Sonntag, 9. März 2008

Total teurer Tag

Der Tag begann günstig mit einem Hotellfrühstück inklusive. Wir hatten uns für 14 Uhr mit Isa verabredet und nahmen uns daher vor, den Vormittag mit Aufräumen, Waschen und Bügeln zu verbringen. Währenddessen arbeiteten wir für den Nachmittag mögliche Routen aus. Dazu bekamen wir dann auch noch eine nette Mail von einem deutschen Studenten, der im vergangenen Jahr 6 Monate hier in Seoul verbracht hatte. Seine Erlebnisse findet man unter http://lost-in-seoul.blogspot.com/. Seine netten Hinweise und Empfehlungen werden in den kommenden Wochen sicherlich auch einige unserer Ziele bestimmen.

Pünktlich 13 Uhr erreichte uns eine Message, daß Isa uns versetzen würde, weil ein Kommillitone sein Handy im Taxi verloren hätte (aha und der braucht also einen Kindergärtner?). Den Vormittag hatten wir also sinnlos vertrödelt.
Da mußte also der Nachmittag umso konstruktiver gestaltet werden. Genügend Pläne hatten wir ja bereits gemacht.

Wir entschieden uns den Dongdaemun Flohmarkt zu besuchen, dann zum Jogyesa Tempel zu laufen um Doro dieses Schmuckstück auch noch zu zeigen und dann im Jogno-Tower uns einen Kaffee zu leisten.

Gesagt getan, auf zum Flohmarkt. Aus Deutschland sind wir ja diese kleinen ranzigen Flohmarktstände gewöhnt hinter denen dicke Männer mit Bluthochdruck stehen und kleine Überraschungseierfiguren verkaufen. Das ist hier etwas anders.
Der überdachte Flohmarkt befindet sich in einem alten, ungenutzten Stadium und ist etwa ein Fußballfeld groß. Darin drängen sich dicht an dicht kleine Stände, die so ziemlich alles verkaufen. Besonders auffällig sind einige Stände, die sich auf Erotikartikel spezialisiert haben. Asiatische Pornos, Dildos und sonstiges Spielzeug in Massen :-)
Dafür scheinen sich die Betreiber aber irgendwie zu schämen (oder wollen ihre Kunden schützen), denn als wir ein Foto machen wollen wird es uns verboten (Wir haben dennoch ein bedauerlicherweise verwaschenes hinbekommen). Erst einen auf prüde machen und dann die Pornos reinschieben wie andere Leute Gummibärchen, das haben wir schon gerne.
Ansonsten gibt es dort alles von der "original" LV-Tasche über Helme mit Schußlöchern über Elektronikartikel und Angelruten bis hin zu teilweise direkt schönen Wohnungseinrichtungsgegenständen.

Auf dem Weg zur U-Bahn machen wir eine Entdeckung. In der Gegend kochen die Restaurants teilweise draußen auf Fässern. Ganz witzige Idee eigentlich. Erinnert an eine Ich AG in der Bronx.

Nachdem wir eine Stunde lang hunderte Kuriositäten angesehen hatten machten wir uns auf den Weg zum Jogyesa Tempel. Den hatte ich mir zwar schon angesehen, aber für Doro war dieses Highlight noch neu. Auf dem Weg dorthin sind übrigens zig Läden, die Buddha-statuen und Mönchskleidung sowie anderen Kitsch an Touris verkaufen frei nach dem Motto "Auch Du kannst ein Buddhist sein".

Dann setzen wir uns wie gewohnt in den Tempel und betrachten das Geschehen in Mitten der Gläubigen. Die goldenen Buddha Statuen sind immer noch beeindruckend. Nur fehlt heute leider der Vorbeter. Dafür sind aber mehr Leute anwesend und die feiern offensichtlich teilweise im Tempel mit Tee und Kaffee ein kleines Sit in. Nette Religion.

Nachdem wir unser Chi fast gefunden hatten drängt jedoch die Zeit etwas. Wir verschieben die Findung unserer energetischen Mitte auf den nächsten Tempel und stapften weiter Richtung Jongno Tower.

Auf dem Weg durften wir in eindrucksvoller Weise beobachten mit welcher Hingabe koreanische Männer und Frauen den Volkssport "Kunstspucken" betreiben. Da scheint höchste Technik gefragt zu sein. Mit einer Inbrunst und einem gurgelnden Brodeln wird zuerst unter einer beeindruckenden Geräuschkulisse eine schleimige Flüssigkeit aus den tiefsten Tiefen des Körpers hervorgequält. Diese wird dann im Abstand weniger Meter gleichmäßig während des Laufens wild auf dem Boden verteilt. Erinnert uns irgendwie an Hänsel und Gretel und die Brotkrümel.

