Der Tag begann regnerisch. Irgendwie ironisch, das wir bei Regen den Sommer Palast besuchen wollten. Diesesmal hatten wir das richtige Geld dabei und auch die richtige Buslinie war schnell gefunden. Auf zum Palast. Dummerweise hatten wir die Karte vergessen und uns war nicht so wirklich klar, wo wir aussteigen mußten. Man hatte uns gesagt, wir könnten es nicht verpassen und so fuhren wir zuversichtlich in einem überfüllten Bus in nördliche Richtung.
Einige male wären wir bei prachtvollen Mauern fast aus dem Bus gehüpft und hatte uns nur mit Mühe beherrscht. Zum Glück, denn die richtige Haltestelle war die Endstation.
W
ie sich das gehört grinste uns als erstes wieder ein goldenes M an. Dieses Zeichen verfolgt uns weltweit und so versuchten wir es gelassen zu ignorieren und gingen erstmal Tickets kaufen. Dabei sollte man rechnen können. Es gibt zwei Arten von Tickets, das normale Eintrittsticket mit dem man "nur" die Parkanlagen besichtigen kann und das sog. "Throughticket" mit dem man auch 4 weitere Attraktionen auf dem Gelände besichtigen kann, die sonst extra kosten. Was wir nicht wußten ist, daß die einzelnen Preise nur 10 Yuan waren, daß man als Student das normale Ticket für die Hälfte bekommt, daß auf dem Troughticket 4 Dinge inbegriffen sind und wir davon nur 3 sehen wollten. Hätten wir das alles gewußt hätten wir nämlich das verbilligte Eintrittsticket genommen und wären damit auf jeden Fall günstiger gefahren...Mathe war eben noch nie meine Stärke.
Das sollte uns allerdings erst beim Verlassen des Parks auffall
en und so stoßen wir unbeirrt in unbekanntes Gelände vor. Kaiser Cons und Prinzessin Doro in ihrem Palast.
Das gesamte Gelände ist inklusive der ausladenden Wasserlandschaft (riesiger See) ca. 4 mal so groß wie die verbotene Stadt (oder noch mehr). Wenn man bedenkt, wie unsere Füße sich angefühlt haben nach der dortigen Wanderung kann man erahnen auf was wir uns eingestellt hatten.
Die Bauten dort sind jedoch wirklich schön und so lag unser Fokus wenig
er auf den Füßen als auf dem was wir zu sehen bekamen. Kurz nach unserer Ankunft hörte es auch noch auf zu regnen - was will man mehr. Und so stiegen wir zuerst einige (viele) Treppen auf die Spitze des Berges um den Tower of Buddhist Incense zu erspähen. Das macht dann auch recht bald deutlich wieso der Palast zum Weltkulturerbe erklärt wurde.
Die unzähligen an den Berg gebauten Türmchen, Palaste und Tempel sind wirklich nicht von schlechten Eltern. In diesem Palast könnte man sicherlich mehrere Tage verbringen und dennoch etwas auslassen, weshalb wir etwas priorisiert haben und eher die Hauptattraktionen besuchen wollten.
Nachdem wir den Tower vom Berg aus genauer betrachtet hatten wanderten wir auf den wirklich schön angelegten Wegen wieder hinunter um am Fuße angekommen festzustellen, daß wir ja auch noch in den Tower hinein könnten. Also wieder viele Stufen durch schön angelegte Hallen und Säulengänge hinauf.
Oben angekommen dann wieder einen anderen Weg abwärts :-) Und so stre
ifen wir durch ein altes Opernhaus, einen Garden of Harmony, der nur aus einbetonierten Bäumen besteht, sowie viele Steinklötze. In China sind Steine nämlich voll im Trend. Jeder reiche Chinese besorgt sich nämlich irgend einen großen Stein, stellt den dann in seinem Garten auf und prahlt damit rum. Scheinen die Frauen auch voll drauf zu stehen. Hier kauft man sich ein dickes Auto zur Midlifecrisis in China einen großen Stein.
Und so ist es auch nicht verwunderlich, daß im Summer Palace der größte chinesische Stein steht (wobei der garnicht so groß ist). An diesem Stein drängen sich auch die Tourimassen. Warum weiß der Himmel. Natürlich findet sich an solch einer Stelle auch wieder ein kleines Kind mit Schlitz in der Hose welches seine Notdurft verrichtet. Das bringt auch einige weitere Touristen etwas an den Rand des Ekels - wir sind beruhigt, das wenigstens nicht nur wir das etwas ungewöhnlich und eklig finden.
Nachd
em wir alle Hauptattraktionen abgegrast haben und die innerpalästlichen Attraktivitäten auch ihre Pforten schließen machen wir uns auf den Rückweg wobei wir etwas vom Hauptweg abstreifen um den Weg abzukürzen. Wir landen auf einem gänzlich unbevölkerten Stück Park das eigentlich an Schönheit die anderen Palastteile übertrumpfen könnte. Kein Tourist und wunderschöne Grünanlagen. Die historischen Gebäudeteile hier sind zwar ziemlich verfallen (wozu auch renovieren, wenn es eh kein Touri sieht), dennoch ist der Rasen gepflegt und die Wege sind wie überall in China sauber gefegt. Wenn wir uns nicht etwas Sorgen gemacht hätten, daß wir um raus zu kommen über eine 10m hohe Mauer klettern müssten wäre das sicher ein Ort zum Sonnenbaden gewesen. Idylle pur eben.
Nachdem wir dann die richtige Abzweigung verpassen und uns noch über ein Schild lustig machen, was uns die richtige Richtung gezeigt hätte krackseln wir noch eine Wasserrinne hinauf und schaffen es noch pünktlich aus dem Ausgang.
Uns überkommt der Hunger. Da wir auch nicht mehr allzu flüssig sind wird die nächste und günstigste Futterkrippe aufgesucht - das goldene M. Das ist an und für sich unspektakulär. Viel spannender ist es, daß sich einige Touristen beobachten lassen, die sich vor dem Mäckes fotographieren lassen. Neben einem antiken Tempel oder einem Wahrzeichen können wir das ja nachvollziehen, aber vor einem McDonalds? Kulturbanausen!
Auf dem Heimweg kommt mir der Gedanke, daß die Busfahrt eigentlich vielleicht nicht nur 10 sondern 20 cent kosten könnte weil 10 cent nur für eine bestimmte Strecke sind. Da uns das aber sowieso niemand erklären könnte nehmen wir unsere Einsparung glücklich hin und erreichen auch unser Domizil. Doro hatte sich gestern schon ein Poloshirt der China Marke "Robin Hood" (wobei das Aussehen und das Logo dieser Marke stark an Pringle of Scotland erinnert) gekauft und ich werde mir heute das männliche Gegenstück besorgen. Das finden die Chinesen super, denn die stehen voll auf Partnerlooks. Das geht soweit daß sie Socken, Schuhe, Hose, T-Shirt und auch Mützen zusammen tragen. Irgendwie schon lächerlich und so beschließen wir die Shirts niemals gleichzeitig zu tragen. Partnerlook ist untrue.
Der Abflug wird uns morgen um halb 6 aus den Federn reißen weshalb wir uns früh aufs Ohr legen werden und auch das Packen steht noch an.
Summa summarum lässt sich festhalten, daß China schöner als Korea ist und auch an vielen Stellen wesentlich globalisierter erscheint. Leider sind 5 Tage einfach zu kurz. Wir haben daher auch beschlossen Tokyo zu streichen und irgendwann eine etwas längere Asienrundreise zu starten. Stattdessen werden wir den Osten von Korea weiter erkunden.





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