed möglich. LowID beim Esel gibt es nicht und auch sonst hält den Downloader mit über 1MB/s nichts auf. Momentan allerdings für uns recht uninteressant, weil wir nur legale Mitschnitte aus dem europäischen Fernsehn suchen.

Nach einem erholsamen Nickerchen während der Vorlesung machen wir uns also auf den Weg zur Global Lounge, in der wir uns für die Mittagszeit mit einer Koreanerin mit dem westlichen Namen "Michelle" zum Mittagessen verabredet haben. Mit ihr zusammen suchen wir den Weg zu einem vietnamesischen Restaurant. Nach gut einstündigem Mampfen der vietnamesischen Speisen (Nudeln, Reis, Huhn) sind wir auch weitestgehend gesättigt. Doro hat mal wieder die Schärfe zugesetzt und auch sonst ist alles wie immer. Um dieses Schärfegefühl los zu werden suchen wir eine entsprechende Eisdiele in der Nähe der Ewha Womens University. Wie sich das in der Nähe einer Fraununi gehört finden sich Schuh- und Kleidungsläden sowie Eisdielen u.ä. in Massen. Wir entscheiden uns für eine aus Itaewon bekannte Kette: Cold Stone, in dem das Eis vor unseren Augen mit erschiedensten Zutaten vermischt wird.
Michelle läd uns ein - was in Anbetracht der Tatsache, daß wir zwei sind und daß Cold Stone nicht zu den günstigsten Ketten zählt echt großzügig ist.

Leider unterbricht die Uhr unsere kurzweilige Beschäftigung und zwingt uns, dem Koreanischunterricht beizuwohnen. Business as usual, wir verstehen nichts und wundern uns nur darüber, ob ein Koreaner in Deutschland die Grammatik verstehen würde, wenn man einfach nur auf den deutschen Satz deutet, nickt und dazu irgendwelche öä-Laute ausstößt. Inzwischen sind wir übrigens dazu über gegangen in dem Kurs die Grammatik selber ohne die Lehrerin auszudiskutieren. Das gefällt selbiger zwar nicht (deutliche sch-Laute wahrnehmbar), was uns allerdings nicht im mindersten daran hindert diese essenziellen Gespräche weiter zu führen.

Irgendwann erlöst uns die Uhr von der sch-Folter und wir machen uns auf den Weg um Siho zu treffen. Siho und ich haben uns gestern eine Yonsei-Collegejacke bestellt und wollen diese heute schon abholen. Doro macht sich also auf den Weg in unser Heim, während wir uns auf den Weg nach Itaewon machen. Zwischendurch machen wir noch einen kurzen Abstecher in eine Karaokebar, da ich gebeten wurde ein kleines Come-together für den GBE-Kurs zu organisieren und dabei meiner Meinung nach die Karaoke nicht fehlen darf. Fehlt nur noch ein adäquates Restaurant und die Party kann steigen.

Dann aber auf nach Itaewon. Die Jacken sind fertig (ging echt flott, wenn man bedenkt, daß die extra für uns bestickt werden) und sind wirklich ordentlich geworden. Vor allem wesentlich besser, als die Jacken, die man in der Uni so kaufen kann - und dennoch günstiger.

Auf dem Rückweg fahren wir noch an einer Shoppingmall namens e-Mart vorbei um ein paar Kleinigkeiten einzukaufen. Auf dem Weg dorthin stelle ich fest, daß es auch hier in Seoul ein Mini-rotlichtviertel gibt. Auf einer ganze zwei Blocks langen Straße stehen Mädels leicht bekleidet in den Schaufenstern. Ich zweifle immer mehr an diesem prüden Getue der Koreaner. 21. Jahrhundert hier bin ich, hier gibt es Koks, Nutten und irgendwo sicherlich auch Blackjack. Wir werden das weiter beobachten. Bezeichnend übrigens auch, daß an der Supermarktkasse über 15 verschiedene Kondommarken angeboten werden. Das sind mal locker 10 mehr als an der durchschnittlichen deutschen Supermarktkasse. Haha, die Koreaner sind enttarnt!

Nach dieser schockierenden Entdeckung und einem Hochgefühl in der Jacke wie ein Koreaner mit europäischem Kopf auszusehen mache ich mich auf den Weg zur guten Doro. Wir erinnern uns daran, daß hier Dr. House Montags und Dienstags läuft und haben eine Abendbeschäftigung gefunden. Morgen wird wohl wieder eine Zusammenfassung auf uns warten...

Sonntag, 30. März 2008

Sunday, sunday

Und wieder einmal wochenendgemäß ausschlafen, zumindest so viel, wie es die vorgegebenen Frühstückszeiten erlauben. Nach einem wie immer halbwegs ansprechenden Frühstück folgt ein weniger ansprechender Morgen mit aufräumen, spülen, bügeln und was sonst alles so anfällt. Für zwei Uhr hatten wir uns mit Siho, meinem Mentor, verabredet, um eine Yonsei-Jacke zu kaufen. Gesagt, getan treffen wir uns mit ihm in Itaewon und wie versprochen führt er uns zu einem qualitativ hochwertigen College-Jacken-Schneider, der die Jacke für Cons nach allen Wünschen individuell zuschneiden wird - übrigens qualitativ besser als wenn man die Jacke bei der Yonsei selbst kauft. Morgen Abend kann sie abgeholt werden. Nach einer kleinen Rundtour durch das Viertel enden wir wie letztes Mal schon in dieser ganz besonderen Eisbar (Cold Stone), die normales Eis mit verschiedenen Zutaten vor den Augen des Käufers verfeinert. Und das ganze dann in einer selbstgebackenen Eiswaffel. Mmmmmh...
Der Tag endet, wie so häufig, mit Nudeln. Da ich keine Lust mehr auf Fertigsaucen habe versuche ich mich am Kochen auf Zutatenminimumniveau. Nun ruft das Bettchen schon leise und wünscht sich nichts sehnlicher als uns herbei.

Samstag, 29. März 2008

Pottery Trip

Der Samstag sollte ganz im Zeichen des Bodenminerals Ton stehen. Für heute hatten wir uns beim Pottery Trip angemeldet - Töpferei für Anfänger. Wie sich das gehört fing es pünktlich zum Wochenende an zu regnen.

Das sollte uns jedoch nicht abhalten und so saßen wir pünktlich um 11 im Bus mit zig anderen Austauschstudenten und Koreanern in Richtung des Töpfereimuseums. Während der Busfahrt lernten wir mal wieder die gesellige Seite der Koreaner kennen, die uns diverse Spiele nahebrachten um die Zeit zu verkürzen. Irgendwie ging es in den Spielen hauptsächlich darum den Verlierer zu schlagen - sympatisch. So verging die Zeit auch im Flug während die Koreaner sich gegenseitig verhauen.
Der weitere Tagesplan sah vor zuerst das latente Hungergefühl bei einem traditionell koreanischen Restaurant zu stillen und dann zum Töpfereimuseum weiterzufahren um dort nach einem kurzen Blick auf die Ausstellungsstücke unsere eigenen Kunstwerke zu formen.

Nach einer Stunde Fahrt und wenigen Schritten standen wir in einem traditionell eingerichteten Tofu-Restaurant. Die Knie knackten und schon saßen, bzw. knieten wir am Tisch. Das Menü sollte aus Tofusuppe und ähnlich wenig einladenden Suppen bestehen. Wie sich herausstellte wurden unsere Erwartungen voll getroffen. Die Suppe war mehr als gewöhnungsbedürftig. Das beste daran ist allerdings, daß sie selbst den Koreanern nicht schmeckt und jeder sie nur isst, weil sie ja offensichtlich gesund zu sein scheint.
Zu der Suppe gab es noch eine andere Suppe, die aus den bei der Tofuherstellung anfallenden Restprodukten gekocht wird und als "Nachtisch" eine Suppe, die aus dem am Boden des Topfes angebrannten Reis mit Wasser besteht. Auf gut deutsch gab es außer der Tofusuppe nur Resteverwertung. Da hat jemand echt den Marketinggag überhaupt aufgefahren. Erst eine Suppe servieren, die quasi nach nichts schmeckt und dann dazu die dabei entstandenen Reste anbieten und sich bezahlen lassen. Genial, da kann der gewiefte BWLer echt noch dazulernen.

Nach diesem kulinarischen Höhepunkt ging es weiter im Bus zum Töpfereimuseum. Das Museum ist nicht wirklich groß, bietet aber dennoch einige interessante Formen. Dort sollten wir uns Anregungen für unsere eigenen Pötte holen. Wahrscheinlich ist das auch der Grund dafür, daß in dem Museum einige Ausstellungsstücke eher an einen Nachttopf erinnern, als an Töpferkunst. Das soll den Besucher aufmuntern, wenn seine später geformte Töpferkunst eher an ein Stückchen Fäkalie erinnert, als an eine Vase o.ä.
Wir entschieden uns dafür, unser späteres Kunstwerk im Notfall als moderne Kunst zu bezeichnen.

Wenig später liefen wir dann durch den Regen über das Außengelände zu dem Ort, an dem unsere Kunstwerke Form annehmen sollten. Nach einer kurzen Einführung war es auch schon soweit und mit der Hilfe der Lehrer formte jeder sein kleines, persönliches Kunstwerk. Nachdem mein Kunstwerk als "individuell" bezeichnet wurde entschied ich mich, mir etwas helfen zu lassen. Im Nu waren Symetrien erkennbar und ich fuhr mit einer durchaus ansehnlichen Vase fort. Auch Doro kämpfte sich tapfer und ohne Hilfe durch die Tonklumpen zu einem Teepot durch.
Zum Ende hin waren einige Schmuckstücke zu bewundern und jeder hatte sein ganz persönliches Kunstwerk mehr oder minder fertiggestellt. Bewundernswert, daß es einige Kommillitonen gibt, die noch grobmotorischer sind als wir. Die Kunstklumpen haben wir ersteinmal zurück gelassen, um sie brennen und glasieren zu lassen. In 20 Tagen sollen sie uns nachgeschickt werden. Ich bin mal gespannt, ob unsere Tonstücke es durch den Ofen schaffen.