Sehr zu unserem Bedauern wird unsere Studie abrupt abgebrochen, als wir am Tower ankommen und in den 33. Stock schweben. Wir waren vorgewarnt worden, daß uns ein etwas teureres Erlebnis bevorstand. Den Blick wollten wir uns dennoch nicht entgehen lassen. Also rein in das Restaurant "Top Cloud". Ich bestellte einen "Iced Coffee" und Doro einen "Caesar Salad". Die Preise waren zwar deutlich westlich gehobener Standart, wir hatten jedoch mehr befürchtet. Der köstliche Salat liegt bei 12.000 SKW und der Kaffee bei 8.000 SKW (beides noch + VAT). Kommen wir also summa summarum auf 22.000 SKW. Das ist sicherlich ne Menge, der Blick reißt aber alles wieder raus. Der ist nämlich atemberaubend! Daran liegt es wahrscheinlich auch, daß wir für unsere Nahrungsaufnahme sicherlich anderthalb Stunden gebraucht haben. Danach erwartete uns auf der Toilette eine ebenso tolle Aussicht in die andere Richtung. Wir konnten uns garnicht satt sehen. Am liebsten hätten wir uns ein Bettchen aufgestellt und währen dort oben eingezogen.

Irgendwann bekommen wir allerdings ein etwas mulmiges Gefühl und verabschieden uns schweren Herzens. Vom westlichen Flair eingefangen stolpern wir etwas hunrig in den direkt neben dem Tower gelegenen Pizza Hut. Ahnungslos setzen wir uns also hin und öffnen die Karte. Mit der Karte geht auch der Mund auf. Eine Margheritapizza kostet 16.900 SKW. Ja bin ich denn Krösus. In Deutschland laden die Reichen ihre Angebeteten in Luxusrestaurants ein, hier in den Pizza Hut. Genau diese Margherita nehmen wir dann auch und teilen sie uns. Wenigstens schmeckt sie und füllt uns beide ausreichend. Ich frage mich, ob jetzt alle denken, daß wir tierisch reich sind, wenn wir gleich aus dem Restaurant kommen und bereite mich moralisch aufs Autogramme schreiben vor. Stift gezückt und raus aus dem Laden - kümmert keine Sau, kein Blitzlichtgewitter. Schade.

Inzwischen geht die Sonne langsam unter und wir machen uns auf den Rückweg. Da wartet noch viel Wäsche, Aufräumen und Vorbereitung auf den morgigen Unitag.
Morgen werden wir dann endlich unsere Koreanischbücher kaufen können (juchhu!) und uns etwas intensiver um die Uni kümmern. Vielleicht können wir ja einiges vorarbeiten und durch optimalere Organisation mehr Freizeit schaffen. Optimieren macht den BWLer ja glücklich.

Außerdem haben wir begonnen uns an Stefan (der andere Student mit dem Blog) ein Beispiel zu nehmen und unsere besuchten Orte auf Google Earth zu dokumentieren. Das werden wir dann bei Zeiten irgendwie online stellen.

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ach, wie ist es sooo schön täglich Informatives, Kurioses, Interessantes aus dem fernen Land Südkorea lesen zu können. Spritzig geschrieben vermittelt es einen Eindruck in die Erlebniswelt dieser fremden Kultur, die Finanzsituation armer Studenten,die depressiven Phasen, die scheinbar merklich weniger werden(Gott-sei-Dank!). Macht eifrig so weiter, vergeßt aber das Studieren nicht!!!!, ich gucke jeden Morgen als erstes nach, was es Neues gibt.

Anonym hat gesagt…

Auch ich schaue jaden Tag nach, was ihr lieben "Studierenden" so erlebt habt. Studieren bedeutet ja nicht nur BWL pauken! Es wäre allerdings nett, wenn ihr eure Preisangaben in Euro schreiben wüedet, denn wir hier im Westen sind nicht so fit im umrechnen wie ihr, die ihr mit der fremden Währung lebt.

Constantin & Dorothea hat gesagt…

Na wer ist denn da anonym?
Manchmal vergessen wir das Umrechnen bedauerlicherweise. Ist allerdings nicht weiter schwer. Einfach SKW / 1350 = €

Viele Grüße