Dienstag, 13. Mai 2008

Die Verbotene Stadt

Der Morgen beginnt mit freundlichen chinesischen Sonnenstrahlen. Nach einem kleinen Frühstücksimbiss, Pita mit Tomate und Käse (viel Pita, wenig Rest), machen wir uns also gut gelaunt auf den Weg zur Verbotenen Stadt. Leider ist das U-Bahn-Netz nicht ganz so komfortabel wie in Seoul, sodass man doch eine kleine Ewigkeit laufen muss, bevor man eine Station entdeckt, denn was auf der Peking-Touristenkarte nach einer kurzen Strecke aussieht sollte man nicht unterschätzen. Aber jung und dynamisch wie wir sind stört uns das herzlich wenig.
Die Verbotene Stadt am nördlichen Ende eines Plazas mit dem wunderschönen Namen "Platz des himmlischen Friedens" begrüßt uns mit einer unglaublichen Anzahl an Touristen und Chinesen, die uns Führungen anbieten oder uns zu studentischen Kunstausstellungen einladen. Hehe, die machen sich ganz umsonst die Mühe. Was nett und freundlich beginnt endet meist mit einer totalen Abzocke, aus der man nicht mehr rausskommt - wir wurden schon in unserem Hostel vorgewarnt. Besonders Einladungen in Teeshops oder studentische Kunstausstellungen sind wohl momentan voll im Trend für Ausländer. Wir finden schnell heraus, dass es hilfreich ist vorzugeben man könne kein Englisch.
Die Verbotene Stadt ist beeindruckend prächtig und groß (prächtig = für Olympia 2008 aufgemöbelt). Goldene Dächer, kleine Flüsse, Brücken, chinarote Paläste, künstlerische Verzierungen, Gärten, Innenhöfe, Pavillions und liebevolle Namen wie Palast der himmlischen Klarheit, Halle der mittleren Harmonie, Palast der himmlischen Reinheit, Tor der höchsten Harmonie, Palast der irdischen Ruhe, Halle zur Bildung der Gefühle, Tor der göttlichen militärischen Begabung... und jeder einzelne hatte während der Kaiserzeit seinen ganz bestimmten Zweck. Etwas störend waren besonders im ersten Drittel die Mengen an Touristen - für das erste Drittel wurde kein Eintritt genommen.
Im etwas unbevölkerten, weil kostenpflichtigen Innenhof machen wir dann mit Entsetzen die Entdeckung, dass kleine Kinder hier auf eine gänzlich andere Weise stubenrein gemacht werden als in good old Germany: praktisch, preiswert und umweltfreundlich einerseits, eklig und abstoßend andererseits. Die Hosen haben einen Schlitz am Hintern, die Kinder tragen keine Windeln. Sie hocken sich wie die Hunde hin, der Schlitz spreitzt sich dadurch und schittern einfach in den kaiserlichen Innenpalast. Die Mutter wischt noch schnell den chinesischen Hintern ab und bedeckt mit dem Tüchlein das Häufchen. Igittigitt! Scheint aber hier gang und gebe zu sein - andere Länder andere Sitten.
Nach geschlagenen dreieinhalb Stunden nähern wir uns glücklich, zufrieden, ein bisschen fertig und hungrig dem Ende der Verbotenen Stadt. Das ganze kostet uns pro Person weniger als 6 Euro. Zahlen, Daten, Fakten der Verbotenen Stadt: 720km² Grundfläche, 150km² bebaute Fläche, 890 Paläste, unzählige Pavillions und insgesamt 9.999 1/2 Räume. Wichtiger Punkt mit symbolischem Charakter: nur der Himmel durfte einen Palast mit 10.000 Räumen haben, die "Söhne des Himmels" mussten sich mit einem 1/2 Raum weniger zufrieden geben.
Wieder einmal laufen wir eine halbe Ewigkeit um zu einer ebenfalls für Olympia 2008 hochgezogenen Shoppingmeile "ganz in der Nähe" zu gelangen. Es erwarten uns viele internationale Unternehmen, und auch die Luxuslabels kommen nicht zu kurz. Noch begrüßt uns allerdings häufig ein "Opening soon" auf riesigen Plakaten und eingehüllten Gebäuden. Wir erstehen in einer niegelnagelneuen sehr westlich modern anheimelnden großen Shoppingmall für gemeinsam 3 Euro ein arg verspätetes reichliches Mittagessen mit dem wir beide sehr zufrieden sind. Gesättigt laufen wir noch die Straße runter, wieder mal ein "kurzes Stück" zur nächsten U-Bahn-Station. Ich erstehe noch auf dem Heimweg ein Polo-Shirt bis wir jetzt feststellen, dass wir wohl das Ladegerät für die Akkus vergessen haben und hier nicht 1,2 sondern1,5 Volt Batterien verkauft werden... Scheiße, denn morgen kommt die große Mauer!!!

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