Mit dem Gedanken nun ein großer Künstler zu sein oder zu werden machten wir uns auf den Rückweg durch die typisch stauverstopften Straßen.
An der Uni angekommen stellte sich nach dem nur spärlich genossenen, "hochdeliziösen" Mittagsmahl die Frage nach dem Abendessen. Zusammen mit unseren koreanischen Mitfahrern entschieden wir uns für eine koreanische Kette, die uns frittiertes Hühnchen anbot. Leckerlecker.
Im gleichen Raum entdeckten wir wieder eine koreanische Eigenheit. Eine Gruppe von Studenten traf sich zum Gruppenblinddate. Das ist nichts anderes, als ein Blinddate. Nur sind eben statt einem Blinddate gleich mehrere dabei, damit das ganze nicht so peinlich ist. Und so verschwinden die Mädels und Jungs in regelmäßigen Abständen zusammen auf der Toilette um sich über das andere Geschlecht auszutauschen. Für die Koreaner offensichtlich die Erfüllung, für uns Beobachter einfach nur lustig wie erwachsene Personen mit hochrotem Kopf Kinderspiele spielen und mit Bierkrügen Freundschaft trinken. Die Idee mit Gruppenblinddates klingt aber durchaus wie eine erfolgreiche Geschäftsidee.
Gesättigt und nach einem langen Tag reichlich müde machen wir uns auf den Weg nach Hause ins weiche Bettchen...

Freitag, 28. März 2008

Frühlingserwachen

Der Tag begann wie gewohnt entspannt - Freitag eben. Um 10 vor 12 klingelte dann unser hauseigenes Telefon...Nanu, wer mag das wohl sein? Auf Nachfrage in Richtung der Hörmuschel flötete eine liebliche Asiatinnenstimme mir die Information zu, daß in 10 Minuten checkout sei. Checkout??? Wir hatten doch grade erst um drei Monate verlängert und die waren laut Zeitgefühl und Kalender noch nicht vorbei, sondern lagen noch vor uns. Diese Info schien die arme Frau am anderen Ende der Leitung so umzuwerfen, daß sie ohne ein weiteres Tönchen von sich zu geben einfach auflegte. Also machte sich Doro gemütlich auf den Weg zur Lobby um dort mit den Worten "No checkout, no, no" und einem lächenden Kopfschütteln wieder ins harmonische Gleichgewicht gebracht zu werden.
Wenig später sollten wir uns auf den Weg zur Uni machen, um unsere Mentoren zum Mittagessen zu treffen. Auf diesem Weg fanden wir wieder eine Message an unserer Tür - Herzschlag steigt. Zu unserer Erleichterung teilte uns diese Message jedoch nur mit, daß wir auf Grund des ermäßigten Preises auch etwas ermäßigte Leistungen zu erwarten hätten. Wurde uns zwar zu Vertragsabschluß nicht mitgeteilt, aber nichts weltbewegendes.

Unsere Mentoren erwarteten uns schon sichtlich hungrig. Die zwei sind super. Das Mittagessen haben wir dann in einer der teureren und westlichen Uni-kantinen zu uns genommen. Etwas wenig, aber dafür ziemlich gut.

Nach diesem sättigenden Ereignis macht sich Doro auf den Weg die Bücher zu holen, während ich den Kaffee besorge. Faire Arbeitsteilung :-)

Als Doro dann an der Wohnung ankommt reagiert die Tür nicht auf unsere Schlüsselkarte. Nach der Nachricht am Morgen eine beunruhigendes Gefühl. Also wieder ins oberste Stockwerk um nachzufragen. Dort bekommt sie dann gesagt, daß jeden Monat die Karte erneut freigeschaltet werden muß. Na da haben wir ja nochmal Glück gehabt, daß nicht unsere Koffer durch eine Verwechslung auf die Straße geworfen wurden und das Appartment neu vermietet wurde.

Danach geht es etwas entspannter zur Koreanischstunde. Auf dem Weg dorthin machen wir bei hellem Sonnenschein eine schöne Entdeckung: Der Frühling ist da. Überall sprießen die ersten Knospen und auch einige Blüten haben den Weg zum Tageslicht gefunden. Das macht gute Laune und lässt selbst die Koreanischstunde etwas entspannter überstehen.

Nach selbiger machen wir uns auf den gewohnten Weg in unser trautes Heim. Auf dem Weg stellen wir noch fest, daß der Smog mal wieder die untergehende Sonne verdeckt und wundern uns darüber, daß wir den Smog garnicht so sehr wahr nehmen. Auf kurze Distanz vernebelt er garnicht so sehr die Sicht...

Zu Hause töte ich im virtuellen Universum noch diverse koreanische CS-Spieler, bevor wir ruhig ins Land der Träume schweben...

Donnerstag, 27. März 2008

Motivationsproblem

Der Donnerstag beginnt wie immer recht früh mit Business Communications. Und das ist wie bekannt nicht wirklich wert besucht zu werden. Es ist und bleibt einfach stinklangweilig und unterfordernd. Das macht das frühe Aufstehen, nachdem man gestern abend lange dem Discovery Channel gefolgt ist, wirklich nicht leicht. Auf Grund unserer fehlenden Motivation laufen wir auf dem Weg zum Klassensaal noch an der Global Lounge vorbei und tragen uns für den Pottery Trip ein. Der wird am Samstag sein und uns in die Tiefen der koreanischen, traditionellen Töpferkunst einführen und verspricht ganz lustig zu werden.
Erstaunlicherweise schaffen wir es dennoch pünktlich zum universitären Schlafsaal.
Nachdem wir während der Stunde feststellen, daß unsere Lebensläufe auch noch viel besser sind, als die Musterlebensläufe machen wir uns wieder auf den Rückweg ins Bettchen.
Da bleiben wir auch bis uns Koreanisch ruft. Als wir just aus dem CasaVille treten stellen wir fest, daß noch wesentlich mehr Yonsei Austauschstudenten dort wohnen. Schön festzustellen, daß man hier jeden Tag neue Leute kennen lernen kann. Vielleicht liegt es auch daran, daß hier auf jedem Plakat in der Uni steht, daß man zu Party kommen frei nach dem Motto "come and make friends". Das scheint hier der Spruch zu sein, mit dem man Herzen zum schmelzen bringt. Der zweite Satz ist "Free a bottle of beer". Hier steht noch die Antwort aus, ob wir eine Flasche Bier kostenlos bekommen, oder sie erst befreien müssen.
Nach Koreanisch wartet unsere Bude wieder auf uns. Bügeln steht an. Arme Doro! Sie schlägt sich aber tapfer. Vielleicht hält es sie bei Laune zu wissen, daß heute endlich alle unsere Bettbezüge gewechselt wurden. Das erste mal im letzten Monat. Da steckt noch viel Potential drin.

Mittwoch, 26. März 2008

Total normal

Heute stand der Tag wieder ganz im Zeichen der Uni. Global Business Environment wartete mal wieder mit spannenden und dynamischen Diskussionen auf uns - und Mr. Social erfüllt seine Pflichten wie erwartet. Ach ja, Mr. Social - immer ein gutes Wort übrig für eingeschränkten Kapitalismus ausgehend von der Grundaussage "Humans are evil". Und nicht zu vergessen "Globalisation is evil". Und die ganze Welt sowieso und er ist das arme kleine Schwein, dass unter dem ganzen Bösen leiden muss. Soweit so gut, wir haben unser nächstes volle Punktzahl-Assignment zurückbekommen und uns dann wieder auf den Weg in unser Cozy Apartment begeben.

Koreanisch bot heute mehr Abwechslung als sonst, denn die sonst so strenge Dozentin wurde völlig gechillt, als plötzlich David Beckham ins Spiel kam, auf den sie tierisch zu stehen scheint. Man könnte die Stunde fast als lustig bezeichnen. Und als kleines Bonbönchen gabs heut zur Abwechslung mal keine Hausaufgaben.

Danach haben wir uns mit dem Mentorsclub zum Abendessen getroffen - Barbecue mit Schweinefleisch. Oder vielleicht eher: Fett mit Schweinefleisch Barbecue. Cons hats geschmeckt, mir nicht so, und das obwohl es nicht einmal scharf war. Servietten sind hier grundsätzlich auch eher rar, was bei so fettigem essen nicht so prickelnd ist, aber dieses mal war vorgesort. Klopapierrollen an der Wand stellen nicht nur ein stylisches Accessoire dar, sondern ebenso ein nützliches Hilfsmittel. Ein bisschen Soju, nette Unterhaltungen, ein rundum gelungener Abend. Leider hatten wir den Fotoapparat nicht dabei...

Nun ists schon spät und die Heia wartet auf uns. Bis morgen.

Dienstag, 25. März 2008

Ei der Daus

Der Tag heute ist wie zu erwarten eher arm an Höhepunkten. Nach dem Aufstehen war Business Communications angesagt. Also Englisch. Obwohl das ganze als Toplevelkurs beschrieben wird ist es eher Englisch für Anfänger und unterfordert sogar mich. Nicht, daß ich etwas gegen fehlenden Anspruch hätte (ich schlafe ja gern in der Vorlesung), aber dieses tränige Vorannkommen nervt und langweilt mich nur. Vor allem, weil statt Verbesserung unserer Englischfähigkeiten (grammatisch z.B.) versucht wird irgendwelche Inhalte zu vermitteln, die man in Deutschland im Kindergarten mitbekommt. Wie schreibe ich einen CV, was mache ich beim Vorstellungsgespräch nicht,...
Da hilft es auch nicht mehr, daß wir beide in unserer eingereichten Zusammenfassung volle Punktzahlen erreichen (100%!). Boah sind wir Streber.
Auf dem Rückweg bekommen wir als Werbegeschenk die berühmten Atemgesichtsmasken geschenkt. Und da hätten wir uns fast welche gekauft. Endlich sehen wir aus wie echte Koreaner (oder eben wie Michael Jackson). Was für eine Firma, bzw. was für ein Produkt beworben wurde können wir leider nicht genau bestimmen, was uns aber auch kein Kopfzerbrechen bereitet.

Als die Streber, die wir sind gönnen wir uns ein Mittagsschläfchen und verschlafen glatt unsere Koreanischstunde. Ja so ein Pech :-)

Dafür blödeln wir dann ein bischen mit den neu gewonnenen Masken herum, stellen fest, daß Doro trotz Maske vor der Seuche nicht verschont geblieben ist, kochen uns eine typisch Asiatische Fertigsuppe (mit gesunder Trockengemüseeinlage) und werden uns dem nächsten GBE Artkel zuwenden. Also Doro wird sich dem Artikel zuwenden und ich versuche mich mehr oder minder erfolgreich zu drücken.

Heute abend läuft Dr. House. Sehr schön!

Montag, 24. März 2008

Ruth tut gut

Der Tag begann mit GBE und der Feststellung, daß ich in der Präsentation mit 14 von 15 Punkten bewertet wurde. Woran der eine Punkt gescheitert ist geht aus der Beschreibung hervor - Phu der Bär hat es versaut. Doch auch 14 von 15 sind eine stattliche Leistung und so machen wir uns nach der gewohnt langweiligen Stunde mit stolz geschwellter Brust auf den Heimweg um mal wieder ein Nickerchen zu machen. Wir haben nämlich heute Abend eine Einladung für Ruths Geburtstag und morgen früh wieder Uni.

