Freitag, 20. Juni 2008

"Und das an meinem Geburtstag..."

Nach einer Nacht mit sehr humidem Klima wachen wir morgens trotz Urlaubs recht früh auf, lassen es dann aber doch langsam angehen - schließlich hat Cons Geburtstag. Das Wetter meint es nicht so gut mit uns - unsere Theorie: Gott hat seine ganze Kraft in unsere koreanisch Klausuren gesteckt, sodass er uns jetzt keinen Sonnschein mehr bieten kann. Selbst wenn es nicht regnet ist es draußen so feucht und neblig, dass man schnell durchnässt ist. Wir lassen uns davon nicht abhalten, sondern freuen uns auf eine warme Dusche im Bad der Ocean-View-Honeymoon-Suite der Extraklasse. Leider zu früh gefreut - kein warmes Wasser. Nach einer Katzenwäsche machen wir uns aber dann doch bald auf den Weg um etwas zwischen die Kiemen zu bekommen. Ironie des Schicksals: Wir landen in einem japanischen Restaurant und bekommen direkt Kiemen zwischen die Kiemen. Aber das Erlebnis bedarf mehr als nur eines Satzes. Wir machen es uns also auf dem kühlen Boden des Japaners gemütlich und bestellen beide eine "Peppery Soup", da die koreanische Kellnerin auf die Frage obs scharf sei den Kopf schüttelt. Glücklicherweise muss man sagen, denn auch sonst gab die Speisekarte für den westlichen Gaumen nicht so viel her, selbst nach 4 Monaten Gewöhnung. Schon bald darauf werden wir mit zahlreichen japanischen Nebengerichten bedient, bis der Tisch voll ist. Grinsend bringt die Tischsklavin uns auch Gabeln, eine andere Koreanerin lacht sich dabei im Hintergrund halb schlapp - als ob wir das nötig hätten! Nur keine peppery soup dabei... Sah alles auch schön bunt aus, entsprach aber leider nur zu geringen Teilen unserem Geschmack. Viel zu viel Oktopus, Muscheln, kleine Krebse etc. Letzteres stellt uns vor ein besonderes Problem, da wir nicht in der Lage sind, dem Mini-Krebs Fleisch zu entnehmen. Wir schließen darauf, dass die niedlichen Krabbler für den Koreaner als kleiner Knuspersnack durchgehen sollen. Immer mehr karrt die Kellnerin für uns an, wir wissen schon lange nicht mehr wohin mit dem Kram, denn was wir da bekommen haben würde locker als extrem variantenreiches Partybuffet durchgehen. Wir schauen uns immer verzweifelter nach einem Mülleimer um. Der gegrillte Fisch zum Beispiel war ganz lecker, aber warum auch sich die Mühe machen irgendetwas vorher auszunehmen. Immer noch keine peppery soup. Langsam glauben wir an ein Missverständnis... Gerade als wir gehen wollen (ob wir wirklich satt waren oder ob uns der Appetit vergangen war beim Anblick noch halbwegs saugfähiger Krakenarme etc. war nicht ganz klar) kam die Tante wieder herein - und endlich hatte sie eine Suppe dabei! Der Farbe nach zu urteilen war sie auch recht red peppery... Dazu ein klassisches Schälchen Reis, aber leider keinen Hunger mehr. Es stellt sich recht schnell heraus, dass das gar nicht so leider ist. Im ersten Moment sah die Suppe auch ganz appetitlich und essbar aus mit netter Petersiliendeko (seeehr großzügiger Petersiliendeko). Cons begeht dann den größten Fehler. Er rührt um und schaut rein. Die Suppe schaut zurück. Ein 10cent großes Fischauge noch am Fischkopf blickt neugierig seiner Zukunft entegen. Ein Flosse schaut keck über den Tellerrand. Offensichtlich kennt der Fisch keine Kukident-Haftcreme, denn die Zahnreihen planschen fröhlich neben dem süßen Mäulchen vorbei. Dass nichts nach uns schnappt ist wohl reine Glückssache. Cons entledigt sich erst mal schwitzend sämtlicher Suppeninhalte und probiert die Brühe - ziemlich peppery, oder auch extrem scharf. Ich begehe nicht den gleichen Fehler und versuche den Fisch so gut wie möglich mit der Petersilie abzudecken und esse die mitgekochten Gemüsestücke. Will ja schließlich auch nicht nackig irgendwo rumliegen, egal in welchem Zustand.
Nach dieser asiatischen Erfahrung machen wir uns auf den Weg ins Jungmun Resort um dort an den Strand zu gehen. Der sollte bei dem Wetter wenigstens leer sein. Die Bushaltestelle erreichen wir über Umwegen aber letztendlich kommen wir an unserem Ziel an und schmeißen uns in die Badesachen. Das Wasser ist sehr klar, ein Wasserfall plätschert neben uns und hinter uns wächst irgendwelches Grünzeug an einem steilen Hang hoch. Der Sand ist rötlich, da er aus schwarzem Sand mit rotlichem und weißem Muschelpulver besteht. Der Koreaner beschreibt das allerdings als "white sand beach". Bei Sonne sicherlich ein schöner, aber überfüllter Strand. Unserer Erwartung entsprechend war das Wasser recht kalt und Cons kreischt wie ein kleines Mädchen und bettelt um Rettung. Andererseits auch nicht viel anders als die Dusche heut morgen. Wir erfreuen uns an den Wellen bis uns ein paar Hobby-Surfer mit Laienqualität von den Wellen vertreiben - tse, als hätten die einen Anspruch darauf. Sollen sie halt üben wo keiner schwimmt. Am Strand kümmert sich Cons fachmännisch um die Verlegung des Wasserfallflüsschens am Strand zum Meer. Ich baue derweil an einer naturgetreuen Sandnachbildung der Frau. Nach dieser architektonischen Meisterleistung schauen wir uns den Fasserfall etwas näher an und entscheiden, dass er für eine Naturdusche durchaus geeignet ist. Wir müssen feststellen, dass entweder im Wasser oder am Strand irgendwelche mörderischen Horrorviecher uns ausgesaugt haben, denn wir sind am ganzen Körper mit riesigen juckenden Stichen durchlöchert. Aber der Wasserfall war noch sehr schön - kühl, aber erfrischend.
Auf dem Rückweg finden wir endlich einen Bäcker um eine kleine Geburtstags-Schokosahnetorte à la außen hui innen pfui zu besorgen. Nun sitzen wir wieder mit massig Mücken in unsem Logement und hoffen drauf, dass morgen dass Wetter besser wird. Die Wahrscheinlichkeit ist gering, da offenbar dieses Jahr die Monsunzeit früher eingesetzt hat als sonst. Wir stellen zudem fest, dass in unserem Luxus-Domizil das 4. Stockwerk ausgelassen wurde und es außerdem immer noch keinen Aufzug gibt. Unsere Luxus-Suite ist im also 4. Stock mit Doppel-Nummer 602 (In Korea ist das Erdgeschoss schon der 1. Stock), da offenbar die Zimmernummern in zwei verschiedenen Ausführungen angeschafft wurden. Und wenns schon zwei mal da ist, dann kommts halt auch zwei mal an die Tür. Doppelt hält eh besser.

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