Koreanisch bietetmal nach dem Aufstehen wieder den Höhepunkt des Tages was schlechte Laune angeht. Diese Sprache bringt uns noch an den Rand des Wahnsinns. Mit Ende der Stunde verlassen wir (und mit uns alle anderen) fluchtartig das Gebäude.

Nachdem wir auf dem Heimweg zwei Supermärkte nach möglichen Geschenken durchforsten sind wir etwas ratlos. Torten sind wesentlich zu teuer für zwei Personen und auch sonst bieten sich nur begrenzte Möglichkeiten. Wir entscheiden uns für die selbstzusammengestellte "süße Mischung" westlicher Süßigkeiten mit Toblerone und allem was sonst noch so dazugehört. Während Doro sich in Richtung Schlafgemach begiebt suche ich noch zwei weitere Supermärkte nach Packpapier bzw. wenigstens einer simplen Schnur ab - vergeblich. Um ein Haar hätte ich eine Hundeleine gekauft um sie zu zerschneiden und als Schnur zu nutzen. Sie erschien mir allerdings etwas kurz. Komisch ist es schon, daß man im Supermarkt zwar eine Hundeleine bekommt, aber nichtmal irgendeine noch so exotische Schnur. Mir hätte ja schon Zahnseide genügt.

Also verpacken wir das ganze in einer stinknormalen Plastiktüte. Nicht schön, aber selten.

Damit machen wir uns dann gegen 22 Uhr auf den Weg ins "Woodstock". Die Wegbeschreibung ist falsch, wir finden es dennoch. Das Woodstock ist eine 60s Bar die bewußt müllig aussieht. Jeder kann irgendetwas mit einem Edding an die Wände schreiben, oder in den Tisch ritzen, auf den Stuhl schreiben,...
Selbstverständlich fehlt auch keine Platte aus den 60ern. Wirklich eine recht einfallsreiche Geschichte. Ruth scheint sich auch über unsere Süßigkeiten zu freuen. Außerdem bekommt sie noch eine Torte (Ein Glück, daß wir keine gekauft haben) mit Kerzen in Penisform und einem Lutscher, der eigentlich ein Kondom ist. Von der Aussage mal ganz abgesehen wunderte uns, wo man denn soetwas hier in Korea herbekommen kann. Noch mehr wunderte uns die Antwort: Neben der Ewha Womens (!) University gibt es einen Kondomshop. Und das hier im prüden Korea!!! Shocking.

Das werden wir demnächst mal genauer unter die Lupe nehmen.

Ein paar Bierchen und schon zwei Stunden später machen wir uns auf den Heimweg. Morgen früh ruft der Wecker wieder nach uns.

Sonntag, 23. März 2008

Historical Seoul

안녕하세요!
Der Tag begann unerwartet früh um 7 Uhr mit dem Wecker. Ich hatte mir vorgenommen etwas für die Uni zu tun, um am Nachmittag etwas Freizeit für unser Mentorentreffen zu schaffen. Eigentlich klar, daß ich den Vormittag großteils mit unwichtigerem Kram verschwendet habe.
Gegen Mittag machten wir uns dann auf den Weg zum Treffen in Richtung Jogno-gu.

Zu unserer größten Freude fing es als wir eintrafen grade an zu regnen und sollte auch den ganzen Tag nicht mehr aufhören.

Wenig später trafen wir dann auf den ersten unserer zwei Mentoren und schritten eng unter den einzigen Schirm gedrängt auf den Gyeongbokgung Palast zu. In diesem Palast hielten durch diverse Dynastien hindurch die Kaiserfamilien ihre Gesichter in die Sonne.
Um ein paar Won erleichtert betreten wir also unter regenverhangenem Himmel diese ehrwürdigen Stätten und stellen auf den ersten Blick eine riesen Ähnlichkeit zu bereits besuchten Palästen fest - die Planer und Architekten müssen Brüder sein, oder jemand hat die gleichen Pläne an zwei Personen verkauft. Vielleicht waren es natürlich beim zweiten mal auch second Hand Pläne, wer weiß. Über die Frage, welcher Palast nun second Hand ist werden wir heute nacht philosophieren.
Auf jeden Fall ist auch dieser Palast beeindruckend. Genau genommen ist er beeindruckender als alle vorher gesehenen. Er dominiert in Größe und Pracht alles andere und erfordert (abgesehen vom heutigen Matschbad) anständiges Schuhwerk und lauffeste Fußsohlen.
An jeder Pforte stehen sich Wehrdienstleistende in historischen Gewändern die Füße platt. Toller Job bei wahrscheinlich ebenso tollem Gehalt^^
Ich widerstehe dem Gedanken zu gucken, ob die Jungs sich nicht bewegen dürfen wie die armen Bärenfellbriten und stapfe hinter den anderen her. Inzwischen ist auch Mentor Nr. 2 eingetroffen. Die beiden führen uns mit diversen fundierten Kenntnissen durch die historischen Hallen. So erfahren wir daß die Papierwände der Königsgemächer diverse kleine Löcher haben, weil die Angestellten des Hauses besonders während der Hochzeitsnacht auch ein Stück vom Königinnenkuchen abhaben wollten und sich durch das Bohren kleiner Löcher visuellen Zugang erschlichen haben. Die Schelme.
Trotz des Regens ist die Kulisse des Palastes traumhaft. Die Berge umringen den Palast auf der Rückseite und an der Vorderseite klopfen die Hochhäuser an die Pforte. Direkt romantisch.

Auf dem Palastgelände findet sich noch das National Folk Museum of Korea. Da der Museumsbesuch im Paketpreis inbegriffen ist lassen wir uns den kurzen Besuch nicht nehmen. Einige Impressionen später hüpfen wir wieder fröhlich in die nasse Freiheit. Langsam mache ich mir Sorgen, ob mir vom sauren Regen der auf mein Haupt fällt bald die Haare ausfallen. Ich beruhige mich mit der Tatsache, daß ich wahrscheinlich auch mit Glatze einfach umwerfend aussähe.
Nachdem mir meine Selbstlügen über den ersten Schock bezüglich meines potentiellen Haarausfallproblems hinweg geholfen haben realisiere ich, daß die Romantik des Örtchens irgendwann ein Ende hat und haste hinter dem Rest der Truppe her. Doros Hose hat auf Grund der Nässe inzwischen bis zum Knie hinauf eine dunklere Färbung angenommen, was einen Gesichtsausdruck hervorruft, der etwa dem Säuregrad des Regens entspricht.

Um das herzerweichende Lächen zurück zu zaubern machen wir uns auf den Weg Richtung "famous Teashop". Ob famous oder nicht finden wir zwar nicht heraus, aber wir landen in einem Teashop. Wie in den meisten Teashops waren den Besitzern auch hier die Stühle zu teuer, knien ist angesagt. Wir bestellen uns also jeder ein Teechen passend zum kalten Wetter. Ich nehme mir einen der bekanntesten Tees vor, der fünf Geschmacksrichtungen besitzen soll. Tut er sicher auch - leider ist meine Zunge nicht trainiert genug auch alle zu erkennen. Sie erkennt aber, daß es ziemlich gut schmeckt. Doro hat sich mit einem Pflaumentee angefreundet. Eunkyul (meine Mentorin) nippt an Kamillentee und Siho (dessen Name ich irgendwie nicht schreiben kann) kämpft gegen einen extrem starken Ingwertee (der zugegebenermaßen alle bisher getesteten Ingwertees in den Schatten stellt). Dieser Teeladen entwickelt sich zu einer Art zwischenzeitlichem zu Hause und verschluckt die Stunden. Meine Hose ist inzwischen wieder getrocknet, Doro hat ihre nasse Hose einfach im Tee ertränkt.

Doch leider kann auch der Tee den Hunger nicht stoppen und so beschließen wir den Tag mit einem koreanischen Essen abzurunden. Einen Block weiter finden wir ein Restaurant, daß uns Nudeln in Suppe anpreist. Die Suppen stellen sich fast alle als mit Seextrakten behandelt heraus. Nach anfänglichen Schwierigkeiten und der Feststellung, daß eine Portion drei von uns durch den Winter füttern könnte wagt sich Doro von Sihos Seegrassuppe zu kosten. Seegras schmeckt nach Spinat in glitschiger Konsistenz. Genau genommen ist dieser Tang genau das Zeug was am Meer Steine bewächst und auf dem man so hervorragend ausrutschen kann.
Meine Lieblingsmentorin und ich schlürfen Nudelsuppe mit Muscheln. Die ist gradezu traditionell und durchaus erträglich. Und scharf ist davon nichts (außer dem obligatorischen und hier sehr schmackhaften Kimchi), was meine Mentorin dazu verleitet sich das ganze etwas nachzuschärfen. Da schreit mein Mund aus lauter Verzweiflung still "aua".
Doch irgendwann ist auch der dickste Bauch prall gefüllt, über die Hälfte des Essens geht zurück an die ursprünglichen Besitzer. Wir überlegen auf Grund dessen uns selber einen Rabatt von 50% zugestehen, verwerfen den Gedanken aber wieder - man muß ja dem armen Besitzer auch etwas gönnen.

Von dort aus geht es auf dem schnellsten Weg wieder nach Hause, wo noch ein wenig Arbeit ruft. Dank Doros unermüdlicher Hilfe stehen unsere Summarys nun endlich und auch unsere Wäsche ist auf einem guten Weg in Richtung "sauber". Morgen früh erwartet uns wieder unser guter Professor Pak. Bei dem Gedanken will ich mir zwar lieber etwas hinter die Binde kippen, werde mich aber, vernünftig wie ich bin in das kuschlige Bettchen begeben. Respekt sind wir vernünftig.

Samstag, 22. März 2008

Ewerizing oriszinal

Das Wochenende ist da. Und mit ihm die gute Laune. Selbige kann uns nichtmal die bescheuerte Muddi beim Frühstück verderben. Die Laune ist sogar so gut, daß Doro vormittags aufräumt.
Ich konzentriere mich währenddessen auf meine Kernkompetenzen und installiere die koreanischen Schriftzeichen auf unseren Laptops um alle Leser in Zukunft mit Schriftzeichen in 한글 quälen zu können.

Pünktlich zur Mittagszeit machen wir uns dann auf den Weg nach Itaewon. Dieses Viertel ist dafür bekannt ein Touristenviertel zu sein und vor allem amerikanischen Touris das Geld aus der Tasche zu ziehen. Also nichts wie hin, schließlich will auch unser Geld ausgegeben werden. So einfach machen wir es dem schnöden Mamon aber nicht zu fliehen.

Kaum aus der U-Bahn gestiegen strömen fünf westliche Gesichter an uns vorbei. Massen gradezu! Und es sollten nicht die letzten sein. Itaewon ist klar in westlicher Hand.
Dort gibt es vor allem zwei interessante Dinge. Läden für Fälschungen und Maßschneidereien. Die sind zwar wesentlich teurer, als z.B. in Vietnam aber wesentlich günstiger als in Europa. Und dazwischen wie immer das goldene M. Leider sind nämlich die Restaurants in dem Viertel recht westlich und haben daher überteuerte Preise angenommen. Durch das Mittagsspecial werden wir mit 3.000 SKW p.P. beide satt. Wobei sich der Gedanke aufdrängt, daß die Kameraden der globalisierten Frittenbude bei der Cola sparen indem sie Massen an Eis hineinkippen. Wir werden das im Auge behalten. Zum Nachtisch wandern wir dann ein paar Ecken weiter in eine Art Eiskaffee. Das ist allerdings etwas besonderes. Hier wird aus einem Milcheis (bisher noch langweilig eintönig) und diverse Zutaten (Brownies, Chocolate chips, Schokosoße,...) live ein Eis gemischt und in einer frisch gebackenen Waffel verpackt. Nicht ganz günstig, aber dafür einfach lecker. Zur Abwechslung und Unterhaltung fangen die Bedienungen zwischendurch auch einfach mal an im Chor zu singen. Komischer Laden, der aber sicherlich immer mal wieder einen Besuch wert ist.Danach stürmen wir in eins der Kaufhäuser vor Ort. Lauter billige Fälschungen und schlechte Imitationen verkürzen unseren Aufenthalt in der muffigen Halle auf wenige Minuten. Auf der Straße geht es dann gleich weiter. Neben "oriszinall guzzi" gibt es eigentlich jede westeuropäische Edelmarke zu kaufen. Und natürlich hunderttausende "customized suits, only for gentleman".

Um dem Trubel etwas zu entkommen zweigen wir von der Straße ab und laufen ohne erkennbares Ziel einen Berg hinauf. Klingt bescheuert - fand ich auch bescheuert. Doch oh Wunder, der weibliche Instinkt führt uns durch das Villen- und Botschaftsviertel gradezu zum Leeum Samsung Museum of Art. Wir wollten uns zwar kein Museum antun, aber schon die Außenanlage war den Besuch wert. Nach einem kurzen Nickerchen auf einem zur Bank umfunktionierten Kunstwerk machten wir uns wieder auf den Rückweg Richtung fancy appartment in der cozy serviced residence. Auf dem Weg werden wir in der U-Bahn noch von ein paar Elitechristen überrannt, die uns auf Grund des morgigen Osterfests noch mit gekochten Eiern überraschen. Wir gehen gleich zweimal vorbei uns stauben doppelt ab. Machen wir selbstverständlich nur, weil die Jungs sich so wahnsinnig freuen uns etwas schenken zu dürfen. Zu Hause erwartet uns jetzt zu meiner hellen Begeisterung wieder der Unistoff. Der Stundenplan zwingt uns zu einer erneuten Zusammenfassung für Montag. Ich würde gerne mehr schreiben um mich vor der Arbeit zu drücken, aber mehr fällt mir zum größten, persönlichen Bedauern nicht ein. Zum Heulen.

Freitag, 21. März 2008

Frei frei frei Freitag

Endlich wieder Freitag - nicht nur bedeutet das ausschlafen, weil wir keine Vormittagsvorlesungen haben, sondern auch letzter Tag vor dem immer heiß ersehnten Wochenende. Hurra.
Der Tag begann also wie jeder Freitag laut schnarchend - sind ja schließlich gestern auch spät genug im Bett gewesen. Wir entschieden uns also dazu den Tag ruhig zu verbringen und gerade so zeitig zur Uni zu gehen, dass wir allen Verpflichtungen nachkommen können. Und das haben wir auch einwandfrei hinbekommen. Nach Abgabe einer Kopie von Cons Alien Registration Card bei einem der vielen International Offices der Yonsei für den neuen Vertrag mit Casaville holten wir noch schnell unsere koreanisch Bücher, die wir gestern Abend in der Global Lounge deponiert hatten und machten uns auf den Weg zum nächsten International Office am anderen Ende des Campus um dort wie per Email angekündigt unsere Student-ID-cards abzuholen. Nachdem wir völlig außer Atem den Berg hochgestapft waren und voller Erwartung unsere Karten in Empfang nehmen wollten stellte sich das eigentlich zu erwartende heraus, unsere Student IDs waren als einzige natürlich noch nicht fertig. Wer hätte das gedacht.
Dort haben wir dann auch angesprochen, dass wir in der Bibliothek nicht registriert sind und mit unserer Nummer weder offiziell hineinkommen, noch dort uns in die Computer einloggen oder drucken könne. Nach Angaben von unserem guten Freund Mr. Kim (das ist übrigens der häufigste Nachname in Südkorea und bedeutet Alge) sollte sich das Anfang nächster Woche klären.

Im Anschluss sputete ich mich ins Korean Language Institute (KLI) zu kommen und noch schnell die Hausaufgaben für Cons und mich vor der Stunde zu machen und Cons ging ins International House um die reduzierte Miete der nächsten Monate zu zahlen. Dort stellte sich heraus, dass mit seinen Kreditkarten das monatliche Limit bereits überschritten ist, sodass Bezahlen unmöglich war. Ärgerlich, Shoppen am Wochenende fällt aus.

Die koreanisch Vorlesung zog sich wir immer, aber wir machen unbestreitbar Fortschritte. Eine Selbstvorstellung in vier bis fünf Sätzen ist schon fast überhaupt kein Problem mehr. Allerdings ist das Wörtchen "fast" in der Beschreibung das dominierende. Nur weniger wichtige Worte prägen sich bei uns ein wie Icecream - A-i-sö-kö-ri-me oder Fernseher - Telepißione. Die Koreaner haben nämlich sowieso Probleme mit dem F. Philliphs wird Pillips genannt, aus einem Fest wird die Pest und ich frage mich was aus foppen wird...

Apropo Te-le-pi-ßi-o-ne, Arni Schwarzenegger ist hier stark im Trend - jeden Abend kämpft sich der österreichische Mukki-governor mutig und heldenhaft durch die Plimmerkiste.

Auf dem Rückweg mit Jasper trafen wir lustige, in einfarbigen etwas tuntigen Ganzkörperanzügen verkleidete Koreaner. Es gab blau, gelb, grün und pink. Je nach Farbe trugen sie ein + - x oder / mit sich herum. Sie waren überall auf unserem Weg zu finden - immer in 4er-Mathe-Grüppchen. Der Sinn blieb uns nicht lange verborgen, denn wir hatten die lustigen Leute schon einmal gesehen und nach ihrer Mission gefragt: Werbung für Handys. Wohl nicht für uns gemacht, aber auffällig auf jeden Fall. Diese polychromen Gesellen stellten dann im Vorbeigehen auch gleich mal fest wie hübsch (sprich "bjuuuutiful") ich sei. Wie wahr, wie wahr!
Nun sind wir wieder zu Hause und freuen uns auf die kommenden zwei Tage, die wieder ereignisreicher werden.

Wir haben zudem noch herausgefunden, was es bedeutet, wenn man von der bettelnden Schläger-Lady getroffen wird. Allerdings ganz klar ist das nicht, denn es existieren verschiedenen, auch komplett gegensätzliche Gerüchte. Nummer 1 sagt schlechte Noten vorher. Nummer 2 verspricht gute Noten. Nummer 3 sorgt für ein mindestens 2-jähriges Liebestief Single Dasein. Nummer 4 ist eine Art Kombipaket: Entweder Glück in der Liebe und schlechte Noten oder andersherum. Wir fragen uns, ob ob es eine Erfahrung wert ist und wir eine wissenschaftliche Studie dazu aufstellen solltene. Noch sind wir uns nicht einig. Verhandlungen laufen.

Donnerstag, 20. März 2008

Auf Regen folgt Sonne

Hallöle,
auf Regen folgt Sonne...oder so ähnlich. Es hat zwar hier länger nicht geregnet, aber die Sonne schien heute dennoch in mehrfacher Hinsicht.

Nach dem Unterricht haben wir uns heute mit Jasper und Charlotte auf den Weg zu unserem scheinbar bösen Notizenschreiber gemacht. Also ins Büro gestürmt und erstmal den Versuch gestartet ihn tot zu lächeln.

Hat auch fast geklappt - er lächelte auch. Dann begann das Gespräch und mit ihm begann sich herauszustellen, daß es hier garnicht darum ging unsere bestehenden Möglichkeiten anzugreifen, sondern vielmehr uns einen besseren Preis anzubieten. Dazu müssten wir nur angeben, bis wann genau wir bleiben. Dafür wurden dann nochmal fast 200.000 SKW pro Monat abgezogen. Garnicht so schlecht. Nun steht also fest, daß wir bis zum Ende im CasaVille bleiben werden. Irgendwie erleichternd.
Wieso der Kerl sich allerdings um ausländische Studenten bzw. deren Housing kümmert bleibt bei seinem Englisch ein Rätsel. Und warum uns mit Penalty gedroht wird bleibt auch ein Rätsel - ihm übrigens auch, war nämlich durch das CasaVille formuliert worden.

Danach erstmal seit langem wieder ein Mittagsschläfchen. Echt erholsam.

Um 4 wie gewohnt wieder zu koreanisch, heute wieder mit "Schnütchen" wie wir die niedlichere der beiden Koreanischlehrerinnen auf Grund ihres U-Schnütchens getauft haben.

Unmittalbar nach dem befreienden Ende der Koreanisch-Stunde hatten wir uns heute zu einer Art Filmabend in der Global Lounge verabredet. Es sollte ein Film namens "7 days" laufen. Lief auch tatsächlich. Hat ein paar Kitschszenen, ist aber ansonsten ganz sehenswert.

Danach ging es dann zur Afterparty. Typisch koreanisch eben mit Essen davor, viel Soju und vollkommen kranken, koreanischen Trinkspielen. Sinn der Geschichte ist es so viel und so laut wie möglich rumzuschreien. In Europa kaum denkbar, hier normal.
Außerdem stellen wir fest, daß Koreaner kein Problem damit haben sich beim Toilettieren zu bücken. Zumindest kann ich mir sonst nicht erklären wieso die Decke über dem Pissoir vielleicht 1,50 m hoch war. Leider konnte mir auch kein Koreaner erklären wie ich dabei zielgenau und spritzerfrei das Pissoir treffen soll, während ich quasi im 45° stehend das Gleichgewicht zu halten versuche.
Besonderer Leckerbissen war der Name der Bar: Heidelberg. Deutsch spricht allerdings auch hier niemand. Genauso spritzig ist der Name des Nachbars - "Gartenbier". Ich habe den Eindruck da ist irgendetwas schief gegangen. Deutsches Bier war auch nicht zu sehen. Traurigtraurig.
Aber man gewöhnt sich auch daran, daß man in einen Irish Pub gehen muß um deutsches Bier zu bekommen und im deutschen Restaurant koreanisches Essen bekommt.

Außerdem haben wir für Sonntag unsere Mentoren für Sightseeingtouren gebucht. Sie bringen das Programm mit und wir uns. Klingt doch fair. Wird endlich mal wieder ein paar schöne Fotos geben.
Ach ja, Doro hat heute festgestellt, daß es in ihrem Kopf kitscht :-)

Mittwoch, 19. März 2008

Ein langweiliger Tag

Der Kreis der Uni zieht sich immer enger um uns - heute hatte ich meine erste Präsentation. Dazu dann noch die Arbeit für Business Communication. Voll der Streß. Und damit nicht genug.
Wir finden einen Zettel mit einer Notiz an unserer Appartmenttür in der wir aufgefordert werden uns bei einem Mitarbeiter der Yonsei zu melden wegen des Housings mit der Drohung wir würden "gepunished" sollten wir uns nicht innerhalb einer Woche melden. Diese Nachricht haben alle Yonsei-studenten bekommen die hier im Casa Ville wohnen. Brav wie wir sind sind wir erstmal telefonisch dem Anruf nachgegangen um zu hören, daß ein Vertrag zwischen der Yonsei und unserer Residenz existieren soll, der uns nun zwingen soll fünf Monate zu bleiben und auch noch im Vorraus zu zahlen.
Das sehen die Mitbewohner und wir natürlich etwas anders und so werden wir uns morgen früh mit dem entsprechend Verantwortlichen treffen und das ganze durchdiskutieren. So weit kommts noch.
Ansonsten war der Tag reichlich langweilig - wie jeder normale Unitag (Das ist in Korea nicht anders, als in Deutschland). Einzige Abwechslung ist jetzt die Glotze. Heute läuft Harry Potter ^^

Dienstag, 18. März 2008

Phu der Saubär

Der gestrige Tag war wiedermal durch die Uni geprägt. Sehr ärgerlich wie man seine Zeit mit sinnlosem Müll verplempern kann. Das ganze ist intellektuell unterste Ebene aber dafür eben massenhaft Fleißarbeit. Wie die Asiaten eben sind - nehmen nur ungerne Verantwortung auf sich, arbeiten am Fließband aber wie niemand anders.
Heute morgen ist eine Präsentation angesagt. Die habe ich dann gestern im Alleingang vorbereitet, weil mein französisch-koreanischer Partner, nennen wir ihn "Phu der Bär", sein Leben nicht im Griff hat. Dazu wurden mir dann noch die Ohren vollgeheult wir schwer es sei, alle Termine zurecht zu bekommen.
Die Präsi steht jetzt wenigstens.
Das hat leider alles nicht wirklich etwas mit Korea zu tun und daher gibt es noch ein paar weitere Facts über den schönen Landstrich:
Das Koreanerinnen alle eine top Figur haben und Miniröcke mit High Heels tragen klingt immer wie eine Phantasie - ist es nicht! In der Tat rennen koreanische Mädels bevorzugt in möglichst kurzen Röcken (oder Hot Pants), High Heels und Strumpfhosen rum - auch im Winter. Dann beschweren sie sich zwar darüber, daß es kalt sei, ändern aber nichts an ihrem Erscheinungsbild.
Apropos Strumpfhosen. In Deutschland kennen wir ja hauptsächlich einfarbige Nylonstrumpfhosen. Soetwas scheint hier Mangelware zu sein. Strumpfhosen sind ein eigener Industriezweig. Hier gibt es Strümpfe und Strumpfhosen mit jedem Muster und jeder Farbe. Die werden dann auch gleich zum Schulmädchenlook getragen. Manchmal etwas merkwürdig, wenn die fast 30-jährigen in weißen Strumpfhosen mit rosa Herzchen rumlaufen.
Ähnlich merkwürdig ist, daß offensichtlich jede Frau hier das Geld hat sich eine Louis Vuitton oder Gucci Tasche zuzulegen. Die hat hier nämlich schlicht jede Frau. Selbst wenn man davon ausgeht, daß 75% Fälschungen aus China sind ist das eine beeindruckende Zahl. Irgendwo scheinen hier kleine Geldscheißer-Eselchen im Keller zu stehen. Diese Scheißerchen werden wir weiterhin suchen.
Mehr fällt uns bedauerlicherweise auch nicht ein. Wir werden heute wohl mal überlegen, was wir am Wochenende machen werden.

Montag, 17. März 2008

Workaseoulik

Nach wirklich gründlicher Überlegung stellen wir fest, dass das Highlight des Tages aus koreanischer Sicht höchsterotischen Charakter hat: ein oberster offener Knopf. Tja, back in good old Germany hätten wir darüber auch amüsiert den Kopf geschüttelt, aber es ist wahr. Soetwas sieht man besonders bei der weiblichen Bevölkerung außerordentlich selten, denn selbst dem allerletzten Knopf wird noch sein Platz im Knopfloch zugewiesen. Damit wird selbstverständlich der ursprüngliche Sinn aller Knöpfe erfüllt. Dass wir das auch noch bei der sonst so strengen koreanisch Lehrerin entdecken lässt in uns die Hoffnung aufkeimen, dass die prüde Gesellschaft vielleicht doch nicht ganz so prüde ist.
Diese Annahme wird durch ein tiefgründiges Gespräch zwischen Cons und seiner Mentorin bestätigt, denn wir finden heraus, dass auch Koreaner in ihrer High School Zeit zumindest einmal das Fach Sexualkunde haben.
Man stelle sich eine Schulklasse mit so hochroten Köpfen vor, dass man das Gebäude von außen mit dem Rotlichtmilieu assoziieren würde, kichernd mit der Hand vor dem Mund, total aufgeregt und beschämt, aber eigentlich hochinteressiert. Und keiner der Schülern traut sich am Abend zuhause Mama und Papa davon zu erzählen.
Ansonsten haben wir den ganzen Tag fleißig arbeitend in der Bibliothek verbracht. Momentan warten recht viele Assignments darauf abgearbeitet zu werden. Unangenehmer Nebeneffekt an der Uni. Nach einem Abendessen in der Kantine der Uniklinik auf dem Campus (Yonsei University Severance Hospital) mit ein paar Kommilitonen und einem wohlschmeckenden und erfrischenden Joghurteis mit Früchten bei Red Mango werden wir uns jetzt wieder der Arbeit widmen. Cons stellt fest: Arbeit ist scheiße!

Sonntag, 16. März 2008

Supersized Seoul

Für heute hatten wir uns vorgenommen nun endlich den Garak Markt und den Techno Markt zu besuchen und wollten uns von nichts abhalten lassen. Beide Orte bestechen durch ihre überirdischen Dimensionen und einer Auswahl die kein Mensch braucht. Ursprünglich hatten Jasper und Charlotte angemeldet mit uns kommen zu wollen, dies aber gestern abend noch abgesagt. Zu müde und zu viel für die Uni zu tun.

Jasper schaffte es aber dennoch wenigstens mit uns zusammen zu frühstücken. Danach machten sich Doro und ich dann also im Duett auf den Weg zum überdimensionierten Technomarkt am anderen Ende der Stadt. Dort hatten wir ja schon das Handy gekauft. Heute wollten wir uns einmal alle 7 Stockwerke zu Gemüte führen und vor allem in der PC-Abteilung nach einer Maus und einem PC Spiel für mich suchen. Gleichzeitig wollten wir uns einmal über die lokalen Preise für Laptops informieren. Die liegen je nach Hersteller auch deutlich (~20%) unter den deutschen Preisen. Auch jede Art von Zubehör ist in dem Techno Markt zu bekommen. Das ist dann schon recht verlockend an vielen Stellen, wenn man sich für Technik und Computer interessiert.
Daran liegt es wohl auch daß aus einem PC Spiel ein Paket mit dreien wurde. Wobei es weniger PC Spiele gab als welche für Konsolen und unzählige DVDs. Die kauft man aber wohl besser und günstiger auf der Straße bei den Händlern.
Nach fast zwei Stunden Technikbegaffung und quadratischen Augen machten wir uns dann erneut auf die Socken in Richtung Garak Markt. Doro hat mich zwei Stunden im Technikrausch ausgehalten ohne sich zu beschweren - Respekt.

Was uns zu der Zeit schon an mehreren Stellen aufgefallen war waren die für koreanische Verhältnisse wenigen Menschen auf der Straße und in den Geschäften. Es ist zwar Sonntag, aber das kümmert hier normalerweise niemanden.
Vom Technomarkt zum Garak Markt sind es nur ein paar Minuten mit der U-Bahn. Auch hier war heute eher ein tröpfelnder Tag. Kaum Verkäufer und noch weniger Käufer. Das hat natürlich sowohl Vor- als auch Nachteile. Wenigstens nervt einen niemand und man muß sich nicht so durch die Gassen drängen. Und trotz relativ wenigen Verkäufern waren es immer noch einige.
Der Garak Markt ist nämlich der größte Markt für Obst und Gemüse. Außerdem gibt es mal wieder alles mögliche Getier aus den Meeren dieser Erde zu kaufen. Und zwar alles in großen Stückzahlen. Das ist nämlich eigentlich mehr ein Großmarkt also für Großhändler, als für uns poplige Kleinabnehmer.
Davon haben wir uns nicht stören lassen und haben einen Sack Kiwis, drei Nashi Birnen (wobei uns zum Zeitpunkt des Kaufs das noch nicht so klar war) und einen Sack Zwiebeln gekauft. Das Rätsel um die runde Frucht haben wir erst später dank Google und Doros frutarischem Fachwissen lösen können. Da der Markt doch "etwas größer" ist dauert es auch seine Zeit ihn einmal abzugrasen und so waren wir dann zwei weitere Stunden später wieder schwer beladen auf dem Weg zur U-Bahn. Irgendwie füllten sich die Stände und Straßen grade als wir gingen. Sonntag 14 Uhr scheint irgendwie eine spezielle Zeit zum Aufstehen zu sein.

Die Fahrt vom Garak Markt bis Sinchon dauert mit der U-Bahn etwa eine Stunde. Schon etwas länger...
Zu Hause angekommen haben wir uns dann wieder auf unsere kulinarische Kernkompetenz besonnen und Nudeln gekocht. Als Nachtisch dann Nashi Birne. Das ist nichts anderes, als eine japanische Kreuzung aus Apfel und Birne. Etwas geschmacksarm aber dafür saftig. Könnte man sich dran gewöhnen.

Jetzt ist erstmal Uni angesagt. Ich würde es gerne etwas vor mir her schieben, aber die Arbeit beginnt sich zu stapeln.

Samstag, 15. März 2008

Buddies Afternoon

Wir hatten uns ja eigentlich vorgenommen heute den Garak Markt zu besuchen. Das wurde leider durch meinen Kater etwas ausgebremst. Eigentlich komisch, da ich nicht so viel getrunken habe. Das billige Bier ist also schuld. Drecksplörre.

Das war allerdings nicht weiter tragisch, da wir feststellen durften, daß für heute die Buddies Night angesetzt war. Unsere Pläne für den heutigen Tag haben wir somit kurzfristig auf morgen verschoben. Da sollten wir erstmals unsere Mentoren kennen lernen. Koreanische Studenten die uns auf dem Campus und abseits davon zur Seite stehen sollen. Das ganze sollte 10.000 SKW pro Person kosten und dafür sollte BBQ zum Mittagessen inklusive sein.


Gegen Mittag war dann der letzte Abend vergessen und wir machten uns auf den Weg zur Global Lounge wo das Happening steigen sollte.
Dort gab es dann erstmal eine gute Nachricht, das ganze würde pro Person nur 5.000 SKW kosten.

Unsere Buddies kamen recht flott zu uns und stellten sich auch als recht nett heraus. Doro hatte sich ein männliches Wesen ausgesucht, ich ein weibliches. Diese Zwei werden wir in den kommenden Wochen mitzerren und uns alle Insiderplätze zeigen lassen.

Während des Treffens haben wir uns dann in der Kunst des Smalltalks geübt und uns mit HotDogs vollgestopft. So loben wir uns das.

Das offizielle Programm der "Buddies Night" endete dann auch schon um 17 Uhr. Also eher ein Buddies Evening. Den wollten wir auch nicht zu schnell beenden und machten uns zusammen mit unseren frisch gewonnenen Kumpels auf den Weg in eine koreanische Spielhölle. Allerdings muß man sich das etwas anders vorstellen als in Europa. Hier im fernöstlichen Korea besitzen die Familien nämlich keine Brettspiele sondern gehen statt dessen in diese Spielzentren. Das darf man sich als Raum mit vielen Tischen vorstellen und einem Tresen. Dahinter stehen mehrere hundert Brettspiele, die man sich ausleihen kann. Das ganze bezahlt man stundenweise. Dazu gibt es dann die sogenannten Loser-caps gratis und Gummihämmer mit denen die Verlierer des Spiels bearbeitet werden. Spaßige Spiele, die bei Doro gleich mal zu blutigen Fingern führen. Das ist halt der Preis, den man fürs Siegen zahlen muß. Ich verliere statt dessen stets. Ich sehe allerdings mit dem Losercap auch viel besser aus.

Die Koreaner lassen sich als "Bestrafung" für verlorene Spiele da ganz ausgefallene Sachen einfallen. Zum Beispiel mußte einer ein Bild zusammen mit Doro machen. Gewagt, gewagt. Da muß man sich ja schon echt hammer überwinden um jemanden zu fragen, ob man ein Bild mit ihm machen darf. Übrigens braucht der Durchschnittskoreaner etwa 20 Minuten Überwindungszeit und verschwitzt während der Frage sicherlich 2 Liter kostbaren Asiatenschweiß.

Irgendwann wird mir das allerdings auch zu doof immer mit dem Hammer geschlagen zu werden und peinlich errötende Koreaner auszulachen und wir machen uns auf den Weg zum Abendessen. Heute soll es chinesisch werden. Dazu wird uns eine bei den Yonsei-studenten angeblich recht bekannte Lokalität empfohlen zu der wir uns auch begeben. Dort bekommen wir zu acht ein Separé zugewiesen. Meine deutsche Gedankenwelt erwartet in diesem Moment schon die Tabledancerin - leider vergeblich. Statt dessen kommt das Essen und mir wird sehr zu meinem Bedauern mitgeteilt, daß ich bisher immer die Stäbchen falsch gehalten habe. Eine Welt bricht zusammen und in der kommenden halben Stunde verteile ich mit der neuen Stäbchenhaltung die Nudelsoße der chinesischen Nudeln gleichmäßig auf meinem T-Shirt. Ich sehe aus wie ein Schwein. Doro steigt recht bald auf die Gabel um. Hätte ich auch rechtzeitig tun sollen.

Wir verbringen sicherlich zwei Stunden mit dem Verzehr der chinesischen Köstlichkeiten und dem fröhlichen Austausch kultureller Unterschiede und machen uns dann auf den Weg nach Hause. Morgen wollen wir es schließlich endlich schaffen den Garak Markt zu besuchen und uns etwas IT Zubehör im Techno Markt zusammen mit Jasper und Charlotte besorgen.


Bei der Verabschiedung in der U-Bahn passiert mir dann der unvermeindliche Faux Pas. Aus Gewohnheit verabschiede ich mich mit einer Art Umarmung. Das Mädel guckt als wäre sie grade angefahren worden. Hätte ich ihr nach Art der Bussi-Bussi-Gesellschaft noch ein solches auf die Wange gedrückt wäre sie wahrscheinlich ins Koma gefallen. Ich habe mir also gemerkt: Körperkontakt jeglicher Art ist GANZ DOLL BÖSE! Hoffentlich habe ich meine Mentorin damit nicht ganz verschreckt.

Jetzt hüpfen wir, eigentlich wieder viel zu spät, in die Haia um morgen wieder auszusehen wie der Frühling.

Freitag, 14. März 2008

Kultur in Palast und Büro

Juchhu, Freitag. Kein Vormittagsunterricht und abends "nur" Koreanisch. Wir hatten uns etwas Sightseeing vorgenommen und so sollte es auch sein. Also um 8.30 Uhr schon zum kontinentalen Frühstück im Casa Ville (mit "Best Quility" Kaffee und Mikrowellenbrötchen) und dann auf zum Deoksugung Palast. An selbigem war ich schon bei meinem Besuch im Rathaus vorbei gelaufen und wollte ihn nun zusammen mit Doro mal von innen betrachten.

Pünktlich um 11 standen wir also an der Pforte des Palastes, zahlten brav unsere 1.000 SKW und heinein ging es. Just in diesem Moment bewegt sich etwas und eine Schar lustig "alt-koreanisch" gekleideter Soldaten marschiert heran und zieht eine Show vor dem Tempel ab. Was ist denn das bitte? Um drinnen zu sein muß man zahlen und dann ziehen die für die draußen gebliebenen extra ne kostenlose Nummer ab. Das ist doch nur ein Trick um die Besucher wieder raus zu locken und danach nochmal Eintritt zahlen zu lassen. Nicht mit uns, von hinten ist die Show auch nicht so schlecht.

Irgendwann marschieren die Jungs dann weiter und wir machen uns an die Besichtigung des Palastes. Wie überall bei den Palästen sind auch hier eigentlich nur Außenanlagen zu sehen. Das liegt daran, daß Inneneinrichtung in dem alten Koreanischen Kaiserreich eher unterrepräsentiert war und auch Innenarchitektur maximal in den Kinderschuhen steckte. Dafür gab es auch hier eine Fußbodenheizung. Glücklicherweise gab es hier keine freiwilligen Führer und daher blieb und eine weitere Belehrung zur Fußbodenheizung erspart. Während so aus mehr schlecht als recht versteckten Lautsprechern im Palast entspannende Musik plätschert betrachten wir also die alten und auch neueren Gebäude des Palastes. Im neueren Teil ist auch noch ein Kunstmuseum untergebracht. Das heben wir uns für schlechte Zeiten auf und stochen auf ein kleines Hüttchen am anderen Ende der Mauern zu. Es ist ein Kiosk, der neben Eis auch ein in Korea sehr rares Gut verkauft. Ansichtskarten! Die gibt es nämlich ansonsten nirgends. Da erwartet man jetzt horrende Preise und wird überrascht, daß es 4.000 SKW für ca. 20 Postkarten kostet.
Nach einem kleinen Eis und den glücklich machenden Postkarten lustwandeln wir weiter durch die stilvoll angelegten Grünanlagen und bestaunen dieses ruhige, grüne Fleckchen Erde in Mitten der Wolkenkratzer.
Als wir den Palast dann einmal vollständig durchforstet haben überkommt uns das Gefühl einen Stadtbummel zu machen.

So wandern wir also ein paar Blocks weiter bis unser Blick auf eine Datumsanzeige fällt. Hmm, was war denn nochmal am 14.03.? Da war der koreanische Valentinstag, an dem alle koreanischen Mädels mit irgendwelchen unterirdisch kitschigen Blumensträußen und ähnlichem Schrott beschenkt werden. Das hatte ich Doro (sehr zu ihrer Zufriedenheit) erspart. Das war es aber nicht, was wir suchten - heute war der Tag, an dem wir unsere Alien Registration Card abholen sollten.

Und nur noch 3,5 Stunden bis wir wieder in der Uni sein sollten. Der Stadtbummel war vergessen. Nach Hause, Unterlagen einpacken, los aufs Amt. Dort also eine Nummer gezogen und auch sofort dran gekommen. Wir hielten unsere Pässe und unsere AlienCard in den Händen. Hochgefühl. Dazu bekamen wir einen Zettel mit einigen Hinweisen. Die ignorierten wir Anfangs geflissen und stellten schon fast im Hinausgehen fest, daß uns dieser Hinweis eventuell doch betreffen könnte. Da stand geschrieben, daß man als Visumsbesitzer im Falle einer Ausreise sich abmelden müsse und eine Art neue Einreiseerlaubnis beantragen müsste. Das klingt etwas komisch, also kurzerhand nachgefragt. Der freundliche Herr am Tresen klärt uns daraufhin auf, daß ich mir keine Sorgen machen müsste, da ich ein-und ausreisen könne wie ich wollte. Doro hingegen mit ihrem in Korea beantragten Visum müsse erst ein Permit of Reentry beantragen. Das würde 50.000 SKW kosten und dafür müssten wir eine Nummer ziehen. Zu früh gefreut. Also wieder zum Kellerkiosk und Geld in Briefmarken wechseln, dann Nummer ziehen und entsetzt feststellen, daß noch 46 Nummern vor uns an der Reihe sind und nur 2 von 4 Schaltern besetzt sind. Wir reagieren wie gewohnt professionell und machen es uns mit dem iPod bequem (Das Teil ist sowas von Gold wert). Um 15 Uhr mache ich mich dann auf den Weg zur Uni, um wenigstens halbwegs pünktlich anzukommen. Doro verharrt währenddessen weiterhin im Immigration Office. Ich schaffe es nicht pünktlich zu koreanisch und falle erschöpft in den Stuhl.

Wenig später kommt Doro an. Sie war kurz nachdem ich sie verlassen hatte an die Reihe gekommen um dann festzustellen, daß für Deutsche eine derartige Erlaubnis nicht von Nöten sei. Zwei Stunden zwecklos vertrödelt und eine Erfahrung reicher. Um nicht auch noch 50.000 SKW ärmer zu sein wedelt sie der nicht englisch sprechenden Kioskbesitzerin so lange mit den Briefmarken vor der Nase rum bis diese aufgibt und die Marken wieder zurück nimmt.

Koreanisch wird uns immer unsympatischer. Die paar Vokabeln die wir kennen sollten können wir uns nur sehr schwer merken und Erklärungen in einer verständlichen Sprache sind auch Mangelware. So n Dreck. Eine Wegbeschreibung verstehen wir immer noch nicht. Dafür soll ich inzwischen "Ich bin Journalist" sagen können. Das sind Sätze, die die Welt braucht.

Dazu gibt es dann auch noch wie in der Grundschule Hausaufgaben auf. Zum Würgen.

Nach Koreanisch laufen wir bereit wieder nach Hause. Auf dem Weg liegend kommen wir an einer der Warteschlange nach zu urteilen sehr begehrten Futterstelle vorbei. Es heißt Mr. Wwo (sprich: wau) und verkauft heißen Hund. Irgendwie lustig, würde ein Koreaner den Witz verstehen würde er sicher hüpfen und winken. Daher stellen wir uns auch mal in die Schlange und kaufen das scharfe Würstchen im Brötchen. Mjammjam. Hund ist das zwar sicherlich nicht, schmeckt aber trotzdem.

Heute abend ist Happy Hour bei Watts on Tap. Mal sehen ob wir da vorbei schauen. Ansonsten stehen die Pläne für das Wochenende. Morgen werden wir den weltgrösten Markt für Gemüse und Obst besuchen und im Techno Markt Headsets, eine Maus und ein PC Spiel kaufen (Wenn die Preise halbwegs passen). Der Sonntag wird eher im Zeichen der Uni untergehen. Eine Schande, daß man durch die Uni vom Kennenlernen fremder Kulturen abgehalten wird.

Ach ja, unser erstes Album hat die 500 Bilder erreicht und daher setzen wir das ganze im zweiten Album einfach fort.

Der Abend war mal wieder ganz nett. Der kleine Raum ist immer ein Garant für gute Stimmung. Viele Pitcher, ein günstiger Abend und viele nette Leute. Immer wieder ne super Gelegenheit fremde Wesen anzuquatschen. Also einige neue Personen kennen lernen, einiges trinken und viel Spaß haben. Das ganze war zusätzlich noch Happy Hour. Nette Sache. Wir wurden gleich mal zum Wettsaufen eingeladen.

Donnerstag, 13. März 2008

Ein Tag wie jeder andere

Die Uni tötet inzwischen unser soziales Umfeld. Nach dem zu frühen Aufstehen frühstücken, ab in die Uni, Mittagessen in der Mensa, nach Hause, kurzes Nickerchen, in die Uni, nach Hause, kochen, essen, schlafen. Irgendwie recht eintönig.

Zwischendurch noch etwas fernsehen wenn es gut läuft und versuchen zu verdrängen, daß man etwas für die Uni tun sollte. Wir haben ja hier nur drei Kurse. Die sind (abgesehen von koreanisch) intellektuell anspruchslos aber fordern einfach zu viel (sinnlose) Arbeit.
Heute haben wir in Business Communication lernen sollen wie man eine Präsentation hält. *schnarch*
Unsere Präsentationen sind um Längen (!) besser als die vom Dozenten gehaltene Musterpräsentation. Außerdem stehen hier offensichtlich alle auf kitschige Hintergründe und viel Bewegung. Furchtbar und Augenkrebs erregend.

Und auch in Global Business Environment halten wir den Lehrinhalt für etwas unreflektiert (China, China, China und nochmals China, ach ja, China! Was ist BRIC? Brasil and Russia don't exist!). Das liegt allerdings wahrscheinlich schlicht am Unvermögen sich ansprechend auszudrücken. Inzwischen können wir die armen Austauschstudenten an der EBS echt gut verstehen wenn sie Augen rollend aus den Vorlesungen kommen.
Aber zu den schöneren Dingen des Lebens: momentan kocht Doro uns etwas ganz außergewöhnliches - Nudeln. Und zwar mit Pilzen. Mjammjam. Das ist generell nicht besonders spannend und ja auch nichts wirklich neues mehr. Allerdings ist es immer wieder amüsant, wie sie über das "betrügerische Bergvolk" schimpft, daß uns Pilze mit mehr Wurzel als Pilz verkauft.

Auch wenn der Tag öde war hoffen wir auf morgen. Da ist nämlich der Vormittag frei. Wir werden neben einigen obligatorischen Gängen vielleicht mal etwas Sightseeing schaffen.

Heute ist morgen schon gestern

Da wir es gestern nicht geschafft haben unseren Blogartikel hochzuladen holen wir das heute nach.

Bis zum Mittagessen war eigentlich alles wie immer - unspektakulär. Zum Mittagessen haben wir uns dann wieder einmal in eine der Uni-kantinen verirrt. Nicht grade die kleinste, aber durchaus ok. Meine Nudelsuppe bekam ich knast-like im Blechnapf serviert. Reis und irgendetwas undefinierbares in scharfer Soße liegt gratis bei. Obwohl dieser Freßtempel nicht der kleinste ist platze er durch den stetigen Studentenansturm recht bald aus allen Nähten. Dennoch waren es wohl eher die Ess(un)manieren der Koreaner die uns dazu trieben recht bald die Kurve zu kratzen. Schon eklig und irgendwie auch gefährlich wenn ein Asiat doch mal genötigt wird Messer und Gabel zu benutzen.

Auf dem Rückweg kommen wir dann in der U-Bahn an einer offensichtlich spontan entstandenen Mini-studenten-demo vorbei. Obwohl wir uns sicherlich einige Minuten dort aufhalten bleibt uns der tiefere Sinn dieser Sitzblockade verborgen. Soll das eine künstlerische Aktion sein? Ein Flashmob? Politischer Hintergrund? Sollen wir uns dazu setzen?
Wir beschließen, daß es uns egal ist, betrifft uns eh nicht.

Doro macht sich also auf den Weg zum Mittagsschläfchen und ich mich auf den Weg zum Rathaus um dort ein paar Karten zu besorgen, die auch den Westen Seouls abdecken. Also *hüpf* in die überfüllte U-Bahn und auf in die Mitte der Stadt. Dort treffe ich auf eine Gruppe behinderter Demonstranten, die in ihren Rollstühlen immer wieder mit Transparenten über die Straße ziehen. Ich lasse sie erstmal links liegen und stürme durch die Sicherheitsabsperrungen ins Rathaus. Nach einigem Suchen an der falschen Stelle des Hauses finde ich endlich die Tourinfo und muß enttäuscht feststellen, daß die das gleiche Kartenmaterial haben wie jede andere Tourinfo auch. Dennoch bekomme ich die gesuchte Karte. Immerhin nicht umsonst hergefahren.

Als ich das Gebäude wieder verlasse bietet sich mir ein etwas eigentümliches Bild. Drei gepanzerte Polizeibusse sind vorgefahren und haben mehrere Mannschaften gradezu schwerbewaffneter Polizisten ausgespuckt, die jetzt semiprofessionell die Demonstranten einkreisen. Ich frage mich etwas, wie das aussieht, wenn sicherlich 60 Polizisten sich auf 20 demonstrierende Rollstuhlfahrer stürzen. In Deutschland wäre das Geschrei groß, hier kümmert es niemanden - die Rollstuhlfahrer auch nicht. Die demonstrieren nämlich brav weiter bis die Polizisten in militärischer Disziplin und irgendwie den Pfadfindern gleichend den Marschweg der Gruppe unterbrechen. Dann suchen sich die Demonstranten kurzerhand einen neuen Überweg aus. Die Polizei, etwas unflexibel, blockiert während dessen weiterhin den anderen Überweg und guckt etwas dumm aus der Wäsche.
Irgendwann wird es den Demonstranten aber auch zu langweilig und sie gehen. Die anwesende Polizeispitze ist sichtlich verwirrt, berät sich sicherlich 10 Minuten um dann die Männer in 9er Rotten hinter der Gruppe hertraben zu lassen, die schon mehrere Blocks weiter gezogen ist.
Wogegen hier demonstriert wurde ist mir leider auch noch nicht klar.
Kaum zu Hause angekommen machen sich Doro und ich zusammen auch wieder auf den Weg zur Uni. Wie jeden Nachmittag steht Koreanisch auf dem Programm. Die Laute erschließen sich uns nach wie vor nicht. Das wird noch bitter werden. Wieso nuschelt die Lehrerin auch nur? Wieso klingt diese Sprache bei jedem Lehrer irgendwie anders? Sogar die Laute ähneln sich nichtmal. Und wieso ist der Koreanisch-unterricht für absolute Anfänger in koreanisch? Wie soll ich denn bitte die Erklärungen auf koreanisch verstehen, wenn ich nichtmal "ich verstehe das nicht" auf koreanisch sagen kann? Ein Rätsel jagt das nächste. In der Pause kommt ein koreanischer Student auf uns Austauschstudenten zu und bittet uns alle, ihm auf eine vorgefertigte Form etwas zu schreiben. Zuerst denke ich etwas abgeneigt an eine Unterschriftensammlung, stelle aber fest, daß hier etwas anderes vorliegt. Auf der Form braucht man keine Unterschrift, sondern nur seinen Namen, sein Land und eine kleine Nachricht für ihn. Auf unsere Frage nach dem Sinn und Zweck der Aktion meint er, er sei nun bald mit dem Studium fertig und möchte diese Liste potentiellen Arbeitgebern vorlegen um damit seine Social Skills zu untermauern. Schließlich belege diese Liste dann, daß er ja viel Kontakt mit anderen Kulturen habe. Ich kann mir das Lachen nur schwer verkneifen, schließlich habe ich den Kerl noch nie vorher gesehen. Auf solche Ideen kann auch nur ein Koreaner kommen.
Unser schönes fancy Studio hat ja bekanntlich einen Nachteil - es ist teuer. Daher sind wir immer ein wenig auf der Suche nach einer günstigeren Wohngelegenheit. Gestern hatten wir mal wieder eine Wohnungsbesichtigung. Grade im Vergleich mit unserer aktuellen Residenz nicht grade attraktiv. Kellerwohnung ohne wirkliche Einrichtung und eine rosa Tür. Das Ausschlußkriterium war mal wieder nur ein Bett. Schadeschade.
Wieso ist die Wohnungssuche hier nur so ein riesen Problem? Einzige Alternative wäre das sog. I-house. Dort ist aber strikteste Geschlechtertrennung angesagt. Also nichtmal ein Besuch auf dem jeweils anderen Zimmer ist drin. Da wir ja hier zu zweit sind, ist die Alternative für uns wenig verlockend. Wir hoffen also weiterhin etwas blauäugig auf ein Wunder oder den Lottogewinn.
Sollte ein mitleidvoller Leser Spenden an uns weiterreichen wollen geben wir auf Nachfrage gerne die Kontodaten bekannt.
Danach geht es dann nach Hause. Eigentlich wollen wir noch eine Zusammenfassung eines Textes schreiben, brechen das aber nach der Hälfte ab. Wir werden einen anderen Text nehmen und erst am Wochenende damit anfangen. Zwar nicht grade sinnvoll, aber dafür entspannter. Ich sollte mich bei der Reiseleitung beschweren. Der Urlaub hier artet noch in Arbeit aus.

Zum Abendessen dann mal etwas neues wagen - Nudeln.

Dienstag, 11. März 2008

Schlaf Student, schlaf

Würden wir den heutigen Tag beschreiben stände hier...nichts.
Nach einer eher mäßigen Nacht glichen wir heute morgen beide zwei Zombies (Spannenderweise waren wir genau wie diese auch lichtscheu und schoben alles auf den Vollmond. Mysterium...). Unsere Mittagspause haben wir daher mit Schlafen verbracht und den Abend mit Fernsehen. Hier läuft auch Dr. House (juchhu!) und außerdem extrem viele Kinofilme. Eigentlich jeden Abend irgendwelche. Darüber können wir aber leider so schlecht etwas neues schreiben.
Da wir aber ein schlechtes Gewissen haben, wenn hier nichts steht kramen wir ein paar kleinere bisher unterschlagene Facts aus der "Erzähl-mal-was-mir-ist-langweilig"-Kiste.
Zunächsteinmal bestehen die Vorlesungen hier aus 50 Minuten statt wie bei uns aus 90. Daran könnte man sich durchaus gewöhnen. Und mit 3 Wochenstunden kann man dann 3 Credits verdienen (Komischerweise bekommt man für 10 Wochenstunden nur 6 Credits. Voll die Verarsche.). Auch das restliche System ist etwas verschieden. So herrscht Anwesenheitspflicht in den Vorlesungen, das akademische Viertel fehlt und bei einem unserer Professoren bekommt man Pluspunkte fürs Lächeln...gut für Doro, das Sonnenscheinchen, schlecht für mich grimmiges Wesen.
Eine weitere Kuriosität, die hier häufig vorkommt sind Bettler. Soweit nicht kurios, die gibt es ja auch in Deutschland. Allerdings ist ihre Vorgehensweise etwas anders. Die einen sitzen tagelang regungslos in der Ecke, die anderen tragen Gummihosen, die dazu dienen eine beinlose Optik zu erzeugen, liegen mit dem Bauch auf einem gepolsterten Skateboard, bewegen sich mit den Händen in lilafarbenen Gummilatschen vorwärts und schieben eine etwas veraltete "Jukebox" vor sich her, die irgendwelche melancholische Melodien quält. Dazwischen gibt es noch Zwischenstufen. Scheint eine Art Hirarchie zu geben und irgendwelche versteckten Shops für Bettlerequipment. Set1 für den ambitionierten Hobby-Bettler enthält eine Pappkiste und dreckige Klamotten, Set2 hat noch ein gepolstertes Skateboard dabei, usw.
Eine ganz besondere Bettlerin hat als Hobby Passanten zu schlagen. Das klingt alles bei ernsthafter Betrachtung nicht wirklich lustig (sind ja auch arme Schweine), aber im jeweiligen Moment hat das durchaus humorvolle Züge. Grade die gewalttätige Bettlerin ist offensichtlich stadtbekannt. Sie hält sich immer in der jeweiligen Rushhour in der U-Bahn auf und sitzt ansonsten an Knotenpunten, wo viele Personen vorbei kommen. Dort ist sie auch schon recht bekannt und teilt die Menschenmasse wie einst Mose das Meer. Nur die armen Touris laufen immer wieder nichtsahnend in die Falle und werde dann etwas unsanft getätschelt. Heute war es ein Mormonenpärchen, das gradlinig in die Falle gelaufen ist. Ich konnte den Gedanken nicht unterdrücken, ob sie sich gefragt haben, ob das Gottes Wille war. Es trifft halt doch meistens die richtigen.
Bezüglich der Mormonen muß man auch erwähnen, daß viele Asiaten recht gläubig zu sein scheinen. Daher wundert es dann auch nicht weiter, daß in unregelmäßigen Abständen ein Van mit Lautsprechern durch die Straßen fährt und Werbung für Jesus macht. Jesus hat demnach auch eine eigene Homepage und ist unter www.jesus2.org zu erreichen. Spannend, was man so alles aus dem Himmel schaffen kann.
Viel mehr fällt uns jetzt auch so spontan nicht mehr ein. Hoffen wir mal darauf, daß diese Nacht besser wird und wir morgen etwas schönes zu schreiben haben.
P.S. Kann uns jemand den Unterschied in der Klangwelt zwischen ㅅ und ㅈ erklären? Wir brechen uns hier die Zunge raus und irgendwie klingt das alles gleich für das westliche Ohr. Hiiiiiilfe!

Montag, 10. März 2008

Yonsei at Heart

Mit deutscher Pünktlichkeit klingelt der Wecker um 7 Uhr - ich frage mich ernsthaft, wie das mit der Akklimatisierung und Integration in einer fremden Kultur funktionieren soll, wenn einen die absoluten Basics noch an Deutschland ketten. Richtig, es ist Montag morgen: aufstehen, duschen, zähneputzen, anziehen, Cons wecken, gleiches Prozedere für ihn, Frühstücken, und ab zur Uni - ganz einfach wie jeden Morgen.

Um neun beginnt der Tag dann so richtig mit einer Doppelstunde Global Business Environment. Prof Pak Yong Suhk (Mein Name ist Pak, Yong Suhk Pak - Nachnamen werden hier nach vorn gesetzt) gibt sein Bestes um die Vorlesung in englischer Sprache zu halten. Auf einem Zeugnis würde man zweifelsohne die Phrase "Er hat sich sehr bemüht" vorfinden - und das trotz MBA und Promotion in den USA! Das gekauderwelschte Wirrwarr verführt nicht gerade dazu, die noch müden Öhrchen aufmerksam zu spitzen. Auch das inhaltliche Niveau der Vorlesung überfordert uns nicht unbedingt - man bedenke, dass es ein Top Level Kurs ist, momentan höchstens Top Level an Schreib- und Präsentationsarbeit. Aber wollen wir mal nicht zu voreilig sein und den Tag vor dem Abend loben, was nicht ist kann ja noch werden.

Nach einem kurzen Intermezzo in einer der Kantinen der Yonsei machen wir uns auf in die Bibliothek um Artikel für die Vorlesung aus dem Harvard Business Review von einer Datenbank herunterzuladen und auszudrucken. Aber wiedermal erwartet uns die gewohnt moderate Planung.

Die Kurzform: keine studentID-card, studentID-number dem System nicht bekannt, Sprachbarrieren, Lächeln, Labern, Eintritt durch Überforderung der Empfangsjungs. Soweit so gut. Artikel downloaden und auf den USB... Halt! Unsere USB-Sticks funktionieren nicht. Also alles per Mail geschickt und frohen Mutes in den 4. Stock um zu drucken.

Nicht mehr lange frohen Mutes, denn nachdem der Zahlautomat für den Drucker gierig unsere Scheinchen verschlungen hat können wir trotzdem nicht drucken. Die Passnummer wird verlangt, alternativ die Nummer der Alien Registration Card. Nur zur Erinnerung: Unsere Pässe sind beim Immigration Office, damit die Alien Registration Card erstellt werden kann.

Wir reagieren darauf professionell, indem wir das Sofa in der Bibliothek für ein kleines wohlverdientes Mittagspäuschen nutzen bevor wir uns auf den Weg zum alltäglichen Koreanischkurs begeben.

Am Korean Language Institute finden wir einen Austauschstudenten, der schon sein 2. Semester hier ist und uns die erste Hälfte seines neuen Grammar Books und Reading Books (immer 1. und 2. Semester im Doppelpack) für 22.000 KRW verkauft. Dafür verstümmelt er gekonnt sein Grammar Book. Ein ausnahmslos gutes Geschäft.

Der Koreanischkurs ist wie immer: u, o, a und viele Laute, die für den deutschen HNO-Bereich wohl einfach nicht geschaffen sind. 2 junge Frauen übernehmen unseren Kurs täglich abwechselnd, aber Cons und ich bevorzugen die Dienstag&Donnerstag-Dame. Sie kann so herrlich das u-Schnütchen vormachen! Heute allerdings amüsieren wir uns auch offensichtlich köstlich, denn wir üben Laute, die im deutschen einer informellen Bezeichnung für Exkremente sehr ähneln.

Auf dem Heimweg kommen wir mal wieder nicht an dem Zimt-Zucker-Traum-Stand vorbei, ohne Geld dazulassen. Ein absoluter Gute-Laune-Macher. Für mich gibts Spaghetti mit Ketchup, für Cons Sushi mit ein paar anderen Studenten. An sich ist Sushi sicher ganz lecker, aber es ist immer so verdammt viel Masse im Mund, dabei vergeht mir doch immer wieder der Appetit.
Nachdem er wieder ins traute Heim zurückgekehrt ist macht er mir noch den Mund mit einem Nachtisch wässrig, an dem ich wohl in den kommenden Tagen nicht vorbeikommen werde.

Nach einem langen Tag an der Uni freue ich mich jetzt aufs schöne, weiche, warme Bettchen. Und ich bin mir sicher, dass hier die Planung excellent ist!